Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Burghausen klagt wegen PFOA-Belastung – Millionenforderungen

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11.09.2026

Essen/Bitterfeld (dpa/sa) *10:03 Uhr – Chemiekonzern Evonik schließt Standort in Bitterfeld

Der Chemiekonzern Evonik schließt im kommenden Frühjahr seinen Standort in Bitterfeld. Hintergrund seien die anhaltend herausfordernden Marktbedingungen, teilte das Unternehmen mit. Die Auslastung der Anlagen sei seit längerem nicht ausreichend, um einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Verschiedene Optionen wie etwa eine Reduzierung der Kapazitäten hätte allesamt keine langfristig tragfähige Perspektive gezeigt.

Am Standort in Bitterfeld sind laut Unternehmen 40 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk soll Ende April 2027 schließen. In Bitterfeld produziert das Unternehmen Chlorsilane, die als Rohstoff für Mikrochips und Glasfaserkabel genutzt werden. Neben dem Standort Bitterfeld will Evonik auch ein weiteres kleineres Werk in Hamburg schließen, in dem 50 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die an den Standorten betriebenen Geschäfte würden aber weitergeführt und im Wesentlichen an größeren Standorten in Deutschland konzentriert.

Die Schließung des Evonik-Standorts in Bitterfeld reiht sich in eine Serie von Rückschlägen für die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt ein. Ende 2025 meldeten drei deutsche Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals Insolvenz an. Auch der US-Konzern Dow hatte im Juli 2025 angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen bis Ende 2027 zu schließen. Branchenverbände warnen seither vor einem Dominoeffekt im Mitteldeutschen Chemiedreieck, in dem nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit insgesamt rund 100 Firmen mit etwa 10.000 Beschäftigten ansässig sind.

Leuna/Magdeburg (dpa/sa) *15:22 Uhr – Linke befürchten Dominoeffekt nach Polyamid-Pleite in Leuna

Die Linke-Fraktion im Landtag warnt vor den Auswirkungen des geplanten Produktionsstopps bei Leuna Polyamid für das ostdeutsche Chemiedreieck. Die Insolvenz des Unternehmens, das zu gleichen Teilen vom Chemieparkbetreiber Infraleuna und von Leuna Harze gehalten wird, könne die Infrastruktur des gesamten Chemieparks verteuern und weitere Unternehmen gefährden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidatin Eva von Angern und des Landtags-Vizepräsidenten Wulf Gallert.

«Die geschäftsführende Landesregierung und Koalition muss sofort handeln und wenn nötig eine Sondersitzung des Landtages einberufen», sagte Gallert der Deutschen Presse-Agentur. Es drohe ein katastrophaler Dominoeffekt. Das Land habe mit der Finanzierung eines Notbetriebs der Anlagen zur Gefahrenabwehr für rund 80 Millionen Euro bereits ein Vielfaches des Unternehmenswertes bereitgestellt. Die Linke habe für solche Situationen einen Zukunftsfonds vorgeschlagen, mit dessen Hilfe man den Produktionsstandort sichern könnte. Land und Bund seien nun mindestens gefordert, bei der Investorensuche für einzelne Anlagen zu unterstützen.

«Die Situation vor Ort duldet keinen politischen Stillstand. Sachsen-Anhalt hat eine geschäftsführende Landesregierung, die jetzt handeln muss. Falls es dazu parlamentarische Beschlüsse braucht, sind auch diese noch möglich», sagte Gallert.

Nach Angaben des Chemieparkbetreibers hat der voraussichtliche Produktionsstopp Auswirkungen auf verschiedene Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Leuna Polyamid gehöre zu den größten Abnehmern von Dampf und anderen infrastrukturellen Leistungen. «Die Insolvenz und die damit verbundene Produktionseinstellung werden deshalb auch für InfraLeuna mit Umsatzeinbußen verbunden sein», so eine Sprecherin des Unternehmens.

Betroffen seien außerdem Liefer- und Abnehmerbeziehungen. «So werden unter anderem Ammoniak, Benzol für die Phenolerzeugung, Schwefel und Propylen sowie Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff künftig nicht mehr in bisherigem Umfang abgenommen. Gleichzeitig entfällt die mögliche Versorgung von Phenol aus der Leuna-Polyamid für Standortunternehmen.» Diese müssten den Stoff dann aus anderen Quellen beziehen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

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Anfang Oktober will Leuna Polyamid nach derzeitigem Stand das Insolvenzverfahren eröffnen. Geschäftsführer Martin Naundorf hatte angedeutet, dass es bereits Gespräche über den Weiterbetrieb oder die Nachnutzung einzelner Betriebszweige gebe. Eine belastbare Einschätzung zur langfristigen Zukunft der Anlagen sei allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, teilt Infraleuna mit.

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