Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Tonnenweise Kunststoff in Flammen

Von Wolfgang Ernhofer 7 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

10.08.2026

Alzey (dpa) *04:00 Uhr – Trotz gestrichener Milliarden: Eli-Lilly-Werk Alzey im Plan

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly will trotz der gestrichenen Milliardeninvestitionen die Produktionsstätte für Medikamente in Alzey Ende nächsten Jahres eröffnen. Die Reduktion werde sich auf den Ausbau der Fertigungsbereiche sowie die Produktionskapazitäten beziehen, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Was das im Detail bedeute und welche Auswirkungen das auf die geplanten Stellen an dem Standort haben werde, daran arbeite das Management noch.

Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden Dollar (2,16 Mrd Euro) in die neue Produktionsstätte für injizierbare Medikamente im rheinhessischen Alzey stecken. Wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen hat der US-Pharmakonzern angekündigt, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren. Ursprünglich sahen die Pläne vor, in Alzey bis zu 1.000 Fachkräfte einzustellen.

Der Standort werde wie geplant ein hochmoderner, verlässlicher und leistungsfähiger Teil des globalen Lilly-Netzwerks werden, sagte der Unternehmenssprecher. Die Eröffnung sei weiterhin für Ende 2027 geplant. Die in Alzey produzierten Medikamente würden Patienten weltweit erreichen.

Der US-Pharmakonzern kritisierte erneut den Kurs der Regierungskoalition: «Wir bedauern, dass die Bundesregierung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in der vorliegenden Form verabschiedet hat», sagte der Sprecher. «Es ist aus unserer Sicht keine Gesundheitsreform, sondern ein Spargesetz.» Der Koalitionsvertrag weise der Pharmaindustrie die Rolle einer Schlüsselindustrie zu. Das habe Erwartungen geweckt, die die jetzige Regelung bisher nicht erfülle.

«Wir verstehen, dass wir einen finanziellen Beitrag leisten müssen», versicherte der Sprecher von Eli Lilly. «Das Ausmaß der jetzt neu entschiedenen Belastung geht jedoch deutlich zu weit.» Das Gesetz enthalte mehrere Belastungen gleichzeitig: Mehr als Verdoppelung des bisherigen Herstellerabgaberabatts, verschärfte Preis-Mengen-Regelung, Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel, erhöhter Impfstoffabschlag.

Der neue Herstellerzwangsrabatt von 15,5 Prozent greife direkt in das Kerngeschäft der Arzneimittelindustrie ein und untergrabe Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit bei Investitionen. Von der Bundesregierung würden deshalb Maßnahmen zur Sicherstellung erwartet, dass strukturelle Reformen Innovationen belohnen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen werden, betonte der Unternehmenssprecher. «Solange wir hier keine positive Entwicklung sehen, halten wir an der angekündigten Reduzierung unseres Investments in Alzey fest.»

09.08.2026

Bad Sobernheim (dpa/lrs) *13:21 Uhr – Tonnenweise Kunststoff in Flammen

Auf einem ehemaligen Bundeswehrflughafen bei Bad Sobernheim brennt eine Lagerhalle mit Kunststoff. Die Einsatzkräfte sind seit Sonntagmorgen gegen 7.30 Uhr im Einsatz im Industriegebiet Pferdsfeld. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand eine rund 840 Quadratmeter große Lagerhalle bereits komplett in Flammen, wie die Polizei bestätigt.

In dem Gebäude lagerten nach Angaben des Unternehmens rund 400 Tonnen PLA-Kunststoff. Die Abkürzung steht für Polylactid, das laut Polizei in der Halle in kleinen Päckchen aufbewahrt wurde.

Einsatzleiter Max Kraushaar von der Feuerwehr berichtete von einer schwierigen Lage: Brennender, teilweise verflüssigter Kunststoff lief aus der Halle. Gleichzeitig entwickelte sich in dem dicht gelagerten Material enorme Hitze. Die Feuerwehr setzte deshalb mehrere Wasserwerfer ein und gab zeitweise bis zu 5.000 Liter Löschwasser pro Minute auf die Halle ab.

Dabei zahlten sich die besonderen Möglichkeiten des ehemaligen Militärflugplatzes aus. Neben der normalen Trinkwasserleitung existiert dort noch eine eigene Löschwasserleitung. Auch die großen Zisternen aus Zeiten des Bundeswehrflughafens werden weiterhin gepflegt und sind funktionsfähig.

«Durch die vielen Übungen auf dem Gelände wussten die Einsatzkräfte sofort, wo sich die Löschwasserreserven befinden», erklärte Kraushaar. Dadurch wurde der Brand relativ schnell unter Kontrolle gebracht.

Die Nachlöscharbeiten sollten noch den gesamten Sonntag andauern. Immer wieder entzündete sich Kunststoffgranulat erneut. Besonders schwierig gestaltet sich zudem das Ausräumen der großen Mengen aus der beschädigten Halle. Die Brandursache war zunächst unklar. Das Unternehmen und die Polizei schätzen den entstandenen Schaden derzeit auf rund 600.000 Euro.

