Halle (dpa/sa) *11:35 Uhr – IWH-Chef: Sachsen-Anhalt ist nicht nur Chemie
Sachsen-Anhalt darf nach Einschätzung von IWH-Präsident Reint Gropp wirtschaftlich nicht auf die Chemieindustrie verengt werden. «Ich denke schon, dass es ganz wichtig ist, bei Sachsen-Anhalt eben nicht nur an Chemie zu denken», sagte Gropp auf der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle. Es gäbe auch sehr viele andere Themen und Bereiche wie etwa die Medizintechnik oder Verfahrenstechnik, die berücksichtigt werden müssten.
Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbands Nordost im Verband der Chemischen Industrie (VCI) nannte die Chemie zugleich «das Rückgrat der regionalen Wirtschaft».
Gropp nannte die Energiefrage für die energieintensiven Branchen zentral. Es sei jedoch unrealistisch, dauerhaft mit deutlich sinkenden Energiekosten zu rechnen. «Am Ende ist dann eben für die Chemieindustrie, zumindest für den sehr energieintensiven Teil, alternativlos, Verfahren zu entwickeln, die weniger energieintensiv sind», so der Ökonom.
Gropp verwies zugleich auf Standortvorteile des Landes bei den erneuerbaren Energien. Sachsen-Anhalt produziere mehr Ökostrom, als es selbst verbrauche - das sei «natürlich eine Chance» und müsse stärker den Unternehmen und Haushalten vor Ort zugutekommen. Das jüngst beschlossenes Landesgesetz, von dem Kommunen mit vielen Wind- und Solarparks profitieren sollen, gehe in die richtige Richtung.
Mit Blick auf die Strukturpolitik warnte Gropp vor einem zu starken Festhalten an bestehenden Strukturen. «Immer dann, wenn wir mit sehr viel Steuergeldern Altes erhalten, verhindern wir ein Stück weit, dass Neues entstehen kann.» Strukturwandel bedeute auch, Veränderungen zuzulassen – selbst wenn dadurch einzelne Branchen kleiner würden.
Der Staat solle sich stärker auf grundlegende Reformen konzentrieren, etwa beim Bürokratieabbau oder bei den sozialen Sicherungssystemen, statt vor allem Subventionen zu verteilen. «Es ist sehr viel leichter für den Staat, Geld zu verteilen, als fundamentale Reformen durchzuführen», sagte Gropp.
Entscheidend sei Vertrauen in die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Diese könnten auch unter veränderten Rahmenbedingungen neue Geschäftsmodelle entwickeln und so zum Entstehen neuer industrieller Kerne beitragen.
In Saudi-Arabien ist eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Zwei Drohnen hätten die Ölraffinerie in Ras Tanura im Osten des Landes attackiert, teilte ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums mit. Die Drohnen seien abgefangen und zerstört worden. Durch herabfallende Trümmerteile sei an der Anlage ein Feuer ausgebrochen, Opfer habe es dabei aber nicht gegeben. Einige Trümmerteile seien auch in Wohngegenden heruntergekommen.
Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Energieministerium, einige Teile der Anlage seien vorübergehend geschlossen worden. Kurz darauf berichtete der Kanal aber unter Berufung auf das Ministerium, die Ölproduktion und der Betrieb in Ras Tanura laufe normal weiter.
Im Internet kursierten Videos, die dichte Rauchwolken über der Ölanlage zeigen. Die Raffinerie in Ras Tanura zählt mit einem täglichen Volumen von 550.000 Barrel Öl zu den größten des Landes. Der Staatskonzern Aramco äußerte sich selbst zunächst nicht.
Saudi-Arabien zählt zu den größten Ölproduzenten der Welt. Der staatliche Ölkonzern Aramco ist dabei trotz eines angestrebten Wirtschaftsumbaus im Land weiterhin entscheidend für die Staatseinnahmen. Schon vor einigen Jahren wurden unter anderem die größte Ölraffinerie des Landes in Abkaik sowie das Ölfeld Churais getroffen. In der Folge brach die saudische Ölproduktion drastisch ein, die Ölpreise schossen auf dem Weltmarkt in die Höhe.
Stand: 08.12.2025
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