Newsticker November: Aktuelles aus der Prozessindustrie

US-Unternehmen sehen Standort Deutschland mit Sorge

< zurück

Seite: 5/22

23.11.2023

Landau/Karlsruhe (dpa) *17:50 Uhr – Anlage zur Produktion von Lithium aus dem Oberrheingraben eröffnet

Der unter anderem für Autobatterien wichtige Rohstoff Lithium soll in erheblichem Maßstab aus dem Oberrheingraben gefördert werden. Das Unternehmen Vulcan Energy (Karlsruhe) eröffnete am Donnerstag im pfälzischen Landau eine Anlage zur Produktion von Lithium im Tonnenmaßstab – als Vorstufe einer kommerziellen Anlage. In dieser soll ab 2026 Lithiumchlorid vorerzeugt und in Frankfurt-Höchst zum Endprodukt Lithiumhydroxid raffiniert werden, wie Vulcan-Gründer Horst Kreuter in Landau sagte. «Wir rechnen in Projektphase eins mit 24.000 Tonnen jährlich, das reicht für 500.000 Autobatterien pro Jahr.»

Die am Donnerstag vorgestellte Anlage kostete etwa 40 Millionen Euro, insgesamt bezifferte Kreuter das Investitionsvolumen für die erste Projektphase inklusive Bohrungen auf etwa 1,4 Milliarden Euro. «Schätzungen gehen davon aus, dass im Oberrheingraben 40 Prozent des europäischen Bedarfs an Lithium und sogar 100 Prozent des deutschen Bedarfs gedeckt werden könnte», sagte Kreuter.

Lithium gilt wie Kobalt als einer der wichtigsten Rohstoffe für Batterien. Dort ist es in geladener Form für die Speicherung von Elektrizität wichtig. Der Lithium-Ionen-Akku wird auch etwa in Smartphones und Computern eingesetzt.

Der Materialwissenschaftler Volker Presser sieht Vorteile der Gewinnung von Lithium in der Region, mit kurzen Wegen zu den Autofabriken. «Die Extraktion von Lithium aus Wasser, das man sowieso für Strom und Wärme nutzt, ermöglicht zudem eine deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit», sagte der Professor für Energie-Materialien am INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien. Dies sei wichtig, um den Gesamt-CO2-Fussabdruck von Batterien und Elektroautos zu senken. «Ein echter Standortvorteil.» Zugleich reduziere man die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und «kritischen» Herkunftsländern.

«Der Fokus auf Lithium ist aktuell sehr sinnvoll - und gerade das Gebiet des Oberrheingrabens zeichnet sich durch wirtschaftlich interessante Lithium-Konzentrationen aus», betonte Presser. Über Geothermie hinaus sei das Batterie-Recycling von enormer Bedeutung. «Es wird durch EU-Regeln erzwungen und wirtschaftliches Interesse befördert, um weitere Lithium-Quellen zu erschließen», unterstrich der Experte. Die aktuell geringe Menge an Altbatterien sei eine Herausforderung. «Das wird sich aber absehbar ändern.»

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält es für sinnvoll, für den hohen Lithium-Bedarf für mobile Stromspeicher wie in Fahrzeugen auch eigene lokale Produktionen aufzubauen. «Beim Import aus Ländern mit niedrigeren sozialen und Umweltstandards kann es schnell zu Ungerechtigkeiten und Ausbeutung kommen», sagte Referent Michael Ullrich vom Landesverband Rheinland-Pfalz. Lithium aus dem Tiefenwasser, das bei der Tiefengeothermie gewonnen werde, zu extrahieren, könne eine sinnvolle Möglichkeit sein. «Dabei gibt es natürlich Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Grundwassers, wie eine sichere Abdichtung der Bohrungen, zu beachten», meinte Ullrich.

