Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Regierung erleichtert Brennstoffwechsel für Industriebetriebe

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14.09.2022

Hannover/Wiesbaden (dpa) *16:20 Uhr – Chemiegewerkschaft beharrt vor Fortgang der Tarifrunde auf Lohnplus

Die Gewerkschaft IG BCE hat vor der Fortsetzung der Chemie-Tarifrunde im Oktober erneut deutliche Lohnsteigerungen verlangt. «Den Beschäftigten rinnt das Geld täglich schneller durch die Finger, gleichzeitig verdienen die meisten ihrer Arbeitgeber weiterhin gut», begründete Vizechef Ralf Sikorski die Position nach einer Sitzung der Bundestarifkommission in Hannover.

Die gut 580.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Branche müssten durch eine nachhaltige Erhöhung der Entgelte von der Inflation entlastet werden. So könne der Konsum auch die Konjunktur absichern.

Anfang April hatten sich die IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC zunächst nur auf einen Teilabschluss für den drittgrößten deutschen Industriezweig geeinigt. Wegen der schon damals hohen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine beschlossen sie eine Einmalzahlung von 1400 Euro pro Kopf als vorläufige «Brückenlösung» – im Herbst sollte dann weiterverhandelt werden. Am 17. und 18. Oktober wollen beide Seiten ihre Gespräche in Wiesbaden wieder aufnehmen.

In Firmen in wirtschaftlicher Not konnte der einmalige Betrag auch auf 1000 Euro gekürzt werden. Die Gewerkschaft will aber nach wie vor ein dauerhaftes Lohnplus, das Eingang in die Tariftabellen erhält.

Während die IG BCE laut einer eigenen Umfrage unter Betriebsräten die Lage bei den meisten Firmen als «noch immer gut» bewertet, zeichnet der Branchenverband VCI ein düsteres Bild. Er rechnet nach jüngsten Daten vom Mittwoch damit, dass die Gesamtproduktion in diesem Jahr um 5,5 Prozent zurückgeht, im Kernbereich Chemie um 8,5 Prozent. Gelinge ein Umsatzplus, werde dies wohl ausschließlich kostengetrieben sein.

Der Verhandlungsführer des BAVC, Hans Oberschulte, warnte die Gewerkschaft vor überzogenen Erwartungen: «Auf die Betriebe rollt eine Kostenlawine bei Gas und Strom zu, die erste Unternehmen bereits zum Drosseln oder Abschalten von Anlagen zwingt.» Es gehe nun darum, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie zu sichern.

Hamburg (dpa) *15:54 Uhr – Chemieunternehmen H&R startet Anlage für synthetische Kraftstoffe

Das Chemieunternehmen H&R hat am Mittwoch in Hamburg eine Demonstrationsanlage zur Produktion grüner Kraftstoffe in Betrieb genommen. Das Projekt sei weltweit eines der ersten «Power-to-Liquid»-Konzepte im technischen Maßstab, teilte das Unternehmen mit. Mit «Power to Liquid» wird die Gewinnung von Treibstoffen wie etwa synthetischem Kerosin unter Nutzung elektrischen Stroms bezeichnet. Dabei ist stets Wasserstoff im Spiel.

H&R hat für die Vermarktung der Kraftstoffe mit dem Energie- und Kraftstoffspezialisten Mabanaft ein Gemeinschaftsunternehmen namens P2X gegründet. Für die nächsten Jahre planen die Partner einen Markthochlauf auf kommerzielle Größenordnungen.

Böhlen (dpa/sn) *11:12 Uhr – Größte Recyclinganlage Europas soll in Böhlen entstehen

Europas größte Recyclinganlage soll in Böhlen im Landkreis Leipzig gebaut werden. Die Anlage soll 2025 in Betrieb gehen, teilten der US-Chemiekonzern Dow und das britische Recyclingunternehmen Mura Technology am Mittwoch mit. Mit ihr und weiteren geplanten Anlagen soll eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe geschaffen werden.

In der Anlage soll Kunststoff chemisch wiederverwertet werden. Dieses Vorgehen ist Dow und Mura zufolge eine wichtige Ergänzung zum mechanischen Recycling. Auf diesem Weg würden bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung des Klimawandels sowie des Problems mit Plastikmüll gemacht. Neben der Anlage in Böhlen plant Dow bis 2030 den Bau weiterer Anlagen in den USA und in Europa.

Die Ansiedlung sei ein großer Erfolg für den Industrie- und Innovationsstandort Sachsen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer bei seinem Besuch in Böhlen. Mit der Anlage leisteten Dow und Mura einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Welt.

