Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Manama (dpa) *08:41 Uhr – Auch Bahrains Öl- und Gaskonzern erklärt «höhere Gewalt»
Nach Angriffen auf seine Ölanlagen zieht nach dem Förderland Katar auch Bahrain Konsequenzen aus dem Iran-Krieg. Das staatliche Öl- und Gasunternehmen Bapco Energies rief für seine Lieferungen den Zustand der «höheren Gewalt» (Force Majeure) aus. Diese Erklärung entbindet einen Vertragspartner rechtlich von seinen Lieferpflichten. Als Grund würde der «jüngste Angriff» auf eine Raffinerie im Land genannt. Alle örtlichen Märkte seien aber versorgt und die Nachfrage ohne Beeinträchtigungen gedeckt.
Bahrain ist unter den Golfstaaten der kleinste Ölproduzent, ist aber Teil des Ölförderverbunds Opec+. Das kleine Königreich bezieht seine Einnahmen aus dem Ölgeschäft von zwei Ölfeldern im Land. Die Ankündigung folgt auf einen erneuten iranischen Angriff auf die Ölanlage Maameer. Der Iran griff diese nach offiziellen Angaben in Bahrain gezielt an und verursachte dabei einen Brand und Schäden. Opfer habe es nicht gegeben. Ein ähnlicher Angriff mit einem Brand ereignete sich an der Anlange schon vor mehreren Tagen. Videos des jüngsten Angriffs zeigten einen schweren Brand und Rauchwolken.
Auch Katar hat den Zustand der «höheren Gewalt» ausgerufen. Katar ist einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas und deckt ungefähr ein Fünftel des weltweiten Bedarfs. Seit etwa einer Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus dem arabischen Land infolge des Iran-Kriegs gestoppt.
07.03.2026
Halle (dpa/sa) *14:11 Uhr – Trinkwasser landesweit nur gering mit PFAS belastet
Das Trinkwasser in Sachsen-Anhalt weist einem landesweiten Monitoring zufolge nur eine sehr geringe Konzentrationen der Ewigkeitschemikalien PFAS auf. Wie das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) in einem Abschlussbericht zum PFAS-Monitoring mitteilte, werden in keinem Wasserversorgungsgebiet entsprechende Summengrenzwerte überschritten. Es seien nur sehr geringe Konzentrationen von Einzelsubstanzen beobachtet worden. Derzeit gebe es keine Hinweise auf eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit. Chemikalien stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind synthetische Chemikalien, die seit den 1950er Jahren in Industrie und Haushalt eingesetzt werden. Wegen ihrer extremen Stabilität und Langlebigkeit werden sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet. Sie reichern sich in der Umwelt an und können Lebensmittel und Trinkwasser verunreinigen. PFAS stehen im Verdacht, Leberschäden sowie Nieren- und Hodenkrebs zu verursachen. Bundesweit zeigen Untersuchungen unterschiedliche Belastungsgrade. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wies in einer Analyse von 2025 in 42 von 46 Trinkwasserproben PFAS nach, wobei die geltenden Grenzwerte nicht überschritten wurden. In Niedersachsen lagen Werte aus Goslar und Leer über der tolerablen Wochendosis der ab Ende 2027 geltenden neuen Grenzwerte.
06.03.2026
Magdeburg/Berlin (dpa/sa) *10:06 Uhr – Schulze zu Klimaregeln: «Hier muss Brüssel jetzt handeln»
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sieht die Chemieindustrie wegen der hohen Energiekosten unter starkem Druck und drängt auf Entlastungen bei europäischen Klimaregeln. Vor allem beim Handel mit CO2-Zertifikaten müsse die EU zur Tat schreiten, sagte Schulze in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv.
Gerade energieintensive Branchen hätten derzeit große Probleme. «Wir haben tolle Produkte, aber im Moment nicht die Preise, zu denen wir produzieren können, weil halt die Energie zu teuer ist», sagte der CDU-Politiker mit Blick auf die Industrie in seinem Bundesland.
Aus seiner Sicht müsse deshalb stärker bei den Nebenkosten angesetzt werden. «Ich sage ganz klar: Das Thema Zertifikate muss jetzt angegangen werden, sagte Schulze. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe dies bereits angesprochen. Nun sei die EU gefragt: «Hier muss Brüssel jetzt handeln. Wir brauchen eine Entlastung für unsere deutsche, für unsere europäische Industrie.»
