Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Halle (dpa/sa) *13:26 Uhr – Linke setzt auf Industriestiftung für die Chemiebranche
Mit staatlichen Beteiligungen und notfalls der Vergesellschaftung wichtiger Produktionsstandorte will die Linke Arbeitsplätze im ostdeutschen Chemiedreieck sichern. Die Landesvorsitzenden der Partei in Sachsen-Anhalt fordern in einem Positionspapier unter anderem eine öffentlich finanzierte Industriestiftung des Bundes, die gezielt Anteile an Unternehmen erwerben soll. Öffentliche Hilfen müssten im Gegenzug mit Eigentums- und Mitspracherechten verbunden werden. Zudem sollen Unternehmen Beschäftigungs- und Standortgarantien geben, Tarifverträge einhalten und in eine klimaneutrale Produktion investieren.
Für besonders energieintensive Unternehmen verlangt die Linke einen verlässlichen Industriestrompreis. Auch diese Entlastung soll an Investitionen sowie den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen gekoppelt werden. Zudem fordert die Partei eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Die Einnahmen sollen unter anderem zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Entlastung der Verbraucher eingesetzt werden. Drohen Entscheidungen einzelner Konzerne ganze Wertschöpfungsketten zu gefährden, soll nach dem Willen der Linken auch eine Vergesellschaftung systemrelevanter Produktionsstandorte möglich sein. Solche Betriebe könnten demnach etwa in öffentliches, kommunales oder Belegschaftseigentum überführt werden. Dabei gehe es nicht darum, jede Industrie staatlich zu verwalten, heißt es in dem Papier. Mehr öffentliche Kontrolle sei dort nötig, wo Entscheidungen einzelner Konzerne über Arbeitsplätze, ganze Regionen und den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft bestimmten.
Hintergrund ist die angespannte Lage der ostdeutschen Chemieindustrie. Hohe Energiepreise, internationale Konkurrenz und notwendige Investitionen in neue Produktionsverfahren setzen viele Unternehmen unter Druck. Der US-Konzern Dow will Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen Ende 2027 schließen. Weil die Standorte eng miteinander verbunden sind, wird ein Dominoeffekt für weitere Unternehmen befürchtet.
Das Papier wurde nach Angaben der Linke-Co-Landesvorsitzenden Janina Böttger bei einer Klausur am Sonntag in Halle beschlossen – eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. An den Beratungen nahmen nach Parteiangaben auch Betriebsräte aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck teil.
28.08.2026
München (dpa) *10:59 Uhr – Deutsche Chemie wird Krisenprofiteur des Iran-Kriegs
Die Stimmung in der krisengeplagten deutschen Chemieindustrie hat sich schlagartig aufgehellt: Erstmals seit vier Jahren schätzten die Chemieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage im zu Ende gehenden August wieder positiv ein, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Der Indikator ist von minus 14,6 Punkten im Juli auf nunmehr plus 11,6 Punkte gestiegen. Ursache sind demnach durch den Iran-Krieg bedingte Ausfälle asiatischer Lieferungen. Der aus aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator für das Geschäftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.
Ifo-Wissenschaftlerin Anna Wolf sprach von einer «Sonderkonjunktur». Denn der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Lieferung von Erdgas und anderen chemischen Grundstoffen nach Asien schwer beeinträchtigt. Folge sind Produktionsrückgänge. Außerdem hatte China Ausfuhrbeschränkungen für Schwefelsäure erlassen, eine für die Düngerherstellung und etliche andere Produkte benötigte Chemikalie. Und da die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nach wie vor die Schifffahrt im Roten Meer und damit den Zugang zum Suezkanal bedrohen, nehmen viele Schiffe aus Asien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas, mit entsprechend höheren Kosten und längeren Lieferzeiten.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Da kein Ende des Kriegs in Sicht ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo mit einer Fortsetzung der Sonderkonjunktur. Das bedeutet demnach jedoch nicht, dass die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland gelöst wären. Der Umfrage zufolge ist daher weiterer Stellenabbau in der Chemiebranche zu erwarten.
Wittenberg (dpa/sa) *15:18 Uhr – SKW Piesteritz investiert 100 Millionen in Ammoniakanlage
Nachdem Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) eine weitere Millioneninvestition bei SKW Piesteritz öffentlich gemacht hat, bestätigt das Unternehmen nun die Pläne. Rund 100 Millionen Euro sollen in die Modernisierung einer der beiden Ammoniakanlagen fließen, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mitteilte.
Durch die als «Revamp» bezeichnete Modernisierung soll die Anlage effizienter werden. Dadurch sollen der Gasverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß sinken. Der für das Vorhaben gestellte Fördermittelantrag sei am Mittwoch genehmigt worden. Wie hoch die Förderung ausfällt und wann die Modernisierung abgeschlossen sein soll, blieb zunächst offen. Schulze hatte die Investition in der MDR-Wahlarena angekündigt.
Am Standort Piesteritz summieren sich die angekündigten Investitionen damit auf 220 Millionen Euro. Davon entfallen insgesamt 150 Millionen Euro auf SKW: 50 Millionen Euro aus einem bereits früher angekündigten Investitionspaket und die nun bestätigten weiteren 100 Millionen Euro. Weitere 70 Millionen Euro gehen an die Großbäckerei Lieken. SKW und Lieken gehören zum tschechischen Agrofert-Konzern, der unter anderem in der Chemie, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion tätig ist.
SKW Piesteritz gehört zu den größten Ammoniak- und Harnstoffproduzenten Deutschlands und beschäftigt rund 980 Menschen. Wegen der hohen Energiepreise steht das Unternehmen seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck.