Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Regierung erleichtert Brennstoffwechsel für Industriebetriebe

Von Wolfgang Ernhofer

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Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

29.09.2022

Berlin (dpa) *21:30 Uhr – Erleichterter Brennstoffwechsel für Industriebetriebe

Wegen der drohenden Gasknappheit soll Unternehmen der Umstieg auf andere Brennstoffe erleichtert werden. Das Gesetz, das der Bundestag am Donnerstagabend verabschiedet hat, sieht eine Reihe von zeitlich befristeten Vereinfachungen im Genehmigungsverfahren vor. Wenn der Bundesrat den Regelungen ebenfalls zustimmt, kann der Betrieb einer Anlage auch vorläufig genehmigt werden, wenn noch nicht alle erforderlichen Unterlagen vorliegen. Darüber hinaus sollen Fristen bei der Beteiligung der Öffentlichkeit verkürzt werden. Die Regelungen gelten aber erst bei der förmlichen Feststellung einer Gasmangellage – und auch dann nur für einen Zeitraum von zwei Jahren.

28.09.2022

Frankfurt/Main (dpa) *17:41 Uhr – VCI-Präsident: 100 Milliarden Euro für Gaspreisbremse «realistisch»

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Christian Kullmann, hält ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro bei der diskutierten Gaspreisbremse für realistisch. «Wenn wir hier davon sprechen, dass wir große Industrien und vielen Tausend Unternehmen unter die Arme greifen müssen, dann sind die 100 Milliarden für die Bundeswehr ein wahrscheinlich deutlich zu kleiner Topf für diese Aufgabe», sagte er dem Nachrichtenportal «The Pioneer» (Donnerstag). Die Schuldenbremse sei nicht mehr einzuhalten.

Die Situation in der chemischen Industrie sei unglaublich schwierig, sagte Kullmann. Er schätze, dass mindestens ein Drittel der Unternehmen der Branche in ihrem Bestand akut gefährdet seien. Etwa 99 Prozent der Firmen bräuchten das Gas für ihre Produktionsprozesse, nicht zum Heizen von Lagerhallen oder Büros, betonte er: «Die chemische Industrie ist eine der energieintensivsten Industrien im Land.»

Kullmann sprach sich für die Abschaffung der Gas-Umlage aus: «Jetzt sind wir in einer anderen Situation. Jetzt brauchen wir neue Maßnahmen.»

Frankfurt/Main (dpa) *15:18 Uhr – Umfrage: Viele Chemie-Unternehmen sehen sich in Existenz gefährdet

In der Chemie- und Pharmabranche sind die Sorgen wegen der hohen Energiepreise weiter hoch. In einer Umfrage des Arbeitgeberverbands BAVC gab gut ein Fünftel (20,7 Prozent) der Unternehmen an, ihre wirtschaftliche Existenz sei absehbar gefährdet, wenn die Preise für Energie oder Rohstoffe auf dem jetzigen Niveau bleiben und nicht wieder sinken. Weitere 40 Prozent erklärten, ihre Existenz sei erst gefährdet, wenn die Preise für Energie und Rohstoffe weiter steigen. Gut 36 Prozent teilten dem BAVC mit, sie sähen ihre wirtschaftliche Existenz absehbar nicht gefährdet.

An der Umfrage des Arbeitgeberverbands hatten sich im September knapp 400 Unternehmen mit mehr als 230.000 Beschäftigten beteiligt. Der BAVC, der rund 1900 Betriebe mit 580.000 Beschäftigten vertritt, sieht die Situation der Branche in der Energiekrise als düster an. Kaum einem Unternehmen gelinge es noch, steigende Preise komplett an die Kunden weiterzugeben. Zudem rechneten sieben von zehn Firmen für die kommenden Monate mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage.

Vor der anstehenden Tarifrunde forderte BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller, die Gewerkschaft IG BCE müsse ihre Erwartungen anpassen. «Zusätzliche dauerhafte Kostensteigerungen sind in der Breite der Branche derzeit nicht tragbar.» Die Wettbewerbsfähigkeit und die Geschäftserwartungen hätten sich seit der Brücken-Regelung vom April deutlich verschlechtert.

