Newsticker November: Aktuelles aus der Prozessindustrie

US-Unternehmen sehen Standort Deutschland mit Sorge

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11.11.2023

Schönebeck (dpa/sa) *12:47 Uhr – Protestkundgebung bei Chemieunternehmen Schirm in Schönebeck

Im Tarifstreit mit dem Chemieunternehmen Schirm hat die Gewerkschaft IGBCE der Geschäftsführung eine «Verweigerungshaltung» vorgeworfen. Am Samstag rief die Gewerkschaft zu einer Protestkundgebung vor dem Hauptstandort in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) auf. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Tarifverhandlungen.

Das Unternehmen Schirm ist laut IGBCE ein Produktionsdienstleister und Lohnfertiger für die chemische und verwandte Industrien und beschäftigt deutschlandweit den Angaben zufolge etwa 800 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Entgelte auf 90 Prozent des Flächentarifvertrags der chemischen Industrie und der Ausbildungsvergütungen auf 100 Prozent, eine dynamische Koppelung an den Flächentarifvertrag sowie eine Inflationsprämie von 3000 Euro für IGBCE-Mitglieder.

Ludwigshafen (dpa/lrs) *03:35 Uhr – Als BASF den Anilin-Dollar druckte – Notgeld vor 100 Jahren

Als Erinnerung an eine schwere Krisenzeit in Deutschland liegt er heute im Unternehmensarchiv der BASF: der sogenannte Anilin-Dollar. Vor 100 Jahren, im November 1923, hatte das Ludwigshafener Unternehmen die Notgeldwährung eingeführt. Für einige Wochen wurde der Anilin-Dollar zu einem anerkannten und beliebten Zahlungsmittel in der Pfalz. Im Unternehmensarchiv liegen auch noch verschiedene Notgeldmünzen. Über den Verbleib der meisten Scheine gibt es dem Konzern zufolge keine gesicherten Erkenntnisse. BASF wurde 1865 als Badische Anilin- & Soda-Fabrik gegründet. Anilin ist eine ölige Substanz, die zur Herstellung von Farben und Kunstfasern verwendet wird.

Rückblick: Zum Ende des Ersten Weltkriegs war Deutschland hoch verschuldet, eine extrem hohe Inflation belastete die Menschen. Die Regierung erlaubte Unternehmen, Notgeld herzustellen, um Löhne auszuzahlen und den Handel aufrechtzuerhalten. Die BASF-Spenglerei begann, Rohlinge aus Zinkblech herzustellen. Vom 1. Januar 1918 bis 6. Juni 1919 gab das Unternehmen 64.290 Mark an ihre Mitarbeiter aus. Als Sicherheit musste die Direktion bei der Bayerischen Staatsbank 165.000 Mark in preußischen Schatzanweisungen hinterlegen.

Ende 1921 wurde das Notgeld eingezogen, aber die Probleme blieben. 1922 war der Mangel an Papiergeld so fortgeschritten, dass BASF bei den Banken nicht genug staatliche Zahlungsmittel zusammenbringen konnte, um Löhne und Gehälter auszuzahlen. Dem Unternehmen wurde erlaubt, eigene Tausendmarkscheine im Wert von 300 Millionen Mark zu drucken. Teilweise musste man bereits im Umlauf befindliches Notgeld in der Werksdruckerei immer wieder mit höheren Werten überdrucken.

Ein Jahr lang konnten so Lohn und Gehalt sichergestellt werden, bis auch die an die Reichskreditgesellschaft überschriebenen Sicherheiten rapide an Wert verloren. Um ihre Mitarbeiter vor der Inflation zu schützen, führte BASF im September 1923 - rückwirkend zum 1. August - die sogenannte Grundmark ein, die schließlich im November 1923 von einer neuen Notgeldwährung abgelöst wurde: dem Anilin-Dollar.

Hierfür hinterlegte BASF holländische Gulden im Wert von einer Million US-Dollar als Sicherheit - daher der Spitzname Anilin-Dollar. Diese Notgeldwährungen stellte die eigene Werksdruckerei her. Erst zum 27. November 1923 führte die Weimarer Republik die sogenannte Rentenmark ein und beendete damit die Inflation in Deutschland. Wie viele Anilin-Dollar insgesamt gedruckt wurden, lässt sich der BASF zufolge nach 100 Jahren nicht mehr verlässlich angeben.

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