Newsticker Januar: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Brand in Chempark Dormagen gelöscht

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26.01.2024

Mainz (dpa/lrs) *09:22 Uhr – Schott Pharma will weiter in Standorte investieren

Der im Herbst an die Börse gegangene Pharmazulieferer Schott Pharma will seine Produktion mit Fokus auf Europa und die USA ausbauen. Im Geschäftsjahr 2024 werde ein Erlöswachstum von neun bis elf Prozent erwartet, teilte die 2022 ausgegliederte Pharmasparte des Spezialglasherstellers Schott am Freitag in Mainz mit.

Dem Unternehmen zufolge entstehen neue Kapazitäten für vorfüllbare Glasspritzen in Ungarn, auch Standorte in der Schweiz und in den USA werden erweitert. Dynamik verspricht sich Schott Pharma vor allem im Geschäft mit vorfüllbaren Polymer- oder Glasspritzen für Impfstoffe oder injizierbare Medikamente.

In den zwölf Monaten bis Ende September 2023 hatten die Mainzer Umsätze in Höhe von rund 899 Millionen Euro (Vorjahr 821 Mio.) verbucht. Der Gewinn lag im Geschäftsjahr 2023 bei etwa 152 Millionen Euro, ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Altötting/Mehring (dpa/lby) *05:01 Uhr – Gemeinde uneins über Windpark – Befürworter: «brauchen Strom»

Es soll Bayerns größter Windpark werden: An die 40 Windräder mit einer Gesamtleistung von 288 Megawatt könnten im Altöttinger Staatsforst in der Zukunft rechnerisch rund 150.000 Haushalte mit sauberem Windstrom versorgen – so der ehrgeizige Plan der Staatsregierung, den sie mit den Bayerischen Staatsforsten und dem deutsch-französischen Unternehmen Qair vorantreibt. Der Park soll auch das bayerische Chemiedreieck mit zusätzlicher Energie versorgen. Etwa zehn Prozent des hier benötigten Stroms, so heißt es, könnten mit dem Wind produziert werden.

Doch in der Region regt sich auch Widerstand. Zwei von neun betroffenen Kommunen im Landkreis Altötting – Emmerting und Kastl – haben nicht zugestimmt. Auf ihrem Gebiet wird bisher keine Windkraft geplant. In Mehring wiederum sind am Sonntag die Bürger an die Urnen gerufen, um über das Projekt abzustimmen – in einem Ratsentscheid dafür, in einem Bürgerentscheid dagegen. Rund zehn der 40 Windräder sollen auf Mehringer Gebiet nach bisherigen Plänen stehen – ein Nein könnte deutliche Auswirkungen auf das Projekt haben.

«Wir haben hier in der Region rund um das Chemiedreieck einen sehr hohen Strombedarf. Je mehr Strom lokal erzeugt werden kann, desto besser ist es», mahnte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Er hoffe auf möglichst breite Zustimmung aus der Bevölkerung. Pro Jahr würden voraussichtlich rund 1,1 Millionen Euro in die Kassen der Gemeinden fließen. «Hinzu kommen wichtige Impulse für die lokalen Handwerker, Unternehmen und Gastronomie, wenn für den Windpark hier rund eine halbe Milliarde Euro investiert wird.»

Die Initiative «Gegenwind Altötting», die den Bürgerentscheid initiiert hat, argumentiert hingegen, die Gegend sei für Windkraft nicht geeignet. «Wir sind ein ausgewiesenes Schwachwindgebiet», sagte ein Sprecher. In dem Gebiet gebe es im Schnitt Windstärken von rund 4,5 Metern pro Sekunde, für einen sinnvollen Betrieb seien 12 bis 13 Meter pro Sekunde nötig. Zudem müssten große Teile des Waldes gerodet werden, der als Bannwald fungiere, die Anwohner vor Emissionen und Lärm der Chemiebranche schütze und die Luft reinige.

Qair legt andere Zahlen vor. In der geplanten Nabenhöhe von rund 200 Metern liege die Windstärke bei 5,6 bis 6,1 Metern pro Sekunde, sagte Geschäftsführerin Heike von der Heyden. «Wir planen mit einer neuen Generation von Anlagen.» Sie liefen bei Wind von 3 Metern pro Sekunde bis 25 Metern pro Sekunde. «Wir haben genügend Wind, um mit 200 Volllaststunden 550 Millionen Kilowattstunden im Jahr zu erzeugen.»

Pro Windrad rechnet Qair mit gut einem Hektar Wald, der für den Bau gerodet werden muss. Dauerhaft müsse pro Anlage etwa ein dreiviertel Hektar waldfrei bleiben, sagt von der Heyden. Für die gerodete Fläche müsse an anderer Stelle Wald neu gepflanzt werden.

Mehring scheint gespalten. Bürgermeister Robert Buchner (Freie Wähler) und die meisten Gemeinderäte befürworten das Projekt. «Wir haben entschieden, dem Bürgerbegehren ein Ratsbegehren entgegenzusetzen, weil wir im Gemeinderat fast einstimmig für die Errichtung tendieren.» Allerdings lebt laut Buchner über die Hälfte der Bürger in einem Ortsteil, an den die Anlagen bis auf 1000 Meter heranrücken würden. «Da spielt natürlich das persönliche Befinden mehr mit als das Wohl der Allgemeinheit.» Der Windpark sei wichtig zur Sicherung der Arbeitsplätze und zum Erhalt des Wirtschaftsstandorts. Das Chemiedreieck mit Firmen wie Wacker bietet Zehntausende Arbeitsplätze.

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Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) sieht das Windprojekt in Altötting positiv. Zwar seien Waldgebiete weniger geeignet als offenes Land. Aber: «Um die Klimakrise abzumildern, brauchen wir eine echte Energiewende, die in Bayern leider jahrelang systematisch verhindert wurde», sagte der Landesvorsitzende Richard Mergner mit Blick auf die 10H-Abstandsregel.

Erst die Lockerung dieser Regel, nach der Windräder das Zehnfache ihrer Höhe von Siedlungen entfernt sein mussten, hatte neue Projekte möglich gemacht, die das Staatsunternehmen Staatsforsten nun in mehreren Waldgebieten im Freistaat vorantreibt. Nicht zuletzt zwingt das «Wind-an-Land-Gesetz» den bei Windkraft abgeschlagenen Freistaat, Flächen für Windräder zur Verfügung zu stellen – bis 2030 sollen es 1,8 Prozent der Landesfläche sein. Auch der Landkreis Altötting müsse hier seinen Beitrag leisten, heißt es beim Wirtschaftsministerium.

Die Staatsforsten sehen von rund 7200 Hektar Fläche des Altöttinger und Burghausener Forstes 1150 Hektar als potenzielle Projektflächen – auch wenn der Flächenbedarf für ein Windrad unter einem Hektar liegt. «Wir verfügen über ein gutes Netz an Lkw-fahrbaren Waldwegen», sagte ein Sprecher weiter. Das werde bei der Standortwahl berücksichtigt, um eine möglichst waldschonende Bauweise sicherzustellen.

Noch stehen umfangreiche Verfahrens- und Genehmigungsschritte aus. Derzeit laufen Windmessungen, das Gebiet wird kartiert, wie Qair-Geschäftsführerin von der Heyden sagte. Das Unternehmen plant die Inbetriebnahme 2027. «Es ist ein sportlicher Zeitplan.»

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