Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Dräger warnt: «Die Chemieindustrie stirbt leise»

Von Wolfgang Ernhofer 2 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

05.08.2026

Lübeck (dpa) *04:00 Uhr – Dräger warnt: «Die Chemieindustrie stirbt leise»

Der Chef des Lübecker Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk, Stefan Dräger, warnt vor dem Niedergang der deutschen Chemieindustrie. «Die Chemieindustrie stirbt leise», sagte Dräger in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die Aufmerksamkeit richte sich vor allem auf die Krise der Automobilbranche. «Alle schauen auf Automotive, und das finde ich übertrieben.»

Dräger beliefert die Chemieindustrie mit Messgeräten, Warnanlagen und Atemschutzmasken. Der Konzern ist darüber hinaus Dienstleister und stellt Personal, das etwa Produktionsprozesse in Chemiewerken überwacht.

«Wir beobachten, dass viele Anlagen gar nicht wieder angefahren werden und stillstehen», sagte der Dräger-Vorstandsvorsitzende. «Wenn man über Werksgelände läuft, ist es trostlos.» Das Unternehmen verzeichne im Chemiebereich Umsatzrückgänge. Diese könne es aber über Wachstum in anderen Bereichen mehr als ausgleichen. Die zwei Hauptgründe für die schwierige Lage der Chemieindustrie sind Dräger zufolge die Energiepreise und die Bürokratie.

Dräger (63) leitet in fünfter Generation das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen. Vergangenes Jahr beschäftigte der börsennotierte Konzern mehr als 16.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von annähernd 3,5 Milliarden Euro. Die Stammaktien hält mehrheitlich die Familie Dräger.

Die Chemiebranche, die zu den größten Industriebranchen des Landes gehört, steckt seit Jahren in einer Krise. Der Branchenverband VCI teilte jüngst mit, dass die Produktion, der Umsatz und die Investitionen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind. Am Stammsitz des weltgrößten Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen fiel im Mai erstmals seit 1954 die Zahl der Vollzeitstellen unter 30.000.

04.08.2026

Dhahran (dpa) *09:37 Uhr – Saudi Aramco verdient kräftig an gestiegenen Ölpreisen

Der staatliche Ölkonzern Aramco hat infolge des Iran-Kriegs im zweiten Quartal einen Gewinnsprung verzeichnet. Grund dafür sind kriegsbedingt gestiegene Preise für Öl und raffinierte Kraftstoffe. Zudem kann der saudi-arabische Ölkonzern die Blockade der Straße von Hormus mit Hilfe einer Pipeline durch das Land umgehen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn kletterte im Jahresvergleich um ein Drittel auf gut 125 Milliarden Riyal (29 Mrd US-Dollar), wie Saudi Aramco in Dhahran mitteilte. Damit übertraf das seit 2019 an der Börse notierte Unternehmen die Erwartungen von Analysten.

Die Ölpreise sind drastisch gestiegen, da der Iran die Straße von Hormus nach den Angriffen von USA und Israel faktisch gesperrt hatte.

Dies trieb auch die Preise für Raffinerieprodukte wie Diesel und Kerosin in die Höhe. Saudi-Arabien und andere Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak sind aufgrund von Angriffen auf Förderanlagen und überfüllter Lagerkapazitäten zu Produktionskürzungen gezwungen.

Saudi-Arabien, das seine Exporte vor Kriegsbeginn bereits hochgefahren hatte, leitete innerhalb weniger Tage nach Ausbruch des Konflikts einen Teil seiner Lieferungen zu einem alternativen Hafen am Roten Meer um. Doch nun tun sich für den Ölkonzern weitere Risiken auf. Die jemenitische Huthi-Miliz greift Tanker an, die diese Route nutzen.

Aramco profitierte im vergangenen Quartal nach eigenen Angaben von den gestiegenen Preisen für Rohöl, Kraftstoffe und Chemieprodukte.

Die Produktion sank im Quartals- und Jahresvergleich jedoch deutlich – unter anderem, weil Anlagen des Konzerns im Zuge des Konflikts angegriffen und beschädigt wurden.

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