Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Linke setzt auf Industriestiftung für die Chemiebranche

Von Wolfgang Ernhofer 32 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

31.08.2026

Halle (dpa/sa) *13:26 Uhr – Linke setzt auf Industriestiftung für die Chemiebranche

Mit staatlichen Beteiligungen und notfalls der Vergesellschaftung wichtiger Produktionsstandorte will die Linke Arbeitsplätze im ostdeutschen Chemiedreieck sichern. Die Landesvorsitzenden der Partei in Sachsen-Anhalt fordern in einem Positionspapier unter anderem eine öffentlich finanzierte Industriestiftung des Bundes, die gezielt Anteile an Unternehmen erwerben soll. Öffentliche Hilfen müssten im Gegenzug mit Eigentums- und Mitspracherechten verbunden werden. Zudem sollen Unternehmen Beschäftigungs- und Standortgarantien geben, Tarifverträge einhalten und in eine klimaneutrale Produktion investieren.

Für besonders energieintensive Unternehmen verlangt die Linke einen verlässlichen Industriestrompreis. Auch diese Entlastung soll an Investitionen sowie den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen gekoppelt werden. Zudem fordert die Partei eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Die Einnahmen sollen unter anderem zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Entlastung der Verbraucher eingesetzt werden. Drohen Entscheidungen einzelner Konzerne ganze Wertschöpfungsketten zu gefährden, soll nach dem Willen der Linken auch eine Vergesellschaftung systemrelevanter Produktionsstandorte möglich sein. Solche Betriebe könnten demnach etwa in öffentliches, kommunales oder Belegschaftseigentum überführt werden. Dabei gehe es nicht darum, jede Industrie staatlich zu verwalten, heißt es in dem Papier. Mehr öffentliche Kontrolle sei dort nötig, wo Entscheidungen einzelner Konzerne über Arbeitsplätze, ganze Regionen und den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft bestimmten.

Hintergrund ist die angespannte Lage der ostdeutschen Chemieindustrie. Hohe Energiepreise, internationale Konkurrenz und notwendige Investitionen in neue Produktionsverfahren setzen viele Unternehmen unter Druck. Der US-Konzern Dow will Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen Ende 2027 schließen. Weil die Standorte eng miteinander verbunden sind, wird ein Dominoeffekt für weitere Unternehmen befürchtet.

Das Papier wurde nach Angaben der Linke-Co-Landesvorsitzenden Janina Böttger bei einer Klausur am Sonntag in Halle beschlossen – eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. An den Beratungen nahmen nach Parteiangaben auch Betriebsräte aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck teil.

28.08.2026

München (dpa) *10:59 Uhr – Deutsche Chemie wird Krisenprofiteur des Iran-Kriegs

Die Stimmung in der krisengeplagten deutschen Chemieindustrie hat sich schlagartig aufgehellt: Erstmals seit vier Jahren schätzten die Chemieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage im zu Ende gehenden August wieder positiv ein, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Der Indikator ist von minus 14,6 Punkten im Juli auf nunmehr plus 11,6 Punkte gestiegen. Ursache sind demnach durch den Iran-Krieg bedingte Ausfälle asiatischer Lieferungen. Der aus aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator für das Geschäftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.

Ifo-Wissenschaftlerin Anna Wolf sprach von einer «Sonderkonjunktur». Denn der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Lieferung von Erdgas und anderen chemischen Grundstoffen nach Asien schwer beeinträchtigt. Folge sind Produktionsrückgänge. Außerdem hatte China Ausfuhrbeschränkungen für Schwefelsäure erlassen, eine für die Düngerherstellung und etliche andere Produkte benötigte Chemikalie. Und da die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nach wie vor die Schifffahrt im Roten Meer und damit den Zugang zum Suezkanal bedrohen, nehmen viele Schiffe aus Asien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas, mit entsprechend höheren Kosten und längeren Lieferzeiten.

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Da kein Ende des Kriegs in Sicht ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo mit einer Fortsetzung der Sonderkonjunktur. Das bedeutet demnach jedoch nicht, dass die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland gelöst wären. Der Umfrage zufolge ist daher weiterer Stellenabbau in der Chemiebranche zu erwarten.

Wittenberg (dpa/sa) *15:18 Uhr – SKW Piesteritz investiert 100 Millionen in Ammoniakanlage

Nachdem Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) eine weitere Millioneninvestition bei SKW Piesteritz öffentlich gemacht hat, bestätigt das Unternehmen nun die Pläne. Rund 100 Millionen Euro sollen in die Modernisierung einer der beiden Ammoniakanlagen fließen, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mitteilte.

Durch die als «Revamp» bezeichnete Modernisierung soll die Anlage effizienter werden. Dadurch sollen der Gasverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß sinken. Der für das Vorhaben gestellte Fördermittelantrag sei am Mittwoch genehmigt worden. Wie hoch die Förderung ausfällt und wann die Modernisierung abgeschlossen sein soll, blieb zunächst offen. Schulze hatte die Investition in der MDR-Wahlarena angekündigt.

Am Standort Piesteritz summieren sich die angekündigten Investitionen damit auf 220 Millionen Euro. Davon entfallen insgesamt 150 Millionen Euro auf SKW: 50 Millionen Euro aus einem bereits früher angekündigten Investitionspaket und die nun bestätigten weiteren 100 Millionen Euro. Weitere 70 Millionen Euro gehen an die Großbäckerei Lieken. SKW und Lieken gehören zum tschechischen Agrofert-Konzern, der unter anderem in der Chemie, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion tätig ist.

SKW Piesteritz gehört zu den größten Ammoniak- und Harnstoffproduzenten Deutschlands und beschäftigt rund 980 Menschen. Wegen der hohen Energiepreise steht das Unternehmen seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck.

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