Deutschland und Europa stünden in einem intensiven globalen Wettbewerb. «Wenn wir das nicht hinbekommen, dann werden wir diesen Wettbewerb verlieren», sagte Schulze. In Sachsen-Anhalt hat die Chemieindustrie eine besondere Bedeutung. Im sogenannten Chemiedreieck mit Standorten wie Leuna und Schkopau arbeiten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 10.000 Menschen in etwa 100 Unternehmen. Die Branche steht seit längerem wegen hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz unter Druck.
Stand: 08.12.2025
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05.03.2026
Washington (dpa) *17:31 Uhr – US-Ölsanktionen: Dauerhafte Ausnahme für Rosneft Deutschland
Die unter Treuhand stehende deutsche Tochter von Rosneft ist von den neuen US-Sanktionen gegen den russischen Öl-Sektor dauerhaft ausgenommen worden. Das US-Finanzministerium veröffentlichte eine entsprechende Regelung, nach der mit Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing Geschäfte gemacht werden dürfen. Auch Firmen, die mindestens zur Hälfte den Unternehmen gehören, sind von den Sanktionen befreit. Bislang galt die Ausnahme bis Ende April 2026.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnet die Sonderregelung für Deutschland in einer ersten Reaktion als «starkes Signal»: «Sie zeigt, dass Deutschland und die Vereinigten Staaten auch in komplexen geopolitischen Fragen eng abgestimmt handeln und gemeinsam tragfähige Lösungen ermöglichen.»
Zu Rosneft Deutschland gehört unter anderem die Raffinerie PCK in Schwedt, die weite Teile des Nordostens und Berlin mit Sprit, Heizöl und Kerosin versorgt. Sie gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine stellte der Bund die Rosneft-Töchter unter Treuhandverwaltung, er hat die Kontrolle.
Die US-Sanktionen verbieten nach Angaben des US-Finanzministeriums eigentlich jede wirtschaftliche Interaktion mit Rosneft, Lukoil und ihren Tochterfirmen - nicht nur für US-Unternehmen, sondern auch für ausländische Banken oder Geschäftspartner, die mit den sanktionierten Akteuren in Verbindung stehen. Auch Großbritannien hatte Sanktionen gegen den russischen Öl-Sektor und das Staatsunternehmen Rosneft beschlossen. Diese sollen nach britischen Ministeriumsangaben ebenfalls nicht die beiden deutschen Tochtergesellschaften von Rosneft treffen.
Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck stellt sich wegen harter Konkurrenz und des schwachen US-Dollars auf schwierige Zeiten ein. Dieses Jahr dürfte der Umsatz mit 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro bestenfalls das Vorjahresniveau erreichen, teilte der Dax-Konzern mit. Im Tagesgeschäft erwartet das Unternehmen vor Sondereffekten mit 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro einen Ergebnisrückgang.
Erheblichen Gegenwind erwartet Merck vom schwachen Dollar, der unter US-Präsident Donald Trump deutlich an Wert verloren hat. Wegen seiner aggressiven Zollpolitik hat das Vertrauen in die Vereinigten Staaten an den Finanzmärkten gelitten, der Dollar ist zum Euro so schwach wie seit Jahren nicht. Da Merck rund ein Viertel seines globalen Jahresumsatzes in den USA macht, trifft das die Darmstädter spürbar.
Dort beschäftigt der Konzern rund 14.000 Menschen - mehr als am Hauptsitz in Darmstadt. Zudem stellt sich Merck darauf ein, dass ab März US-Umsätze mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad wegfallen wegen des Wettbewerbs durch Nachahmerarzneien.
Schon im vergangenen Jahr hatten der schwache Dollar und Effekte bei asiatischen Währungen Merck belastet. 2025 ging der Umsatz um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro zurück, während der Gewinn im Tagesgeschäft nur leicht wuchs. Nach Steuern musste Merck einen Gewinnrückgang um rund 6 Prozent auf gut 2,6 Milliarden hinnehmen.
«Wir haben 2025 erneut unsere Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt - trotz erheblicher geopolitischer Herausforderungen und starker Währungsgegenwinde», sagte die scheidende Merck-Chefin Belen Garijo, die Ende April Chefin des französischen Pharmakonzern Sanofi werden soll. Die Dividende für die Merck-Aktionäre soll mit 2,20 Euro je Anteil stabil bleiben.
