Ditzingen (dpa/lsw) *17:39 – Jobabbau bei Trumpf: Das sind die Fakten
Mercedes-Benz, Daimler Truck, Bosch, Porsche, Stihl: Eine Reihe von Unternehmen im Südwesten hat zuletzt Stellenstreichungen angekündigt. Nun auch der Maschinenbauer Trumpf. Weltweit sollen in den nächsten Monaten rund 1.000 Arbeitsplätze wegfallen. Am Stammsitz sind rund 430 von insgesamt 6.200 Jobs betroffen. Dazu gehören neben der Zentrale in Ditzingen bei Stuttgart gleichfalls die Trumpf-Standorte in Gerlingen, Leonberg-Höfingen und Hettingen. Was steckt dahinter?
Trumpf fertigt Werkzeugmaschinen und ist Spezialist für Laser.
Letztere liefert das Unternehmen zum Beispiel an Industriebetriebe aus der Halbleiterbranche. Der Mittelständler hat bereits länger mit der schwachen Konjunktur zu kämpfen. Zahlreiche Kunden haben sich nach Angaben von Chefin Nicola Leibinger-Kammüller zuletzt mit Investitionen zurückgehalten.
Das zeigt sich in den Zahlen: Im Geschäftsjahr 2023/24 sackte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 18,6 Prozent auf gut 500 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank um 3,6 Prozent auf rund 5,2 Milliarden Euro, der Auftragseingang um 10 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Auch in Zukunftsbereichen lief es - unter anderem wegen der schwächelnden Nachfrage und Problemen in China - nicht rund. Die Bilanz fiel insgesamt schlechter aus als erwartet. Das Trumpf-Geschäftsjahr dauert von Juli bis Ende Juni des Folgejahres.
Bereits im Geschäftsjahr 2023/24 hat Trumpf ein Sparprogramm aufgesetzt. Gekürzt wurde unter anderem bei Geschäftsreisen und Beratungsleistungen. So kamen 176 Millionen Euro zusammen. 2025 peilte das Management um Leibinger-Kammüller ein Sparvolumen von 250 Millionen Euro an.
Seit vergangenem September müssen deshalb auch Hunderte Beschäftigte auf Gehalt verzichten. Für 2.750 der 6.400 Beschäftigten des Stammhauses gilt seitdem eine Tarifvereinbarung, die eine Arbeitszeitreduktion von zehn Prozent vorsieht. Im Gegenzug gilt für sie eine Beschäftigungssicherung bis Ende des Jahres. Zunächst betroffen waren 500 Mitarbeiter, die Zahl sollte jedoch nach und nach steigen. Zunächst sollten aber in Hochzeiten angesparte Zeitkonten der Mitarbeiter abgebaut werden. Erst danach greift die Maßnahme.
«Auch Trumpf kann sich nicht der seit fast zwei Jahren anhaltenden globalen Konjunkturschwäche entziehen», hieß es. Aufgrund der damit verbundenen Auftragsrückgänge passe man nun die Struktur an. Es sei unvermeidlich, auch Stellen abzubauen. Das Unternehmen wolle sich mit dem Schritt robust und zukunftsfähig aufstellen. Der Stellenabbau solle «möglichst sozialverantwortlich geschehen». Die Gespräche mit dem Betriebsrat dazu laufen demnach.
Im Geschäftsjahr 2023/24 war die Mitarbeiterzahl bei Trumpf noch um mehr als 650 gestiegen. Ende Juni 2024 beschäftigte das Familienunternehmen rund 19.000 Menschen, davon gut 9.500 in Deutschland.
Emden/Düsseldorf (dpa) *16:00 – Statkraft stoppt neue Wasserstoff-Projekte
Der auch in Niedersachsen aktive norwegische Energiekonzern Statkraft stoppt vorerst seine Entwicklung neuer Wasserstoffprojekte. «Einige Bestandsprojekte in Europa sollen weiterentwickelt werden, bevor Investoren für die Realisierung gesucht werden», teilte der Konzern mit Sitz in Düsseldorf mit. Das Unternehmen begründet die Änderungen mit einer zunehmenden Unsicherheit beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Mehrere Medien berichteten darüber.
