Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Linke setzt auf Industriestiftung für die Chemiebranche

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27.08.2026

Mainz (dpa) *12:59 Uhr – Klarheit über Biontech-Standorte bis Ende September

Biontech will bis Ende September über die Zukunft der von der Schließung bedrohten Produktionsstandorte in Deutschland und Singapur entscheiden. Dabei gehe es um das Ausloten möglicher Veräußerungsoptionen für Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Standorte von Curevac in Deutschland und im Ausland, teilte das Mainzer Unternehmen mit. Insgesamt bis zu 1.860 Stellen könnten von den Maßnahmen betroffen sein. Bei Curevac allein sind nach früheren Angaben rund 820 Jobs bedroht – größtenteils am Hauptsitz in Tübingen.

Biontech begründet die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen sowie dem Fokus auf der Krebsmedizin. Die Nachfrage nach Corona-Impfstoff, der das Unternehmen während der Pandemie weltbekannt machte, geht mittlerweile massiv zurück. Schwerpunkt ist nun die Entwicklung neuer Produkte vor allem in der Onkologie.

Im Zuge der Umstrukturierung trennen sich die Mainzer auch von der Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies. JPT ist nach Angaben des Unternehmens ein führender internationaler Anbieter peptidbasierter Dienstleistungen für die Forschung und Entwicklung. Die Dubag Group mit Sitz in München werden die gesamte Belegschaft mit rund 130 Stellen übernehmen, teilte Biontech mit.

Spätestens zum Februar kommenden Jahres wird Guido Oelkers den Job des Vorstandsvorsitzenden antreten. Wegen der weltweit geringeren Nachfrage nach Covid-19-Impfstoff haben die Mainzer im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro verbucht.

München (ots) *10:14 Uhr – Kommunale Wasserversorger: «Wir müssen jetzt in die Infrastruktur investieren»

Umfrage unter Wasserversorgern im Thüga-Netzwerk: 86 Prozent sehen hohen oder sehr hohen Investitionsbedarf. 76 Prozent halten die heutigen Wasserpreise dafür nicht für ausreichend.

Deutschlands Trinkwasserversorgung ist sicher – noch. Doch zunehmende Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und veränderte Niederschlagsmuster stellen Wasserversorger vor neue Herausforderungen. Um die Versorgung auch unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässig gewährleisten zu können, müssen diese erhebliche Summen in Wassergewinnung, Speicher, Netze und weitere Infrastruktur investieren.

Eine aktuelle Umfrage unter den wasserversorgenden Stadtwerken in der Thüga-Gruppe, Deutschlands größtes Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger, zeigt dabei eine deutliche Lücke zwischen dem notwendigen Investitionsbedarf und den bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten: 86 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihren Investitionsbedarf für eine zukunftssichere Wasserversorgung als hoch oder sehr hoch ein. Gleichzeitig sagen 76 Prozent, dass sich die erforderlichen Investitionen aus den heutigen Wasserpreisen nicht finanzieren lassen.

Die Klimaanpassung geht über technische Lösungen hinaus. Die Frage ist vielmehr: Wie lässt sich eine sichere Wasserversorgung dauerhaft finanzieren? «Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben», fasst ein Teilnehmer der Umfrage die Herausforderung zusammen. Die Wasserversorger sehen dabei nicht nur steigende Anforderungen durch den Klimawandel, sondern auch wachsende Kosten für Erhalt, Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur.

Aus Sicht der Stadtwerke braucht es deshalb eine stärkere gesellschaftliche Debatte über den Wert von Trinkwasser. Die Bevölkerung müsse nachvollziehen können, dass eine sichere Wasserversorgung erhebliche und langfristige Investitionen voraussetzt. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um möglichst hohe Wasserpreise, sondern um einen Ausgleich zwischen Versorgungssicherheit, notwendigen Investitionen und Bezahlbarkeit. Ein weiterer Teilnehmer der Umfrage bringt es auf den Punkt: «Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen.»

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Dazu sei auch ein Umdenken nötig: «Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden!» Gleichzeitig dürften Kosten für Verschmutzungen und zusätzliche Reinigung nicht durch die Allgemeinheit getragen werden: «Wasserversorgung müssen wir in größeren Strukturen denken und die Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen dem Verursacher in Rechnung stellen.»

Auch eine stärkere Zusammenarbeit der Wasserversorger kann helfen, effizient zu arbeiten, Know-how zu bündeln und Investitionen gemeinsam zu stemmen. Sie allein wird die Finanzierungslücke jedoch nicht schließen.

Die Botschaft der Wasserversorger ist deshalb klar: Klimaanpassung bei der Wasserversorgung darf nicht erst dann beginnen, wenn die Folgen des Klimawandels unmittelbar spürbar werden. Wassergewinnungsanlagen, Speicher und Leitungsnetze werden über Jahrzehnte geplant und betrieben.

«Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren. In Anbetracht des Klimawandels wird nicht die Frage sein, 'ob' wir investieren, sondern ob wir es rechtzeitig tun», sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga.

Berlin (ots) *10:07 Uhr – Reimann: Geplante Standortklausel für Pharmafirmen wird ihre Ziele verfehlen

Morgen findet die erste Sitzung des Fachgremiums statt, das Vorschläge zu einer Standortklausel für Pharmafirmen diskutieren und bis Ende September einen Entwurf für eine entsprechende gesetzliche Regelung erarbeiten soll. Demnach sollen Firmen, die bestimmte Bedingungen erfüllen, vom zusätzlichen Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel in Höhe von 8,5 Prozent befreit werden. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, hält die geplante Standortklausel für einen Irrweg:

«Mit dem Plan, bestimmte Pharmaunternehmen für die Produktion im eigenen Land mit Ausnahmen vom Herstellerrabatt zu belohnen, verfolgt die Bundesregierung sicherlich hehre Ziele. Man will die heimische Wirtschaft stärken und die Arzneimittelversorgung krisenresilienter machen.

Die Zielsetzungen teilen wir, aber die geplante Standortklausel hat drei Pferdefüße: Erstens werden die Ausnahmen vom Herstellerrabatt wieder zusätzliche Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung verursachen. Damit wird das gerade erst beschlossene Spargesetz konterkariert. Zweitens sind Wirtschafts- und Standortförderung definitiv keine Aufgaben der GKV. Sie sollten folglich auch nicht mit dem Geld der Beitragszahlenden finanziert werden.

Und drittens ist davon auszugehen, dass eine Standortklausel für den überwiegenden Teil der forschenden pharmazeutischen Unternehmen greifen wird - also auch für solche mit hochdiversifizierten, international vernetzten und damit verwundbaren Lieferketten.

Daher wird die Standortklausel ihre Ziele verfehlen. Am Ende sind für Investitionsentscheidungen von Pharmafirmen ganz andere Faktoren relevant als die Arzneimittelpreise. Wichtiger sind eine schlanke Bürokratie, die gute Verfügbarkeit von Fachkräften, niedrige Steuern und günstige Energiepreise.

Bei diesen Standort-Faktoren sollte die Bundesregierung ansetzen und die Rahmenbedingungen für die Hersteller in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn verbessern, statt den Beitragszahlenden Mehrbelastungen für ein mehr als fragwürdiges Instrument zur Wirtschaftsförderung aufzubürden.»

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