Im Frühjahr hatten sich der BAVC und die Gewerkschaft IG BCE auf einen Teilabschluss geeinigt und wegen der hohen Unsicherheit um den Krieg in der Ukraine eine Einmalzahlung von 1400 Euro pro Kopf als Übergangslösung beschlossen. Die IG BCE fordert eine nachhaltige Erhöhung der Entgelte wegen der hohen Inflation. Die Gespräche sollen am 17. und 18 Oktober in Wiesbaden weitergehen.

Halle (dpa/sa) *13:28 Uhr – Chemieproduktion in Leuna deutlich eingeschränkt – Ruf nach Hilfe

Die chemische Industrie in Leuna sieht sich angesichts der hohen Gaspreise zunehmend in Bedrängnis und fordert rasche Unterstützung von der Politik. «Wir haben über den Schnitt der Betriebe am Standort aktuell Produktionseinschränkungen von ungefähr 50 Prozent», sagte der Geschäftsführer der Infraleuna, Christof Günther, am Mittwoch in Halle. «Wir haben eine Situation, wo die chemische Industrie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann und wo wir ganz dringend Unterstützung brauchen, denn es leuchtet jedem ein, dass ein defizitärer Anlagenbetrieb nur sehr begrenzte Zeit aufrecht erhalten werden kann.»

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Im Chemiepark Leuna seien die verschiedenen Unternehmen und Anlagen miteinander verbunden. In diesem Verbund produziere die chemische Industrie sehr effizient und wettbewerbsfähig. «Jetzt kommt es darauf an zu verhindern, dass aus diesem Verbund wesentliche Elemente herausbrechen aus wirtschaftlichen Gründen», sagte Günther. Dies könnte dazu führen, dass andere Anlagen, die aktuell noch wirtschaftlich betrieben werden können, auch außer Betrieb gehen müssen.

«Wenn eine solche Entwicklung einsetzt, ist das ein Dominoeffekt, der dazu führt, dass die chemische Industrie nicht nur in Leuna, sondern im gesamten mitteldeutschen Chemiedreieck in Mitleidenschaft gezogen wird», sagte Günther weiter. Unzweifelhaft hätte das auch Auswirkungen auf die ganze nachfolgende Industrie wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Anlagenbau, Bauwirtschaft und Landwirtschaft. «Überall sind die nachfolgenden Wertschöpfungsstufen auf die Chemieprodukte angewiesen.» Es drohten Lieferkettenstörungen, «die sich niemand ausmalen kann im Moment».

An dem Industriestandort arbeiten für rund 100 Firmen etwa 12.000 Menschen, darunter 600 in der Erdöl-Raffinerie. Die Infraleuna bietet Dienstleistungen für die Firmen an. Dazu zählt die Energieversorgung aus eigenen Gaskraftwerken.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, sagte, das Knappheitsproblem bei der Energie müsse bekämpft werden. «Wir brauchen aus allen Quellen, derer wir Herr werden können, mehr Energie im Markt. Gas und Strom. Das ist die wichtigste politische Botschaft zunächst einmal.» Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke dürften nicht vom Netz genommen werden. Man müsse auch auf Fracking setzen. «Wir müssen alles, alles was wir kriegen können, an den Markt bringen, damit die Preise fallen. Wenn die nicht fallen, ist es nicht zu bezahlen.»

Berlin (dpa) *10:31 Uhr – Umfrage: Führungskräfte sehen Bürokratie als größtes Hindernis

Nach Ansicht von Führungskräften in Deutschland hakt es bei der Transformation der Wirtschaft vor allem an langen Genehmigungsverfahren. Als größtes Hindernis für die «grüne Transformation», also den klimafreundlichen Umbau von Produktionsprozessen, wird Bürokratie wahrgenommen. Das ergab ein «Industrie 5.0»-Report, den das European Center for Digital Competitiveness der ESCP Business School Berlin sowie der Maschinenbauers Voith in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach am Mittwoch vorlegten.

Der Abbau von Bürokratie und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren werden demnach als die wichtigsten Voraussetzungen für eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft gesehen. Technischer Fortschritt könne ganz wesentlich dazu beitragen, die Klimabelastungen zu verringern, sagten 87 Prozent der Führungsspitzen aus Wirtschaft und Politik. Erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff würden als bedeutender eingeschätzt als Elektromobilität. Der Report basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage des IfD Allensbach unter rund 500 Top-Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland.

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