In der Anlage in Landau will Vulcan Energy unter anderem sein Team mit Blick auf die geplante kommerzielle Produktion schulen. Ziel ist, mit Tiefengeothermie CO2-neutrales Lithium aus Thermalwasser des Oberrheingrabens zu gewinnen. In Geothermie-Anlagen wird die Wärme von Wasser aus der Tiefe genutzt. Im Oberrheingraben enthält das Thermalwasser Lithium, das abgefiltert werden soll, ehe es wieder in die Erde geleitet wird. Das in der jetzigen Anlage gewonnene Lithiumchlorid wird in Höchst in das Endprodukt Lithiumhydroxid umgewandelt, das dann von Vulcan-Partnern wie Stellantis, Volkswagen und Renault getestet wird.

Duisburg/Berlin (dpa) *17:31 Uhr – Gewerkschaften demonstrieren für Strompreis-Entlastungen

Die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE demonstrieren am Freitag an mehreren Orten für höhere Strompreis-Entlastungen in der energieintensiven Industrie. Zu einer Kundgebung in Duisburg werden rund 10.000 Beschäftigte unter anderem aus der Stahl-, Metall- und Chemieindustrie erwartet. Auch vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin ist eine Demonstration geplant. Der Aktionstag steht unter der Überschrift «Brückenstrompreis jetzt!».

Die Gewerkschaften fordern eine zeitlich befristete Entlastung der energieintensiven Industrien beim Strompreis. Das vor zwei Wochen vorgestellte Strompreispaket der Ampel-Koalition bewerten sie als unzureichend. Es sieht unter anderem eine deutliche Senkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe vor sowie eine Ausweitung der bisherigen Strompreiskompensation für Konzerne, die besonders unter hohen Strompreisen leiden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Bei der Kundgebung in Duisburg wollen unter anderem IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis und IG-Metall-Chefin Christiane Benner zu den Beschäftigten sprechen. An einer Podiumsdiskussion will auch der Arbeitsdirektor des Stahlherstellers Thyssenkrupp Steel teilnehmen.

Die Folgen des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts für die energieintensive Industrie sollen ebenfalls zur Sprache kommen. Die Industrie befürchtet als Folge eine deutliche Verschlechterung der Förderbedingungen für ihren Umbau in Richtung Klimaneutralität.

Ludwigshafen (dpa/lrs) *16:00 Uhr – Förderzusage an BASF zur Erzeugung von CO2-freiem Wasserstoff

Mit einer gemeinsamen Förderzusage des Bundeswirtschaftsministeriums und des Landes Rheinland-Pfalz ist der Chemiekonzern BASF der Erzeugung von CO2-freiem Wasserstoff nähergekommen. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Franziska Brantner, übergab am Donnerstag im Beisein von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Ludwigshafen den entsprechenden Bescheid an BASF-Standortleiterin Melanie Maas-Brunner. Bund und Land unterstützen das Projekt mit bis zu 124,3 Millionen Euro, davon kommen bis zu 37,3 Millionen Euro aus Mainz.

Die Inbetriebnahme der Wasserelektrolyse planen BASF und Siemens Energy im Jahr 2025. Betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien, soll die Anlage CO2-freien Wasserstoff erzeugen und damit die Treibhausgasemissionen am Standort in Ludwigshafen um jährlich bis zu 72.000 Tonnen senken. Mit einer Leistung von 54 Megawatt und einer Kapazität von bis zu 8000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr werde der sogenannte Protonenaustausch-Membran-Elektrolyseur (PEM) einer der größten seiner Art in Deutschland sein, hieß es.

Maas-Brunner betonte, die chemische Industrie benötige Wasserstoff mit niedrigem CO2-Fußabdruck vor allem als Rohstoff. «Auch als Energieträger wird er für BASF langfristig an Bedeutung gewinnen.» Die Förderzusage sei «ein Meilenstein auf dem Weg zu Netto-Null-CO2-Emissionen und gleichzeitig ein Signal für die Leistungsfähigkeit des Standorts Ludwigshafen».

(ID:49776473)