Newsticker Februar: Aktuelles aus der Prozessindustrie Notbetrieb in Chemiewerk kostet Land hohen Millionenbetrag

Von Wolfgang Ernhofer 35 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

28.02.2026

Leuna/Magdeburg (dpa/sa) *13:08 Uhr – Notbetrieb in Chemiewerk kostet Land hohen Millionenbetrag

Sachsen-Anhalts Finanz- und Wirtschaftsminister Michael Richter hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ein Investor die Krise beim Unternehmen Domo Chemicals in Leuna löst. «Ich hoffe, dass man jemanden findet, aber das hängt von vielen Themen ab», sagte der CDU-Politiker.

Insolvenzverwalter Lucas Flöther will bis April einen Investor für die deutschen Standorte von Domo Chemicals finden. Zuletzt gab es mehrere Interessenten. Das Chemieunternehmen hatte Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet und erklärt, die Produktion sofort stoppen zu müssen.

Wenige Tage später schaltete sich das Land Sachsen-Anhalt ein und entschied, den Betrieb vorerst am Laufen zu halten. Laut der Anordnung dürfen die Domo-Anlagen aus Sicherheitsgründen noch nicht vollständig heruntergefahren werden. Solange das so ist, bleibt das Unternehmen laut Flöther verkäuflich.

Gleichzeitig stellt sich das Land Sachsen-Anhalt inzwischen jedoch auch auf ein Herunterfahren ein. Wenn kein Investor gefunden werde, werde man Anfang April die Anlagen herunterfahren, sagte Richter. Bisher habe das Land für den Notbetrieb einen zweistelligen Millionenbetrag aufgewendet, so der Finanzminister.

Auch Dow Chemical hatte vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll. Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch sagte nun, dass es mit dem Unternehmen weitere Gespräche gibt. Dow sei an der Lösungsfindung beteiligt, so Pötzsch.

Besonders kritisch ist die geplante Schließung des sogenannten Steamcrackers in Böhlen, einer zentralen Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt und am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette steht. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen in der Region betreffen könnte.

27.02.2026

Berlin (dpa/bb) *13:18 Uhr – BASF-Mitarbeiter in Berlin demonstrieren gegen Indien-Pläne

Mehrere hundert Mitarbeiter des Chemiekonzerns BASF haben am Freitag gegen die geplante Verlegung von Arbeitsplätzen nach Indien demonstriert. Die Protestaktion fand vor dem BASF-Servicezentrum im Prenzlauer Berg statt. Zur Demonstration aufgerufen hatte die Chemie-Gewerkschaft IGBCE. Die BASF sprach von mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Den Schätzungen der Polizei zufolge waren es rund 200. Einige hatten Trillerpfeifen und Protestplakate dabei.

Die Beschäftigten wollen die Unternehmensleitung dazu bringen, über Alternativen zu verhandeln. Der Berliner Standort sei eine Erfolgsgeschichte, sagte Stephanie Albrecht-Suliak, Leiterin des IGBCE-Landesbezirks Nordost, laut einer Mitteilung. «Gemeinsam wurde sich vor über 20 Jahren zum Standort bekannt, gemeinsam haben wir den Standort aufgebaut, die Beschäftigten Verzicht geübt, gemeinsam werden wir den Standort verteidigen.»

Auch Berlins Regierender Bürgermeister war vor Ort und hielt eine Rede. Der CDU-Politiker hatte sich zuvor bereits besorgt über die Ankündigung von BASF geäußert und sagte, Gespräche mit der Geschäftsführung und den Arbeitnehmervertretern führen zu wollen. Seinen Worten zufolge hat sich Berlin über Jahrzehnte hinweg als verlässlicher innovationsfreundlicher und stabiler Wirtschaftsstandort für die BASF erwiesen.

Die BASF hat in Berlin 2.800 Stellen. Der Chemiekonzern will seinen Standort in der Hauptstadt verkleinern und Stellen von dort an einen neu geplanten globalen Hub in Indien verlagern. Den Plänen zufolge sollen die Geschäftsbereiche Finanzen, Personal und globale Geschäftsdienstleistungen nach Indien abwandern. In Berlin sollen Bereiche bestehen bleiben, «die sinnvoll auf regionaler Ebene gebündelt werden können», wie das Unternehmen erklärte. Der Gewerkschaft zufolge kam die Ankündigung völlig überraschend.

Ludwigshafen (dpa) *07:17 Uhr – BASF zeigt sich für 2026 vorsichtig

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF blickt vorsichtig in das laufende Jahr. Für 2026 peilt BASF für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro an, wie der Dax-Konzern bei der Vorlage der endgültigen Jahreszahlen mitteilte. 2025 ging das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen um 9,5 Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro zurück.

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BASF kämpft mit Kostendruck, hohen Energiepreisen und einer zu geringen Auslastung am Stammwerk in Ludwigshafen. Dort arbeitet mit etwa 33.000 Menschen etwa ein Drittel der weltweiten BASF-Beschäftigten. Der Konzern hat mehrere Sparprogramme aufgelegt, inklusive umfangreichem Stellenabbau. Zuletzt erzielten das Management und die Arbeitnehmervertreter eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.

2025 schrumpfte der Umsatz wie bereits bekannt um knapp drei Prozent im Jahresvergleich auf knapp 59,7 Milliarden. Zwar stiegen die verkauften Mengen leicht. Doch niedrigere Verkaufspreise und negative Währungseffekte belasteten. Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Dazu trug unter anderem ein Sonderertrag aus dem Verkauf des Bautenanstrichmittelgeschäfts an den US-Konzern Sherwin-Williams bei.

Die Dividende für 2025 will der BASF-Vorstand mit 2,25 Euro (Vorjahr: 2,25) je Aktie stabil halten. Das Unternehmen hatte bereits im Januar Eckdaten bekanntgegeben.

26.02.2026

Schleswig (dpa) *17:30 Uhr – Gericht stoppt Ölförderung auf Bohrinsel Mittelplate im Wattenmeer

Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht hat die Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate im Wattenmeer gestoppt. Die Bohrinsel habe derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis, sagte eine Sprecherin des Gerichts. In einem Eilverfahren hatte zuvor die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geklagt.

Eine Gerichtssprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, es müsse alle zwei Jahre eine Bestandsprüfung vollzogen werden. Dabei sei die Verträglichkeitsprüfung der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) ausgeblieben. Das Gericht habe daher eine Förderung bis auf weiteres untersagt. Eine Beschwerde des Betreibers habe keine aufschiebende Wirkung, hieß es.

Die Umwelthilfe sprach von einem historischen Sieg für den Schutz des Wattenmeeres. «Deutschlands größtes Weltnaturerbe darf nicht ohne gründliche Prüfung der Naturschutzauswirkungen der Ölförderung ausgebeutet werden», erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Die Plattform sei veraltet. «Mit jedem Tag steigt die Gefahr eines Unfalls.»

Ein Sprecher des Betreibers Wintershall Dea Deutschland sagte der dpa, das Unternehmen wolle die Entscheidung sorgfältig prüfen. «Nach unserer Überzeugung erfolgte die Zulassung des Hauptbetriebsplans für die Bohr- und Förderinsel Mittelplate unter Einhaltung aller geltenden rechtlichen Vorgaben.» Auch der Betrieb der Anlage sei stets unter enger staatlichen Beaufsichtigung im Einklang mit den bestehenden Regelungen erfolgt. Es handele sich um eine hochmoderne Anlage, mit der seit Oktober 1987 sicher mehr als 40 Millionen Tonnen Öl gewonnen worden seien.

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