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06.08.2026

Darmstadt (dpa) *11:49 Uhr – Merck erhöht Prognose und setzt auf Milliardendeal in den USA

Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck hebt nach einem überraschend starken zweiten Quartal seine Jahresziele erneut an. Der neue Vorstandschef Kai Beckmann erwartet 2026 nun einen Umsatz von 21,0 bis 21,8 Milliarden Euro, wie das Dax-Unternehmen mitteilte.

Grund seien vor allem die Erholung der Laborsparte rund um die Arzneiherstellung, starke Verkäufe von Halbleitermaterialien inmitten des Booms um Künstliche Intelligenz und ein gutes Geschäft mit Medikamenten gegen seltene Erkrankungen. Zudem zeigt sich Merck für das US-Geschäft beim Multiple-Sklerose-Medikament Mavenclad optimistischer und negative Währungseffekte ließen nach. Erst im Mai hatte der Konzern seine Umsatzprognose auf 20,4 bis 21,4 Milliarden Euro erhöht.

«Unsere Ergebnisse im zweiten Quartal bestätigen die anhaltende Dynamik unserer wichtigsten Wachstumsbereiche», sagte Beckmann, der im Mai den Chefposten von Belén Garijo übernommen hatte. Zudem stärke Merck sein Geschäft mit der rund zehn Milliarden Euro schweren Übernahme des US-Laborausrüsters Bio-Techne Corporation, mit der die Darmstädter in wachstumsstarken Bereichen wie Zell- und Gentherapien sowie der Präzisionsdiagnostik zulegen wollen. Der Abschluss der Übernahme, einer der größten Merck-Deals seit Jahren, wird spätestens Anfang 2027 erwartet.

Im zweiten Quartal übertraf Merck die Erwartungen. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro, ein Plus von 4,1 Prozent aus eigener Kraft. Der Gewinn nach Steuern sank zwar um fast ein Viertel auf 494 Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wuchs jedoch um gut 9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der Konzern erwartet nun 2026 ein operatives Ergebnis von 5,9 bis 6,3 Milliarden Euro statt wie bislang 5,7 bis 6,1 Milliarden Euro.

05.08.2026

Rödersheim-Gronau (dpa/lrs) *14:46 Uhr – Gefährliche Säure löst Großeinsatz in Apotheke aus

Eine Säure-Flasche hat in einer Apotheke einen Großeinsatz ausgelöst. Nach dem Fund von Pikrinsäure rückte am Dienstagnachmittag die Feuerwehr mit einem Großaufgebot in Rödersheim-Gronau (Rhein-Pfalz-Kreis) an. Die Polizei sperrte in einem Radius von 50 Metern die Straßen ab und evakuierte die Wohnanwesen im gefährdeten Bereich.

Um den giftigen und hochexplosiven Stoff zu entschärfen, forderten die Behörden das Landeskriminalamt an, welche schließlich Entwarnung gaben. Aufgrund der vorschriftsmäßigen Lagerung in einem Abluftschrank habe keine akute Gefahr bestanden, sagte die Polizei. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin beendet.

Die Apothekenleitung muss die Entsorgung nun eigenständig über eine Fachfirma veranlassen. Pikrinsäure wurde in der Apotheke zur Identitätsprüfung anderer Chemikalien verwendet. Daher finden sich dort häufig noch Restbestände. In trockenem Zustand oder mit einem Wassergehalt von weniger als 30 Prozent ist die Säure hochexplosiv. Schon eine kleine Erschütterung des Behälters oder das Drehen des Verschlusses genügen, um eine Explosion auszulösen.

Lübeck (dpa) *04:00 Uhr – Dräger warnt: «Die Chemieindustrie stirbt leise»

Der Chef des Lübecker Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk, Stefan Dräger, warnt vor dem Niedergang der deutschen Chemieindustrie. «Die Chemieindustrie stirbt leise», sagte Dräger in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die Aufmerksamkeit richte sich vor allem auf die Krise der Automobilbranche. «Alle schauen auf Automotive, und das finde ich übertrieben.»

Dräger beliefert die Chemieindustrie mit Messgeräten, Warnanlagen und Atemschutzmasken. Der Konzern ist darüber hinaus Dienstleister und stellt Personal, das etwa Produktionsprozesse in Chemiewerken überwacht.

«Wir beobachten, dass viele Anlagen gar nicht wieder angefahren werden und stillstehen», sagte der Dräger-Vorstandsvorsitzende. «Wenn man über Werksgelände läuft, ist es trostlos.» Das Unternehmen verzeichne im Chemiebereich Umsatzrückgänge. Diese könne es aber über Wachstum in anderen Bereichen mehr als ausgleichen. Die zwei Hauptgründe für die schwierige Lage der Chemieindustrie sind Dräger zufolge die Energiepreise und die Bürokratie.

Dräger (63) leitet in fünfter Generation das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen. Vergangenes Jahr beschäftigte der börsennotierte Konzern mehr als 16.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von annähernd 3,5 Milliarden Euro. Die Stammaktien hält mehrheitlich die Familie Dräger.

Die Chemiebranche, die zu den größten Industriebranchen des Landes gehört, steckt seit Jahren in einer Krise. Der Branchenverband VCI teilte jüngst mit, dass die Produktion, der Umsatz und die Investitionen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind. Am Stammsitz des weltgrößten Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen fiel im Mai erstmals seit 1954 die Zahl der Vollzeitstellen unter 30.000.

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