Betroffen sind davon auch zwei Vorhaben in Deutschland, wie ein Unternehmenssprecher auch Anfrage mitteilte - am bestehenden Kraftwerksstandort im ostfriesischen Emden will Statkraft zwei Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion bauen.
«Nachdem wir im vergangenen Jahr die Ambitionen für die Entwicklung von grünem Wasserstoff schon gesenkt haben, erleben wir nun größere Unsicherheit im Markthochlauf und eine sich weiter verzögernde Profitabilitätserwartung», sagte Vorstandsvorsitzende Birgitte Ringstad Vartdal in einer Mitteilung. «Daher hat Statkraft beschlossen, die Neuentwicklung von grünem Wasserstoff zu stoppen.
Wir werden in Zukunft Wachstumschancen in anderen Technologien und Marktaktivitäten priorisieren.»
Am Kraftwerksstandort in Emden plant Statkraft unter anderem, einen Elektrolyseur zur Herstellung von Wasserstoff mit einer Kapazität von
Stand: 08.12.2025
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200 Megawatt aufzubauen. Außerdem will das Unternehmen eine kleinere Pilotanlage mit einer Leistung von 10 Megawatt installieren. Nun heißt es: «Die Fortführung der Emder Wasserstoffprojekte durch Investoren wird geprüft.» Der Unternehmenssprecher teilte mit, derzeit werde dazu der Markt sondiert und es würden erste Gespräche geführt. Für den 200-Megawatt-Elektrolyseur erhielt Statkraft nach eigenen Angaben bereits eine Förderung aus dem EU-Innovationsfonds von mehr als 100 Millionen Euro. Die 10-Megawatt-Pilotanlage befinde sich in der finalen Planungsphase, teilte der Sprecher mit. Aktuelle Planungen gingen von einem möglichen Baustart noch in diesem Jahr aus, hieß es.
Zug (dpa) *12:46 – Nord Stream 2 AG kann weitermachen
Der hoch verschuldete russische Pipeline-Betreiber Nord Stream 2 AG kann vorerst weiter nach einem neuen Investor suchen: Das Gericht im Schweizer Kanton Zug hat den Nachlassvertrag genehmigt, der die Sanierung durch einen Schuldenschnitt möglich macht.
Andernfalls wäre nach Schweizer Recht der Konkurs verhängt worden - was einem deutschen Insolvenzverfahren entspricht. Nord Stream 2 gehört dem russischen Staatskonzern Gazprom und hat seinen Sitz im Kanton Zug.
Großgläubiger wie die westeuropäischen Energiekonzerne ENGIE, OMV, Shell, Uniper und Wintershall einigten sich am 30. April auf einen Nachlassvertrag, wie das Gericht mitteilte. Weil dagegen noch Beschwerde eingelegt werden kann, erteile es keine weiteren Auskünfte. Die Großgläubiger dürften erhebliche Abschläge auf ihre Investitionen in Kauf genommen haben. Sie hatten Milliardenbeträge investiert. Um den Nachlassvertrag wurde zweieinhalb Jahre gerungen. Der Bau der Pipeline kostete knapp zehn Milliarden Euro.
Die Forderungen der Kleingläubiger - darunter zahlreiche Baufirmen in Mecklenburg-Vorpommern - sollten gemäß Weisung des Gerichts von Januar voll entschädigt werden. Zumindest einige haben zuletzt bestätigt, dass ihre Rechnungen beglichen wurden. Die Nord Stream 2 sollte Erdgas aus Russland durch zwei 1.200 Kilometer lange Stränge in der Ostsee nach Deutschland bringen. Die Pipeline wurde fertig gebaut, ging aber nie in Betrieb. Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 stoppte die deutsche Regierung das Projekt. Einer der Röhrenstränge wurde bei einem Anschlag im September 2022 zerstört, ebenso wie die Stränge der bereits in Betrieb genommenen Nord-Stream-1-Pipeline.
