Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Burghausen klagt wegen PFOA-Belastung – Millionenforderungen

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10.09.2026

Dresden (dpa) *17:41 Uhr – Impfstoffwerk in Dresden soll nach mehr als 100 Jahren schließen

Nach 115 Jahren steht die Impfstoffproduktion in Dresden vor dem Aus. Der Pharmakonzern Glaxosmithkline (GSK) will seinen dortigen Standort mit knapp 650 Mitarbeitern bis zum Sommer 2028 schließen. Die Produktion von Grippeimpfstoffen soll künftig im kanadischen Standort Ste-Foy gebündelt werden, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Grund sei die weltweit rückläufige Nachfrage sowie bestehende Überkapazitäten.

Am Dresdner Standort hatte der Unternehmer Karl August Lingner, der mit dem Mundwasser Odol reich wurde, im Jahr 1911 das Sächsische Serumwerk und Institut für Bakteriotherapie gegründet. Zu DDR-Zeiten wurde es verstaatlicht. Nach der Wiedervereinigung übernahm der britische Konzern SmithKline Beecham (heute: GSK) 1992 die Produktion.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie kündigte Widerstand gegen die geplante Schließung an. Damit drohe Sachsen hoch qualifizierte Industriearbeitsplätze und Deutschland wichtige pharmazeutische Produktionskompetenz zu verlieren. GSK produziert im Dresdner Werk Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis. Nach früheren Angaben des Unternehmens werden pro Woche zwei Millionen Impfdosen produziert.

Leuna/Halle (dpa/sa) *14:37 Uhr – Behörde verpflichtet Leuna Polyamid zu gesichertem Stopp

Nach der gescheiterten Suche nach neuen Investoren hat das Landesverwaltungsamt die insolvente Leuna Polyamid GmbH zu einem sicheren und geordneten Betriebsstopp verpflichtet. Eine entsprechende immissionsschutzrechtliche Nachsorgeanordnung hat die Behörde am Donnerstag in Halle erlassen, wie es in einer Mitteilung heißt. Hintergrund ist die Ankündigung des Unternehmens, den Betrieb ab Anfang Oktober kontrolliert herunterfahren zu müssen.

In den Produktionsanlagen im Chemiepark Leuna werden unter anderem Kunststoffe und Dünger hergestellt, sowie Ammoniak gelagert. «Ein ungeplanter Ausfall der Energie- oder Hilfsstoffversorgung oder ein unkontrolliertes Abstellen der Anlagen könnte erhebliche Gefahren verursachen», teilte das Landesverwaltungsamt weiter mit.

Bereits nach der Insolvenz des vorherigen Betreibers Domo Caproleuna hatte die Behörde deshalb einen staatlich finanzierten Notbetrieb der Anlage zur Gefahrenabwehr zu Kosten von rund 79,5 Millionen Euro finanziert. «Die Situation war besonders kritisch, weil die Anlagen aus Sicherheitsgründen nicht kurzfristig stillgelegt werden konnten», heißt es weiter.

Der jetzige Erlass verpflichtet den aktuellen Betreiber, die als Auffanggesellschaft gegründete Leuna Polyamid GmbH, unverzüglich eine detaillierte Planung für das sichere Herunterfahren der Anlage vorzulegen. Zudem müssten die erforderlichen technischen und personellen Voraussetzungen sichergestellt sein. Die Behörde habe die sofortige Vollziehung angeordnet und werde den Prozess am Standort eng begleiten. Der Geschäftsführer der insolventen Betreibergesellschaft, Martin Naundorf, hatte die Dauer für das Herunterfahren der Anlagen auf 15 bis 20 Tage geschätzt.

Leipzig (dpa/sn) *07:08 Uhr – Forschende beraten über Zukunft der Chemieindustrie

In Leipzig beraten internationale Forschende in der kommenden Woche über die Zukunft der Chemieindustrie. Beim ersten «Transforming Chemistry Summit» am 15. und 16. September steht nach Angaben des Veranstalters unter anderem die Frage im Mittelpunkt, wie Chemie ressourcenschonender, kreislauforientierter und stärker datengetrieben entwickelt werden kann. Erwartet werden rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, unter anderem aus England, der Schweiz, den Niederlanden und Südkorea. Geplant sind rund 40 Fachbeiträge.

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Organisiert wird der Wissenschaftskongress vom Center for the Transformation of Chemistry (CTC). Das in Entstehung befindliche neue Großforschungszentrum wird vom Bund sowie von den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt getragen. Es wurde im Sommer 2025 gegründet und soll mit Standorten in Delitzsch und Merseburg den Umbau der Chemie hin zu Kreislaufwirtschaft, Recycling und nachwachsenden Rohstoffen vorantreiben.

Die Industrie im mitteldeutschen Chemiedreieck steht derzeit wegen hoher Energiekosten und schwacher Nachfrage unter großem wirtschaftlichen Druck. In dieser Woche hatte die insolvente Leuna Polyamid GmbH die Suche nach einem neuen Investor für gescheitert erklärt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der US-Konzern Dow Chemical angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen Ende 2027 zu schließen.

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