Merseburg (dpa/sa) *07:51 Uhr – Merseburg berät über Erweiterung am Chemiestandort Leuna
Der Stadtrat von Merseburg entscheidet heute über die geplante Erweiterung des Chemiestandortes Leuna. Ziel ist die «Errichtung eines Industrie- und Gewerbegebietes zur Ansiedlung großflächiger, innovativer und nachhaltiger Unternehmen», heißt es in der entsprechenden Beschlussvorlage, über die das Gremium abstimmen soll. Stimmen die Stadträte zu, startet im nächsten Schritt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit. Festsetzungen zu Baurecht oder zur konkreten Umsetzung werden damit noch nicht getroffen.
Der Bebauungsplan für ein «Industriegebiet Merseburg - Süd West (Leuna III)» hat insbesondere Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen zum Ziel, «die vorwiegend im Bereich der Bioökonomie und Biochemie arbeiten und eine hohe Anzahl an qualifizierten Arbeitsplätzen schaffen», heißt es weiter. Martin Naundorf, Vertriebschef der Infra Leuna, die den Chemiestandort betreibt, sagte der «Mitteldeutschen Zeitung», dass es konkrete Nachfrage nach Investitionen vor Ort gebe. Das Industriegebiet stoße mit aktuell 35 Hektar verfügbarer Fläche perspektivisch an Grenzen.
Zuletzt war die ostdeutsche Chemieindustrie vor allem von Anzeichen einer tiefen Krise geprägt: Im Sommer vergangenen Jahres hatte Dow Chemical bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll. Das Chemieunternehmen Domo hatte kurz vor Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet und erklärt, die Produktion sofort stoppen zu müssen. Allein in Leuna sind davon rund 500 Jobs betroffen. Wenige Tage später schaltete sich das Land Sachsen-Anhalt ein und entschied, den Betrieb aus Sicherheitsgründen vorerst am Laufen zu halten.
Im Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt gibt nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 100 Firmen mit rund 10.000 Beschäftigten.
04.03.2026
Kiel (dpa) *15:59 Uhr – Streit um Mittelplate-Bohrinsel bedroht Jobs
Das juristische Ringen um die Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate im Wattenmeer sorgt Schleswig-Holsteins Landesregierung. Energieminister Tobias Goldschmidt (Grüne) sprach im Wirtschaftsausschuss des Landtags von einem gravierenden Thema. «Für viele Unternehmen, die an der Westküste unterwegs sind, ist die Mittelplatte wirklich eine wichtige Säule und eine Grundlage der eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.» Das dort geförderte Öl wird etwa auch zur Kerosin-Produktion für den Hamburger Flughafen genutzt.
Ende Februar hatte das Verwaltungsgericht Schleswig per Eilverfahren entschieden, dass die Bohrinsel derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis habe. Gegen die Förderung klagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Betreiber Harbour Energy Germany legte Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht ein und beantragte auch eine juristische Übergangslösung (Hängebeschluss). Goldschmidt erklärte, das Land bereite ebenfalls eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts vor.
Von der Bohrinsel Mittelplate aus wird seit 1987 Öl in der Nordsee gefördert. Nach Betreiberangaben waren es im vergangenen Jahr 858.000 Tonnen. Schleswig-Holstein erhielt dafür 45 Millionen Euro an Förderabgaben, seit Produktionsbeginn insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Aus der Lagerstätte wurden bereits rund 43 Millionen Tonnen Öl gepumpt. Zwölf Millionen Tonnen Öl gelten noch als gewinnbar.
Der Leiter der Rechtsabteilung des Betreibers in Deutschland, Frank Wolfram, bezifferte den unmittelbaren Schaden einer Stilllegung der Plattform für Schleswig-Holstein auf 750 Millionen Euro, «konservativ geschätzt». Mindestens 2.000 Arbeitnehmer hingen von der Plattform ab. «Wir haben 460 Zulieferunternehmen, die letztes Jahr ein Auftragsvolumen hatten von rund 100 Millionen in einem Jahr.» Der Betreiber selbst hat 175 Beschäftigte im Norden, davon etwa 100 auf der Plattform.