Hamburg (ots) *12:21 – Bis zu 25.000 Industrie-Jobs in Deutschland durch Handelskrieg gefährdet
Sollten im Zuge des Handelskriegs zwischen den USA und China keine bilateralen Einigungen erzielt werden, dürften chinesische Exporteure zunehmend in die europäischen Märkte und insbesondere nach Deutschland drängen. Die Folgen wären erheblich: 17.000 - 25.000 Arbeitsplätze[1] im verarbeitenden Gewerbe könnten in diesem Fall auf dem Spiel stehen. Zu diesem Schluss kommt die jüngste Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade.
«Die Handelswelt steht derzeit Kopf. Die US-Zölle führen fast überall in der Welt zu erheblichen Verschiebungen bei den Handelsströmen», sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. «Viele chinesische Waren könnten nun auf den europäischen Markt umgeleitet werden, anstatt die amerikanischen Regale zu füllen. Das wird aufgrund der ähnlichen Industriemodelle der beiden Länder vor allem in Deutschland spürbar: Zehntausende Arbeitsplätze sind möglicherweise gefährdet, vor allem im verarbeitenden Gewerbe und bestimmten Regionen. Für das deutsche Wirtschaftswachstum ist es ein weiterer Dämpfer; es kommt durch die zunehmende Konkurrenz schwerfälliger wieder auf die Beine.»
In Deutschland gehören nach der Analyse von Allianz Trade Regionen wie Oberfranken und Tübingen aufgrund der aktuellen deutschen Importmuster und der regionalen industriellen Struktur mit einer hohen Dichte an Unternehmen in der Textil- und Computerindustrie sowie der Raum Freiburg (Computer und Metalle) zu den am stärksten betroffenen Gebieten. Aber auch in anderen Regionen in der Bundesrepublik und im Ausland nimmt die Konkurrenz zu.
Quakenbrück (dpa/lni) *06:01 – Wie die Lebensmittelbranche zum Klimaschutz beitragen kann
Die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelproduktion und dem Klimaschutz stehen im Mittelpunkt einer internationalen wissenschaftlichen Tagung im Oldenburger Münsterland. Unter dem Titel «Insects Plus» veranstaltet das in Quakenbrück ansässige Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) erstmals diesen Kongress.
Mehr als 300 Teilnehmer aus 150 Institutionen und mehr als 25 Aussteller werden zu der vom 12. bis zum 14. Mai in der Stadthalle Cloppenburg laufenden Veranstaltung erwartet, sagte der Geschäftsführende Vorstand des DIL, Volker Heinz.
Die Leitfrage der Tagung sei die Gesamtverwertung von Biomasse, sagte Heinz. So ermöglichten Pflanzen, das in der Atmosphäre enthaltene Klimagas CO2 zu binden. Durch eine thermische Behandlung unter Sauerstoffabschluss, der sogenannte Pyrolyse, lasse sich die Biomasse in Pflanzenkohle umwandeln, in der das CO2 gebunden sei.
«Die Pflanzenkohle kann gelagert werden, sie kann aber auch zur Bodenverbesserung eingesetzt werden, weil sie ein sehr guter Feuchtigkeitsspeicher ist», erklärte Heinz. Pflanzenkohle selbst sei so reaktionsträge, dass das eingelagerte CO2 über Jahrhunderte nicht wieder in die Atmosphäre entweiche.
«Im Prinzip ist das einer der effizienteren Weg, CO2 aus der Atmosphäre zu nehmen», sagte Heinz. Verfahren wie die Verpressung des Klimagases im Erdboden oder auf dem Meeresboden seien mit sehr hohem technischem Aufwand verbunden.
Ein anderes wichtiges Thema sei die Nutzung von Insekten als Futter fürs Vieh. Damit ließe sich die Einfuhr von Soja als Tierfutter aus Südamerika reduzieren, sagte Heinz. Unter anderem in den Niederlanden, in Frankreich und in Dänemark gebe es bereits große Insektenfarmen. Die Branche stehe aber noch am Anfang. «Da besteht noch ganz erheblicher Forschungsbedarf, denn der Teufel liegt bekanntlich im Detail», sagte Heinz. Aber in der Nutzung von Insekten liege ein Potenzial zur CO2-Einsparung.