gesponsertSimulation in der Verfahrenstechnik Wie Sie Festbettreaktoren mithilfe von Simulation verstehen

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In Festbettreaktoren treffen Strömung, Wärmetransport, Stofftransport und Reaktion aufeinander. Was passiert im Inneren der Schüttung, wo Messungen nur begrenzte Einblicke liefern? Und wie lassen sich kritische Zonen dennoch erkennen?

Ein Modell eines Monolithreaktors mit einer Isoflächen-Darstellung, die die Konzentration einer chemischen Spezies zeigt.(Bild:  COMSOL)
Ein Modell eines Monolithreaktors mit einer Isoflächen-Darstellung, die die Konzentration einer chemischen Spezies zeigt.
(Bild: COMSOL)

Was im Inneren eines Festbettreaktors geschieht, entscheidet über Produktqualität, Ausbeute und Betriebssicherheit, bleibt experimentell aber oft verborgen. Messungen im Inneren von Reaktoren oder Schüttungen, an der Oberfläche von Katalysatoren oder in den Poren einzelner Partikel sind schwierig bis unmöglich durchzuführen. Gerade in Festbettreaktoren wird diese Schwierigkeit deutlich, denn relevante Größen wie Druckverlust, Temperatur oder Konzentrationen lassen sich nur gemittelt am Ein- und Auslass erfassen. Die genauen Prozesse im Inneren sind dagegen nicht direkt messbar. Dabei wären Kenntnisse über die Gleichmäßigkeit der Strömung oder eventuell entstehende Temperaturspitzen durchaus vorteilhaft. Auch das Wissen darüber, ob Reaktanden vollständig umgesetzt werden oder ob sich Zonen bilden, in denen Reaktionen langsamer ablaufen, ist für die Planung und den Betrieb von Festbettreaktoren von großem Vorteil. Jede Information zum Einfluss der Partikelgröße, Porosität, Wärmeleitung oder Reaktionskinetik ist wertvoll für das Gesamtergebnis.

Simulation ergänzt Messung

Die Simulation bietet zwei große Vorteile gegenüber dem Experiment: unbeschränkte Einblicke und vollständige Kontrolle. So lassen sich sämtliche Variablen und Zustandsgrößen an jedem Ort eines Reaktors zu jedem Zeitpunkt analysieren. Anstatt nur Ein- und Austrittsgrößen zu vergleichen, können lokale Verteilungen von Geschwindigkeit, Druck, Temperatur oder Konzentration im gesamten Modell untersucht werden. Dadurch wird erkennbar, wo kritische Zonen entstehen, welche Parameter den Prozess besonders stark beeinflussen und ob beobachtete Effekte tatsächlich aus der vermuteten Ursache resultieren. Andererseits können sämtliche Parameter isoliert geändert werden, um die Auswirkungen auf das Gesamtsystem zu erfassen. Die Simulation ist somit eine wertvolle Ergänzung zum Experiment: Nachdem Messungen reale Referenzpunkte und Materialdaten geliefert haben, können Simulationsmodelle die zugrunde liegenden Zusammenhänge erklären und bei der Planung der nächsten Versuche helfen.

Mehr als ein Strömungsproblem

Oberflächenkonzentration an der porösen Struktur des Ionenaustauschmaterials in einer Ionenaustauschsäule.
(Bild: COMSOL)

In einem Festbettreaktor wirken verschiedene physikalische und chemische Prozesse gleichzeitig. Das Fluid strömt durch die Zwischenräume, Stoffe werden transportiert, Wärme wird freigesetzt oder abgeführt und an den Katalysatoroberflächen laufen Reaktionen ab. Zusätzlich spielt die Skala eine große Rolle. Während auf Anlagenebene die Verteilung über den gesamten Reaktor von Interesse ist, entscheidet auf Partikelebene die Diffusion in Poren oder Pellets darüber, wie effektiv eine Oberfläche tatsächlich genutzt wird. Für realistische Modelle von Festbettreaktoren ist daher Multiphysik erforderlich. Diese erlaubt es, Strömung, Wärmetransport, Stofftransport und Reaktionskinetik gemeinsam zu betrachten. Dies ist unumgänglich, wenn sich Effekte gegenseitig beeinflussen. Ein Beispiel hierfür ist eine exotherme Reaktion, die lokale Temperaturanstiege erzeugt, welche wiederum die Reaktionsgeschwindigkeit und die Stoffeigenschaften verändern.

Simulationsmodelle werden häufig genutzt, um bestimmte anstehende Entscheidungen zu treffen. Typische Fragen, die dabei geklärt werden müssen, beziehen sich beispielsweise auf Anpassungen der Reaktorgeometrie, die ideale Partikelgröße, die Empfindlichkeit des Prozesses gegenüber geänderten Einlassbedingungen oder die Verbesserung der Wärmeabfuhr. Mithilfe von Parameterstudien lassen sich zudem geeignete Betriebsfenster ermitteln und Bereiche mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen identifizieren.

Vom Expertenmodell zur App für alle

Ein weiterer Schritt besteht darin, Simulationen und Simulationsergebnisse für mehr Personen im Unternehmen nutzbar zu machen. Der klassische Simulations-Workflow sieht vor, dass das Simulationsteam Modelle erstellt und dann damit arbeitet, praktisch als interner Dienstleister für die Entwicklung. Viel effizienter ist es jedoch, wenn die Entwickler selbst mit den Modellen arbeiten können. Für wiederkehrende Auslegungs- oder Variantenfragen können auf Basis validierter Modelle vereinfachte Simulations-Apps erstellt werden. Anwenderinnen und Anwender verändern dann definierte Parameter, etwa Durchfluss, Temperatur, Geometrie- oder Materialdaten, und erhalten daraus berechnete Ergebnisse für ihren konkreten Fall. Die Simulationsexperten arbeiten zu diesem Zeitpunkt bereits an den nächsten Aufgabenstellungen und Modellen. Wichtig ist dabei, dass die zugrunde liegenden Modelle fachlich sauber aufgebaut und validiert sind und ihre Grenzen klar definiert werden.

Modell eines porösen Mikroreaktors, das die Konzentrationsflächen eines Reaktanten zeigt, der über eine vertikale Nadel in eine freie Strömung injiziert wird, die einen zweiten Reaktanten enthält, der anschließend durch einen Abschnitt des Reaktors mit monolithischem katalytischem porösem Medium gedrückt wird.
(Bild: COMSOL)

Prozesse besser verstehen

In der Prozessindustrie werden Anlagen, Produkte und regulatorische Anforderungen immer komplexer. Gleichzeitig steigt der Druck, Entwicklungszeiten zu verkürzen und Ressourcen effizienter einzusetzen. Die Multiphysik-Simulation bietet hier einen Ansatz, um schwierige Zusammenhänge zu erkennen und zu bewältigen.

Comsol Multiphysics unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieure dabei, solche gekoppelten Prozesse in einem gemeinsamen Modell abzubilden, das sämtliche relevanten Phänomene und Effekte beinhaltet. So entsteht ein vielseitiges Werkzeug, das bei Festbettreaktoren, porösen Medien und anderen verfahrenstechnischen Anwendungen hilft, die relevanten Mechanismen im Prozess besser zu verstehen.

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