Wolfram signalisierte grundsätzliche Bereitschaft zu einer freiwilligen Verträglichkeitsprüfung (FFH). Es gebe in ganz Deutschland Unternehmen, deren Betriebe bereits vor der Ausweisung eines FFH-Gebietes bestanden hätten. Der Fall schlage deshalb über das Land Schleswig-Holstein Wellen. Die Deutschland-Chefin von Harbour Energy, Claudia Kromberg, betonte: «Wir fördern seit fast 40 Jahren sicher Erdöl».
Die Umwelthilfe geht seit Jahren gegen die Förderung vor. 2024 legte sie Widerspruch gegen die Ölförderung beim zuständigen niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ein, der jedoch als nicht fristgerecht zurückgewiesen wurde. Als Grund führte die DUH an, dass die Auswirkungen der Ölförderung auf das Wattenmeer gemäß FFH-Richtlinie anhand der Betriebspläne nie geprüft wurden - auch im Betriebsplan für 2024 bis 2026 nicht. Dieser läuft im Mai aus. Daraufhin klagte der Verband gegen die Ablehnung des Widerspruchs.
Ein LBEG-Sprecher bezeichnete die Entscheidung des Verwaltungsgerichts als schwierig, weil diese mit der gängigen Verwaltungspraxis breche. «Nach unserer Rechtsauffassung wird durch den Hauptbetriebsplan nicht die grundsätzliche Durchführbarkeit eines bergbaulichen Vorhabens jedes Mal neu genehmigt, sondern eben nur die technische Durchführung, also die Arbeiten, die in den zwei Jahren durchgeführt werden.»
Im Mai hatte das Energieministerium erklärt, für die Erschließung neuer Ölfelder keine Genehmigungen mehr zu erteilen. Die Ölförderung im schleswig-holsteinischen Wattenmeer endet damit 2041. Derzeit läuft der Betrieb trotz der Gerichtsentscheidung vorerst weiter.
Amberg (dpa/lby) *15:27 Uhr – Siemens investiert 200 Millionen Euro in Standort Amberg
Für rund 200 Millionen Euro will die Firma Siemens an ihrem Standort in Amberg eine Fabrik für den Geschäftsbereich Smart Infrastructure errichten. Damit solle unter anderem der steigende Bedarf an elektronischen High-Tech-Produkten gedeckt und der digitale Wandel vorangetrieben werden, teilte der Konzern mit. Der Neubau soll 2030 fertiggestellt sein. Weitere Investitionen seien in die Modernisierung und Dekarbonisierung des Standortes geplant, also die Umstellung auf eine weniger klimaschädliche Energieversorgung.
Siemens will in der neuen Fabrik den Angaben nach eine selbstlernende, autonome und flexible Produktion aufbauen, die von Künstlicher Intelligenz mitgesteuert wird. Die KI werde mit Echtzeitdaten gespeist, um Auftragsplanung und -realisierung sowie Materialtransport und Anlagensteuerung aufeinander abzustimmen und laufend zu optimieren. So werde der Betrieb nicht nur effizienter und nachhaltiger gestaltet, sondern auch flexibler gemacht - etwa, um auf neue Entwicklungen im Markt schneller reagieren zu können. Die neue Fabrik soll zudem über einen Reinraum für die Elektronikproduktion verfügen sowie über eine vollautomatisierte Logistik mit fahrerlosen Transportsystemen und humanoider Robotik.
Die rund 2.400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Siemens Smart Infrastructure sollen beim digitalen Wandel mitgenommen werden, wie es hieß. Dafür würden sie umfassend weitergebildet und auf die veränderten Aufgaben in einer digitalisierten Fabrik vorbereitet.
Das wichtige Förderland Katar zieht Konsequenzen aus dem Iran-Krieg - mit Folgen für die weltweiten Energiemärkte. Das katarische Öl- und Gasunternehmen Qatar Energy rief für seine ausgesetzten Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) und damit verbundenen Produkten den Zustand der «höheren Gewalt» (Force Majeure) aus. Die Erklärung entbindet einen Vertragspartner rechtlich von seinen Lieferpflichten.
Katar ist einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas und deckt ungefähr ein Fünftel des weltweiten Bedarfs. Seit Beginn der Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus dem arabischen Land aber infolge des Iran-Kriegs gestoppt.
Am Montag wurde eine wichtige Anlage nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern suchen Kunden aus Asien derzeit fieberhaft nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.
