Chemie-Startups Exære gewinnt Chemstars-Wettbewerb mit Technologie für kritische Rohstoffe

Quelle: Chemstars 3 min Lesedauer

Bei der „From Lab to Market Challenge“ hat Chemstars Forschungsteams ausgezeichnet, die neue Wege für eine nachhaltigere und resilientere Chemieindustrie aufzeigen. Sieger Exære aus Hamburg überzeugte mit einer Technologie zur Rückgewinnung seltener Erden und kritischer Rohstoffe aus Abfall- und Recyclingströmen.

Die drei Siegerteams und Organisatoren der diesjährigen From Lab to Market Challenge mit der glücklichen Gewinnerin Yelda Nur Demirdöğen (vorne, 4.v.l.).(Bild:  Manor Lux)
Die drei Siegerteams und Organisatoren der diesjährigen From Lab to Market Challenge mit der glücklichen Gewinnerin Yelda Nur Demirdöğen (vorne, 4.v.l.).
(Bild: Manor Lux)

In deutschen Laboren und Forschungseinrichtungen entstehen Technologien, die das Potenzial haben, die Chemieindustrie nachhaltiger, resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen. Dahinter stehen Forschende, die den Schritt aus der Wissenschaft ins Unternehmertum wagen. Beim Grand Award Event der fünften From Lab to Market Challenge (FLTMC) hat Chemstars, der Reaktionsraum der Chemieindustrie in Deutschland, Exære aus Hamburg als Sieger des diesjährigen Wettbewerbs ausgezeichnet. Die Gründer überzeugten die Jury mit ihrer Technologie zur Rückgewinnung seltener Erden und kritischer Rohstoffe aus Abfall- und Recyclingsträmen. Zudem erhielt ReduCO₂ aus München den Chemanager-Sonderpreis. für ihren Ansatz zur Wandlung von industriellem CO₂ und Wasserstoff in hochreinen Graphit für Batterien.

Zwölf ausgewählte Forschungsteams von insgesamt 49 Bewerbern aus dem gesamten Bundesgebiet präsentierten im Baykomm in Leverkusen ihre Technologien für zentrale Herausforderungen der Industrie – von KI-gestützter Beschleunigung von Forschungs- und Entwicklungsprozessen, neuen Technologien für nachhaltige Energie- und Rohstoffsysteme sowie innovativen Materialien und Verfahren zur Defossilierung industrieller Wertschöpfungsketten. Die zwölf Finalisten hatten sich in regionalen Vorentscheiden der Award-Partner Chemstars, Greenchem, Koala, Quincat, Chemspace und Forum Rathenau durchgesetzt und zählen nach Auffassung der Juroren zu den vielversprechendsten wissenschaftsbasierten Gründungsprojekten des aktuellen Jahrgangs in Deutschland.

Die Gewinner wurden von einer Fachjury und den Teilnehmenden vor Ort in einer anonymen Abstimmung gewählt. Hinzu kamen die Stimmen von mehr als 1000 Lesern des Medienpartner Chemanager, die vorab an einem öffentlichen Online-Voting teilgenommen hatten. Auch in diesem Jahr wurde zudem der Chemanager-Sonderpreis vergeben. Das Gewinnerteam wird im Herbst im Chemanager Innovation Pitch vorgestellt.

Die Chemieindustrie steht unter enormem Veränderungsdruck: Geopolitische Konflikte, volatile Energie- und Rohstoffmärkte, die Defossilierung der Industrie und der zunehmende internationale Wettbewerb erhöhen den Innovationsdruck auf Unternehmen. Gleichzeitig werden Entwicklungszyklen kürzer und technologische Fragestellungen komplexer. Antworten auf diese Herausforderungen entstehen an der Schnittstelle von Forschung, Startups und etablierter Industrie. Ein sichtbares Zeichen dafür setzte auch die diesjährige Veranstaltung im Baykomm in Leverkusen. In seiner Keynote sprach Marcus Paul Gruen, Head Crop Protection Innovation und Vice President bei Bayer, darüber, wie sich die Zusammenarbeit zwischen etablierten Industrieunternehmen und Startups verändert. Statt Innovation ausschließlich im eigenen Unternehmen zu entwickeln, gehe es zunehmend darum, Technologien gemeinsam mit Partnern voranzubringen und neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. „Wir müssen nicht jede Technologie selbst entwickeln. Entscheidend ist, Zugang zu Technologien zu haben, mit denen wir uns vom Wettbewerb abheben können. Wir müssen sie nicht besitzen, und genau darin liegt großes Potenzial für Startups“, sagte Gruen.

„Die Chemieindustrie kann die Herausforderungen unserer Zeit nicht mehr in geschlossenen Innovationssystemen lösen. Ob geopolitische Unsicherheiten, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen oder die Entwicklung neuer Materialien und Produktionsprozesse – all das erfordert neue Partnerschaften und mehr Offenheit für externe Innovation. Initiativen wie die From Lab to Market Challenge sind deshalb weit mehr als ein Gründungswettbewerb. Sie sind ein strategischer Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und technologische Souveränität unseres Industriestandorts“, sagt Stefan Weber, Lead Ecosystems & Communication bei Chemstars.

Für das Siegerteam Exære um die Gründer Yelda Nur Demirdöğen und Jan Dethloff markiert die Auszeichnung einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg von der Forschung in die industrielle Anwendung. „Für uns ist die Auszeichnung eine große Bestätigung. Jetzt heißt es vor allem: im Labor Gas geben und den Weg Richtung Pilot beschleunigen. Wir entwickeln Biomaterialien, mit denen sich kritische Metalle zurückgewinnen lassen, und wollen diese Technologie jetzt weiter voranbringen. Der Austausch mit Chemstars begleitet uns schon sehr lange – sogar schon vor dem Programm. Vor allem das Feedback aus der Industrie und der Zugang zu dem Netzwerk, waren für uns unglaublich wertvoll“, sagt Co-Gründerin Yelda Nur Demirdöğen.

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