Zementproduktion Membran-Testanlage zur CO₂-Abscheidung im Zementwerk

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Der Baustoffhersteller Holcim Deutschland will die Dekarbonisierung des Industriesektors vorantreiben und hat dafür eine membranbasierte Testanlage im Zementwerk in Höver installiert. Die innovative Technologie wurde am Helmholtz-Zentrum Hereon entwickelt und von Cool Planet Technologies (CPT) auf den Markt gebracht. Mit ihr sollen bis zu 90 Prozent der CO₂-Emissionen aus dem Abgas des Werkes abgeschieden werden.

V.l.n.r.: Prof. Oliver Zielinski, Dr. Torsten Brinkmann (Hereon), Lisa Büscher (Holcim Deutschland) und Patrick Schiffmann (Cool Planet Technologies) drücken den „Roten Knopf“ zur Inbetriebnahme der Testanlage.(Bild:  Hereon/Rabea Osol)
V.l.n.r.: Prof. Oliver Zielinski, Dr. Torsten Brinkmann (Hereon), Lisa Büscher (Holcim Deutschland) und Patrick Schiffmann (Cool Planet Technologies) drücken den „Roten Knopf“ zur Inbetriebnahme der Testanlage.
(Bild: Hereon/Rabea Osol)

Am 21. August wurde die neue Membran-Testanlage im Zementwerk in Höver von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, dem parlamentarischen Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Johannes Steiniger, und Stephan Hinrichs, CEO von Holcim Deutschland, feierlich in Betrieb genommen. „Die Zementindustrie steht vor besonderen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung. Hier in Höver wird jetzt gezeigt, wie die Zementwende gelingen kann“, sagte Olaf Lies und betonte die nationale Bedeutung des Projekts. „Mit der neuen Anlage leistet Holcim ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland und einen wichtigen Beitrag zum Ziel ‚klimaneutrales Niedersachsen‘.“

Das Projekt erhält Fördergeld aus der „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“, mit der das Bundeswirtschaftsministerium die Dekarbonisierung der Industrie unterstützt, darunter die Entwicklung und Anwendung von CCU/S-Technologien (Carbon Capture, Utilization, and Storage) zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂.

Zement ist das Bindemittel für Beton und damit einer der wichtigsten Rohstoffe für die Bauindustrie. Allein in Deutschland werden jährlich rund 30 Millionen Tonnen Zement verbraucht. Bei der Herstellung werden Kalkstein, Ton, Sand und Eisenerz bei 1450 Grad Celsius gebrannt. Dabei entsteht pro Tonne Zement bis zu eine Tonne CO₂. Um eine Produktion mit Netto-Null-Emissionen zu ermöglichen, muss das CO₂ aus dem Abgas der Brennöfen entfernt werden. Hier setzt die Forschung am Hereon an.

Die Hereon-Membranen bestehen aus mehreren Kunststoffschichten und lassen CO₂ schneller durch als die anderen Rauchgasbestandteile wie Stickstoff und Sauerstoff. In Höver wird der Abgasstrom des Zementwerks durch die Testanlage über die Membranen geleitet. Das CO₂ wird abgetrennt und abgeführt, der übrige, emissionsarme Abgasstrom wird wieder an das Zementwerk zurückgeführt. Mit dieser Ausbaustufe sollen in Höver bis zu zehntausend Tonnen Treibhausgas jährlich abgeschieden werden. Das CO₂ wird aufbereitet und kann als Grundstoff weiter genutzt werden, zum Beispiel in der Getränkeindustrie oder zur Herstellung von Chemikalien und Biokraftstoffen.

Das Membranverfahren ist chemiefrei und kann vollständig mit erneuerbarer elektrischer Energie betrieben werden. Somit ist es eine der effizientesten Methoden, CO₂ abzuscheiden. Die Anlage ist dem eigentlichen Produktionsprozess nachgeschaltet und ermöglicht so die Nachrüstung bestehender Werke ohne aufwändige Umbauten. In Höver wird die Technologie erstmals in dieser Größenordnung in einem Zementwerk getestet. Holcim will durch die Dekarbonisierung des Werkes die Zementproduktion an diesem Standort über Jahrzehnte sichern.

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