Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Regierung erleichtert Brennstoffwechsel für Industriebetriebe

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21.09.2022

Leuna (dpa/sa) *19:15 Uhr – Hunderte Menschen demonstrieren in Leuna

Angesichts der angespannten Lage im Energiesektor, die auch die Chemiebranche betrifft, sind in Leuna mehr als 450 Menschen auf die Straße gegangen. «Die Stimmung war friedlich, positiv und konstruktiv, trotzdem konnte man durchaus eine gewisse Energie spüren», sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG BCE Halle-Magdeburg am Mittwoch. Da die Kundgebung kurzfristig organisiert worden sei, hätten viele Mitarbeitende nicht vor Ort sein können: «Deshalb planen wir zeitnah eine Wiederholung», sagte der Sprecher.

Am Chemiestandort Leuna seien mehrere Unternehmen auch in der Produktion von Grundstoffen und der Verarbeitung von Rohstoffen sehr eng miteinander vernetzt und voneinander abhängig, sagte der Sprecher. Fallen in dieser Produktionskette einzelne Unternehmen aufgrund der hohen Energiekosten aus, könne dies im schlimmsten Falle weitere Unternehmen betreffen. «Die Folgen für die Region und ganze Industriezweige auch über die chemische Industrie hinaus sind nicht absehbar», so die Gewerkschaft.

Zuletzt habe der zwischenzeitlich heruntergefahrene Betrieb der SKW Stickstoffwerke Piesteritz die Abhängigkeiten deutlich gemacht. «Auch wenn die Ammoniak-Produktion in Piesteritz vorerst wieder sichergestellt ist und hochgefahren wird, hat dieser Vorfall Beispielcharakter für die drastischen Folgen für den Chemiestandort Leuna und weit darüber hinaus», hieß es seitens der Gewerkschaft.

Brüssel (dpa) *14:47 Uhr – EU-Kommission genehmigt milliardenschwere Wasserstoff-Förderung

Für die Energiewende dürfen 13 EU-Staaten die Wasserstoffindustrie mit weiteren bis zu 5,2 Milliarden Euro fördern. Die EU-Kommission gab am Mittwoch grünes Licht für die staatlichen Beihilfen. Die Behörde geht einer Mitteilung zufolge davon aus, dass dadurch zusätzlich private Investitionen von sieben Milliarden Euro mobilisiert werden. Zu den beteiligten Staaten gehören Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen und Spanien. Es handelt sich um die zweite Runde großer Wasserstoff-Förderprojekte, die die EU-Kommission in diesem Jahr genehmigt – und weitere sind in Vorbereitung. Deutschland ist diesmal nicht dabei.

Die nun genehmigte Förderung für 35 Projekte soll unter anderem den Bau von Wasserstoffinfrastruktur unterstützen, ein weiterer Bereich ist die Entwicklung von Technologien zur Nutzung von Wasserstoff in der Industrie. Dabei sollen laut Kommission Sektoren im Fokus stehen, in denen die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes schwierig ist - etwa die Stahl-, Zement- und Glasindustrie.

«Wasserstoff ist von entscheidender Bedeutung, um unsere Energiequellen zu diversifizieren und die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern», erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Binnenmarktkommissar Thierry Breton sagte, Wasserstoff sei für den ökologischen Wandel der energieintensiven Industrien in Europa von entscheidender Bedeutung, «denn er ermöglicht die kohlenstofffreie Produktion von Stahl, Zement und Chemikalien».

Es handelt sich um ein sogenanntes wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse. Dadurch gelten weniger strenge Regeln, wenn Unternehmen mit Staatsgeldern unterstützt werden. Bereits im Juli hatte die EU-Kommission Projektförderungen für die Wasserstoffindustrie in Höhe von bis zu 5,4 Milliarden Euro gebilligt. Darunter waren auch vier erste Projekte aus Deutschland. Bundeswirtschafts- und Bundesverkehrsministerium hatten damals mitgeteilt, es handele sich um die erste von mehreren Wellen – weitere Projekte aus Deutschland seien im Genehmigungsverfahren.

Vor allem grüner Wasserstoff – also solcher, der mit erneuerbaren Energien hergestellt wird – ist ein Hoffnungsträger der Energiewende. Grundsätzlich kann Wasserstoff als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Seine Herstellung ist aber sehr energieintensiv und derzeit noch deutlich teurer im Vergleich zu fossilen Energieträgern.

Espoo (dpa) *07:55 Uhr – Fortum: Bund wird Mehrheitsaktionär bei Uniper mit 98,5 Prozent

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Vor dem Hintergrund des russischen Gas-Lieferstopps wird der Bund Mehrheitsaktionär bei Deutschlands größtem Gasimporteur Uniper. Nach Abschluss einer Kapitalerhöhung und dem Erwerb der Uniper-Anteile von Fortum werde der Bund circa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen, teilte der bisherige Mehrheitsaktionär Fortum am Mittwoch mit.

Mannheim (dpa/lsw) *06:01 Uhr – Vier Wochen nach Chemieunfall: Ende der Ermittlungen nicht in Sicht

Einen Monat nach dem Chemieunfall am Mannheimer Hafen ist ein Ende der Ermittlungen zu den Ursachen noch nicht abzusehen. Ein Gutachter untersuche die knapp 200 Fässer mit Hydrosulfit aus einem Container, aus dem giftige Dämpfe entwichen waren, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim der Deutschen Presse-Agentur. Bislang gebe es keine neuen Erkenntnisse.

Die Behörde ermittelt, da der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung besteht. Im Moment richten sich die Ermittlungen gegen unbekannt. 17 Menschen waren im August durch den Austritt giftiger Dämpfe leicht verletzt worden.

Ein Sachverständiger des Fachgebiets Gefahrgut und Logistik untersucht die Behälter mit dem Reinigungsmittel für die Textilindustrie auf dem Gelände der BASF. Der Chemiekonzern wollte den Container in die Türkei schicken. Im Jahr verkauft das Unternehmen mehrere Tausend Tonnen davon. Die beschädigte Ladung in dem Container umfasste 22 Tonnen. Der Bergung des Inhalts war ein schwieriges Manöver, weil der erhitzte Container lange auf eine Temperatur abgekühlt werden musste, die das Öffnen erlaubte.

Hydrosulfit neigt bei unsachgemäßer Handhabe zur Selbstentzündung. Die Folge: Bei der Verbrennung entstehen Schwefeldioxid und Schwefel. Das Einatmen von Schwefeldioxid kann zur Reizung von Augen und Atemwegen führen. Es wird vermutet, dass eine solche Reaktion in dem Container abgelaufen sein könnte.

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