Wunsiedel (dpa/lby) *11:08 Uhr – Größte Anlage für grünen Wasserstoff in Bayern startet

Bayerns größte Anlage für grünen Wasserstoff nimmt den Betrieb auf und könnte bald vergrößert werden. Bis zu 1350 Tonnen des Gases sollen in Wunsiedel im Jahr aus Wind- und Solarstrom erzeugt werden, wie der für die Errichtung beauftragte Siemens-Konzern am Mittwoch mitteilte. Zudem gebe es bereits Gespräche über eine Verdopplung der Leistung auf 17,5 Megawatt.

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Abnehmer des Wasserstoffs soll vor allem die regionale Wirtschaft sein – «von der Glas- und Keramikindustrie über Transportunternehmen und Automobilzulieferbetriebe bis zum benachbarten Sägewerk», wie Siemens erklärte. Zudem soll im kommenden Jahr eine Wasserstoff-Tankstelle entstehen. Abwärme und der bei der Elektrolyse abgespaltene Sauerstoff würden benachbarten Industriebetrieben zur Verfügung gestellt.

Das Projekt sei ein Beweis, wie die Entwicklung einer CO2-freien Energieversorgung vorangetrieben werden könne, sagte Siemens-Vorstand Matthias Rebellius. Siemens war mit seiner Sparte Smart Infrastructure Generalunternehmer für die Errichtung und ist über seine Finanzierungstochter zu 45 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt. Herzstück der Anlage ist ein Elektrolyseur der ehemaligen Konzerntochter Siemens Energy.

Berlin (ots) *10:17 Uhr – Klosterfrau-CEO: „Werden auch im Pharmabereich Insolvenzen sehen“

Dr. Stefan Koch, CEO des Herstellers Klosterfrau, sieht Probleme auf die Pharmaindustrie zukommen. „Die Preisanstiege im Energiesektor werden dazu führen, dass wir eine Insolvenzwelle sehen werden“, so Koch im Interview mit dem Branchendienst Apotheke Adhoc. „Die Kassenverträge sind auf Kante genäht, und wenn die Energiekosten hochschießen und Sie produzieren in Deutschland, was Arbeitsplätze, Qualität und kurze Wege sichert, können Sie nicht mehr mithalten. Ich finde es zu kurz gedacht, wenn wir alles dem Preisspektrum unterordnen und weiter so machen wie bisher.“

Umso problematischer findet er die im Spargesetz geplante Preisbremse. „Herr Lauterbach sieht das aus meiner Sicht sehr, sehr rosig.“ Er finde es bedauerlich, dass ausgerechnet in der Gesundheitsindustrie das Problem der steigenden Kosten überhaupt nicht berücksichtigt werde: „Alles ist extrem teurer geworden, und ausgerechnet Arzneimittel, lebensrettende Produkte werden reglementiert. Ich mache mir da richtig große Sorgen.“

Die OTC-Industrie könne zwar die Preise frei kalkulieren, doch hier sieht Koch ein Dilemma: „Wenn jemand in finanzielle Schwierigkeiten kommt, wird er sehr schnell auch bei Produkten sparen müssen, die ihm eigentlich gut tun.“ Bereits jetzt sehe man, dass Menschen anfangen etwa bei Vitaminen zu sparen. „Ich fürchte, wenn es so weiter geht, wird man das in ganz anderen Bereichen auch noch sehen.“

Nötig sei eine verlässlichere Politik. „Ich rufe nicht danach, dass die Politik uns retten soll. Aber es wird schwierig bleiben, solange dieser grauenhafte Krieg andauert. Ich fände es gut, wenn wir jetzt klare Kante zeigen und Regeln festsetzen, die wir nicht alle paar Wochen ändern.“

Frankfurt/Main (dpa) *10:00 Uhr – Teure Energie – Chemiebranche kürzt Produktionsprognose erneut

Wegen der explodierenden Energiepreise drosselt die deutsche Chemie- und Pharmabranche ihre Produktion immer weiter. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erwartet nun, dass die Herstellung in der Branche dieses Jahr um 5,5 Prozent schrumpfen wird. Die Produktion der Chemie alleine betrachtet dürfte gar um 8,5 Prozent zurückgehen, teilte der VCI am Mittwoch in Frankfurt mit.

«Wir müssen uns im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen, um diesen Winter und auch das kommende Jahr zu überstehen», sagte VCI-Präsident Christian Kullmann. «Die Drosselung der Produktion ist ein erster Schritt. Wenn bestimmte Prozesse ganz stillgelegt werden müssen, laufen sie möglicherweise nie wieder an.» Bisher hatte der Verband mit einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent gerechnet und mit einem Minus von vier Prozent für das reine Chemiegeschäft.

Im zweiten Quartal sank die Produktion in der Chemie- und Pharmabranche um 6,4 Prozent zum Vorquartal. Der Umsatz wuchs wegen stark steigender Preise um 3,4 Prozent auf 64,9 Milliarden Euro.

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