Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Burghausen klagt wegen PFOA-Belastung – Millionenforderungen

Von Wolfgang Ernhofer 21 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

25.09.2026

Burghausen (dpa/lby) *18:10 Uhr – Burghausen klagt wegen PFOA-Belastung – Millionenforderungen

Die Stadt Burghausen will in den nächsten Wochen Klage gegen ein oder mehrere Chemieunternehmen wegen der Folgen einer langjährigen PFOA-Belastung beim Landgericht Traunstein einreichen. «Die Einreichung erfolgt noch heuer, wir gehen von November aus», sagte der Erste Bürgermeister der Stadt Burghausen, Florian Schneider (SPD), der dpa.

Der Stadtrat hatte beschlossen, eine sogenannte Leistungsklage einzureichen und damit rund eine Million Euro an Kosten geltend zu machen, die der Stadt und den städtischen Gesellschaften schon entstanden sind, unter anderem bei Baumaßnahmen. Die Klage werde sich unter anderem gegen den Konzern Dyneon richten, hieß es. Mehrere Medien hatten berichtet.

Zudem will die Stadt Forderungen in Höhe von rund 80 bis 100 Millionen Euro gegenüber der Dyneon-Mutter 3M anmelden. Weil Dyneon verkauft wurde, laufen hier Fristen. Die Forderung muss den Angaben zufolge binnen eines halben Jahres nach Verkauf angemeldet werden, das heißt: noch dieses Jahr.

Bei dieser hohen Forderung geht es um geschätzte Folgekosten, die unter anderem bei diversen Bauprojekten allein auf die Stadt Burghausen zukommen könnten. Der Grund unweit des bayerischen Chemiedreiecks ist vielerorts mit PFOA belastet. Die Entsorgung ist bei Bauprojekten extrem teuer.

Das trifft öffentliche Bauprojekte, Investoren wie auch private Grundstücksbesitzer und Häuslebauer. «Investoren sind aufgrund der zu erwartenden Zusatzkosten zögerlich und haben Projekte deshalb zum Teil auch schon abgesagt», sagte Bürgermeister Schneider.

Das juristische Vorgehen der Stadt Burghausen könnte Vorbildfunktion auch für andere Kommunen, Investoren und weitere Betroffene sein, die von der PFOA-Belastung betroffen sind. PFOA war früher bei Firmen im Chemiepark Gendorf in Burgkirchen an der Alz unweit von Altötting legal im Einsatz. Die Chemikalie darf aber in der EU seit 2020 nicht mehr hergestellt werden. PFOA baut sich laut Umweltbundesamt nicht ab und ist in der ganzen Welt verbreitet.

Der Stoff wurde in einigen Kommunen, darunter Altötting, vor Jahren auch im Trinkwasser gefunden – und in der Folge im Blut von Anwohnern. Als wichtigste Maßnahme wurden deshalb die betroffenen Trinkwasserversorgungen unter anderem mit Aktivkohlefiltern ausgestattet. Das Trinkwasser ist damit sauber. PFOA gilt als möglicherweise krebserregend und kann zu weiteren gesundheitlichen Folgen führen, unter anderem soll es die Fertilität schädigen.

Essen (dpa) *16:26 Uhr – BASF streckt bei Evonik die Fühler aus

Mitten in einer tiefen Branchenkrise hat der Chemiekonzern BASF ein Auge auf den Spezialchemieanbieter Evonik geworfen. Wie Evonik in Essen bestätigte, trat der größere Branchenriese aus Ludwigshafen mit einer unverbindlichen Ansprache an das Unternehmen heran.

Diese sei auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche fänden derzeit jedoch nicht statt. Zuvor hatten Medien entsprechend berichtet, unter anderem die «Financial Times» und die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Laut Bloomberg hat BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen Deal sondiert. Die «FT» berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Ludwigshafener hinsichtlich einer Übernahme nicht nur mit dem Unternehmen, sondern auch mit der RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionärin gesprochen hätten.

Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, hieß es in dem Blatt. Ein Deal wäre angesichts Evoniks Börsenwert von mehr als acht Milliarden Euro groß.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

BASF nahm zu den Berichten zunächst keine Stellung. Die RAG-Stiftung bestätigte, von BASF auf ein etwaiges freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot angesprochen worden zu sein.

Weiter wollte sich die Stiftung nicht äußern. Sie wies jedoch darauf hin, dass sie derzeit drei Schuldverschreibungen mit einem Umtauschrecht in Evonik-Aktien ausstehen habe. Die RAG-Stiftung hält eigenen Angaben zufolge rund 43,8 Prozent an dem Unternehmen, ihre Stimme gilt als wegweisend für einen möglichen Zusammenschluss.

(ID:50943579)