Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Chemiepräsident Steilemann mahnt zur Eile bei Energiepreisbremsen

Von Wolfgang Ernhofer

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Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

29.10.2022

Frankfurt/Main (dpa) *11:34 Uhr – Chemiepräsident Steilemann mahnt zur Eile bei Energiepreisbremsen

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie, Markus Steilemann, drängt zur Eile bei der Gas- und Strompreisbremse für Unternehmen. Wenn die angekündigten Staatshilfen den Firmen noch helfen sollen, müssten sie schnell kommen, sagte Steilemann der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Die Lage ist dramatisch. Vor allem im Mittelstand stehen viele Unternehmer mit dem Rücken zur Wand», mahnte er. Nahezu täglich berichteten Firmen dem Verband darüber, dass ihre Energieversorgung für das kommende Jahr noch nicht gesichert sei. «So etwas hat es in den vergangenen Jahrzehnten in unserer Branche nicht gegeben.»

Für Unternehmen, die schon jetzt Schwierigkeiten hätten, einen Folgevertrag für Gas oder Strom abzuschließen, müsse eine geeignete Überbrückungslösung gefunden werden. Sonst drohten «dauerhafte Schäden an unserer an sich gesunden Industriestruktur», sagte Steilemann. Die Bundesregierung müsse die Preisbremse auch gegen Widerstände in der EU-Kommission durchsetzen, fügte er hinzu.

28.10.2022

Oldenburg/Emden (dpa) *16:04 Uhr – EWE will Wasserstoffanlage in Ostfriesland bauen

Der regionale Energieversorger EWE will in Emden eine Großanlage zur Produktion von Wasserstoff bauen. Die 320-Megawatt-Anlage soll bis Ende 2026 entstehen und jährlich mehr als eine Milliarde Kilowattstunden grünen Wasserstoff für Mobilität und Industrie erzeugen, teilte das Unternehmen am Freitag in Emden mit. Mit dem Bau könnte bereits im kommenden Jahr begonnen werden.

Voraussetzung ist die Fördergenehmigung durch die Europäische Kommission. Die Investitionssumme beträgt dem Unternehmen zufolge eine knappe halbe Milliarde Euro.

Die niedersächsische Nordseeküste gilt als perspektivreiche Region für die Wasserstoffwirtschaft. Dort kann an Land und auf See viel Windkraftstrom produziert werden. Der in Emden erzeugte grüne Wasserstoff soll unter anderem in der Industrie und im Schwerlastverkehr eingesetzt werden.

Hamburg/Ludwigshafen (dpa) *15:22 Uhr – Gewerkschaftschef kritisiert China-Politik von BASF

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, hat die China-Politik von BASF kritisiert. Der Chemiekonzern mache sich in der deutschen Industrie öffentlich zum «Frontrunner» für eine Fortsetzung der bisherigen China-Strategie, sagte Vassiliadis, dienstältester Aufsichtsrat bei BASF, dem Magazin «Spiegel». «Ich warne davor, alles auf eine Karte zu setzen und die geopolitischen Risiken zu unterschätzen», sagte Vassiliadis. Wenn BASF-Chef Martin Brudermüller «die Expansionspläne für China noch weiter antreiben und zugleich für die Standorte in Europa keine strategische Perspektive aufzeigen würde, wäre das nicht akzeptabel».

BASF wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Brudermüller will die Kosten des Chemiekonzerns in Europa und vor allem in Deutschland so schnell wie möglich senken. In dieser Woche bekräftigte der Konzernchef dem «Spiegel» zufolge zudem, an der geplanten Investition von zehn Milliarden Euro in einen neuen Verbundstandort in China festhalten und den Umsatz in dem Land deutlich steigern zu wollen.

Brudermüller gehört dem «Spiegel» zufolge der Wirtschaftsdelegation an, die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in der kommenden Woche auf seiner Chinareise begleitet. Scholz ist das erste Staatsoberhaupt, das mit Staatspräsident Xi Jinping zusammenkommt, seit dieser vom Parteikongress für eine dritte Amtszeit bestätigt wurde.

27.10.2022

Kigali (dpa/lrs) *18:37 Uhr – Dreyer trifft ruandischen Präsidenten Kagame – Impfstoffe Thema

Der ruandische Präsident Paul Kagame sieht in der Ansiedlung von Impfstoffproduktionsstätten in Afrika einen wichtigen Schritt in Richtung Impfgerechtigkeit. Das sagte er nach Angaben der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei am Donnerstag bei einem rund anderthalbstündigen Treffen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Kigali. Es sei wichtig, dass Impfstoff für afrikanische Länder verfügbar sei, betonte Kagame den Angaben zufolge.

In Kigali baut das Mainzer Unternehmen Biontech derzeit eine Produktionsstätte für mRNA-Impfstoffe. Voraussichtlich ab 2024 kann dort der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer und potenziell auch mRNA-Impfstoff etwa gegen Tuberkulose und Malaria im Fall einer Zulassung hergestellt werden.

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Die Malaria sei nach wie vor nicht ausgerottet, betonte Kagame bei der Zusammenkunft am letzten Tag von Dreyers knapp einwöchiger Ruanda-Reise den Angaben zufolge. Es sei eine Chance für Ruanda, dass Rheinland-Pfalz, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Ausbildung von Fachkräften unter anderem in der Biotechnologie in dem ostafrikanischen Land unterstützen.