Unter «Force Majeure» wird ein von Außen kommendes, unvorhersehbares Ereignis verstanden, welches außerhalb der Kontrolle der Vertragsparteien liegt. Darunter können Krieg, Naturkatastrophen oder Pandemien fallen, die dazu führen, dass eine Leistung nur unzureichend oder gar nicht erfüllt werden kann.
Mannheim (dpa/lsw) *13:00 Uhr – Wachstum bei Roche: Mehr Beschäftigte und höhere Umsätze
Der schweizerische Pharmakonzern Roche hat 2025 in Deutschland gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz stieg um 4,7 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro an, wie das Unternehmen mitteilte. Zum Ergebnis gab es keine Angaben. Roche ist in Deutschland unter anderem in Mannheim, in Grenzach-Wyhlen unweit der schweizerischen Grenze und im bayerischen Penzberg vertreten.
Die Pharma-Sparte des Konzerns legte beim Umsatz um 6,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Das Geschäft der Diagnostik-Sparte ging leicht um 1 Prozent auf 909 Millionen Euro zurück. Hintergrund ist das abnehmende Geschäft mit Blutzuckerteststreifen, weil der Trend schon seit längerem hin zur kontinuierlichen Glukosemessung geht. Der Rückgang in dem Bereich wurde erwartet.
Roche hat eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr in Deutschland über 700 Millionen Euro investiert. Die Zahl der Beschäftigten legte um 338 Männer und Frauen auf 18.549 Mitarbeitende zu.
Mannheim (dpa/lsw) *11:22 Uhr – Bilfinger verdient im Tagesgeschäft deutlich mehr
Der Industriedienstleister Bilfinger hat im abgelaufenen Geschäftsjahr von einer anhaltend guten Nachfrage und den jüngsten Zukäufen profitiert. Umsatz und operatives Ergebnis legten 2025 deutlich zu. Das teilte der im MDax notierte Konzern aus Mannheim mit.
Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz im Vorjahresvergleich um acht Prozent auf gut 5,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte mit 299 Millionen Euro um 13 Prozent zu. Dazu trug auch ein Sparkurs bei. Unter dem Strich sank der Gewinn wegen höherer Steuern um zwei Prozent auf 176 Millionen.
«Wir haben alle unsere Finanzziele 2025 erreicht und bleiben auch in einem anhaltend volatilen Marktumfeld auf Kurs», sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Schulz. Auch für das laufende Jahr rechnet Bilfinger demnach mit Zuwächsen. Aufgrund des volatilen Marktumfelds werde es aber ein Übergangsjahr. 2026 soll der Umsatz den Angaben nach auf bis zu 5,9 Milliarden Euro klettern. Im schlechtesten Fall könnten die Erlöse auf dem Vorjahresniveau verharren. Davon sollen mit 5,8 bis 6,2 Prozent als operatives Ergebnis hängen bleiben.
Mit positiven Impulsen rechnet das Unternehmen in Europa vor allem aus der Dekarbonisierung, der Digitalisierung und KI-getriebenen Investitionen sowie dem anhaltenden Trend zum Outsourcing. Herausfordernd blieben weiterhin Chemie und Petrochemie, hieß es. In den USA profitiert Bilfinger nach eigenen Angaben von steuerlichen Anreizen und Investitionen in KI- und Chipfabriken.
Leverkusen (dpa) *08:43 Uhr – Glyphosat-Klagen brocken Bayer Milliardenverlust ein
Die Kosten von Glyphosat-Klagen in den USA haben den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer noch tiefer in die Verlustzone gerissen. Wie das Unternehmen in Leverkusen mitteilte, lag der Verlust 2025 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit rund 1,1 Milliarden Euro höher als 2024.
Im Februar hatte Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern geschlossen und daraufhin die Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht. Dieser finanzielle Ballast zieht die Firma nun tiefer in die roten Zahlen. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die Kursverluste des Dollars, wäre es ein Plus von 1,1 Prozent gewesen.
Dieses Jahr rechnet der Konzern mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Währungseffekte – also auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 – sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro sowie das operative Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro und damit etwa so viel wie 2025. Bayer hatte zum Jahreswechsel rund 88.000 Beschäftigte und damit rund 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Neben Unkrautvernichtern und Saatgut verkauft die Firma auch Medikamente.