In der seit 40 Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda sieht Kagame demnach ein neues Kapital aufgeschlagen. Das Thema Bildung bleibe sehr wichtig, zunehmend komme aber auch den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Sport Bedeutung zu. Dreyer sagte nach dem Treffen, die Tatsache, dass sie auf ihrer Ruanda-Reise von Kagame empfangen worden sei und mehrere Minister getroffen habe, zeige die Anerkennung in Ruanda für die Partnerschaft.

Danbury/Pullach (dpa) *14:36 Uhr – Industriegase-Konzern Linde erhöht erneut Gewinnziel

Der weltweit größte Industriegase-Konzern Linde legt nach einem Gewinnplus im dritten Quartal die Latte für den Jahresgewinn erneut höher. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie soll 2022 auf 11,93 bis 12,03 Dollar zulegen, wie das im Dax notierte Unternehmen am Donnerstag in Guildford bei London mitteilte. Das sei ein Anstieg im Jahresvergleich um bis zu 13 Prozent. Im dritten Quartal erhöhte sich der bereinigte Gewinn je Aktie im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 3,10 Dollar. Der Umsatz kletterte dank höherer Preise und Volumen um 15 Prozent auf knapp 8,8 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von knapp 1,3 Milliarden Dollar, nach 979 Millionen ein Jahr zuvor.

Im vierten Quartal soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 2,80 bis 2,90 Dollar zulegen. Das wären bis zu fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei rechnet Linde mit negativen Währungseffekten aufgrund des starken Dollar.

Derweil wendet der Konzern dem Börsenplatz Frankfurt den Rücken zu. Damit müsste das Unternehmen dann auch seinen Platz im deutschen Leitindex Dax räumen und Frankfurt würde seinen wertvollsten börsennotierten Konzern verlieren. Linde ist im Dax mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 140 Milliarden Euro der schwerste Wert. Der Verwaltungsrat habe entschieden, den Aktionären den Rückzug von der Frankfurter Börse vorzuschlagen, hatte das Unternehmen jüngst mitgeteilt.

Die Struktur der doppelten Börsennotierung habe dem Unternehmen zwar von Anfang an gute Dienste geleistet, doch habe sie die Bewertung der Aktien durch die europäischen Beschränkungen und die zusätzliche Komplexität eingeschränkt, begründete Unternehmenschef Sanjiv Lamba diesen Schritt. Ein Delisting in Frankfurt habe keine Auswirkungen auf die Konzernorganisation, Mitarbeiter, Kunden oder Engagement in den Regionen, in denen Linde plc tätig sei, erläuterte Lamba. Dazu zähle auch Deutschland, das ein wichtiger Markt für Linde bleiben werde.

Linde ist seit der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair 2018 der weltgrößte Anbieter von Industriegasen. Er beliefert die Auto-, Öl-,

Chemie- und Metallindustrie genauso wie Lebensmittelhersteller und Krankenhäuser. Den Löwenanteil der Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in der Region Amerika, rund 25 Prozent der Erlöse kommen aus Europa und rund 20 Prozent aus Asien.

London (dpa) *08:46 Uhr – Shell profitiert weiter von hohen Gas- und Ölpreisen

Der Ölkonzern Shell verdient dank der hohen Gas- und Ölpreise weiter glänzend, wenn auch nicht mehr auf dem jüngsten Rekordniveau. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn ging in den Monaten Juli bis September im Vergleich zum Rekordergebnis im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar zurück, wie der Konzern am Donnerstag in London mitteilte. Das ist aber immer noch das zweitbeste Quartalsergebnis der Geschichte des Konzerns.

Unter dem Strich – also zum Beispiel bereinigt um die Bewertungseffekte von Öllagerbeständen – verdiente Shell 6,7 Milliarden Dollar nach 18 Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte Shell noch rote Zahlen geschrieben.

Der Konzern hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, dass die Margen im Raffineriegeschäft nicht so hoch ausgefallen sind wie noch im zweiten Quartal. Das Unternehmen nutzt die sprudelnden Gewinne weiter für hohe Ausgaben zur Kurspflege und Ausschüttungen an die Aktionäre. So kündigte Shell den Rückkauf von Aktien für vier Milliarden Dollar sowie eine Dividendenerhöhung an.

Paris (dpa) *08:37 Uhr – Totalenergies verdient dank hoher Öl- und Gaspreise kräftig

Der Öl- und Energiekonzern Totalenergies hat im dritten Quartal dank stark gestiegener Preise für Öl und Gas deutlich mehr verdient. Der Gewinn sei trotz einer erneuten Abschreibung von 3,1 Milliarden US-Dollar auf einen Anteil an einem russischen Gasproduzenten um 43 Prozent auf 6,6 Milliarden US-Dollar gestiegen, wie das im EuroStoxx 50 notierte Unternehmen am Donnerstag in Paris mitteilte. Bereinigt um Sondereffekte wie die Abschreibung in Russland verdoppelte sich das Ergebnis auf knapp 9,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel damit deutlich höher aus, als Experten erwartet hatten. Für das Quartal will das Management eine Dividende wie in den vergangenen beiden Jahresviertel in Höhe von 0,69 Euro zahlen.

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