Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Chemie-Gewerkschaft: Regierung muss mehr für Erhalt von Industriejobs tun

Von Wolfgang Ernhofer 23 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

25.08.2026

Berlin (dpa) *10:00 Uhr – Gewerkschaft: Regierung muss mehr für Erhalt von Industriejobs tun

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis, fordert die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen für den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in Deutschland auf. Es gebe keine wirklichen strategischen Lösungsansätze, sagte Vassiliadis am Montagabend vor Journalisten in Berlin – kurz vor der Kabinettsklausur in Neuhardenberg. Die Regierung setze zu stark auf die Frage sozialpolitischer Reformen.

In der jüngsten IGBCE-Mitgliederumfrage hätten 90 Prozent der Befragten angegeben, der Politik fehle es an Verständnis für die Themen der Industriebeschäftigten. Die Industrie verliere Monat für Monat rund 15.000 Arbeitsplätze, sagte Vassiliadis. Die Regierung aber bleibe «unter ihren Möglichkeiten». Es brauche einen Neustart strategischer Ansatzpunkte für eine Industriepolitik. Unter Industriebeschäftigten gebe es einen Vertrauensverlust vor allem in die SPD.

In Sachsen-Anhalt stehe wegen ungelöster Versorgungsfragen möglicherweise ein ganzer Chemiepark vor dem Aus – aber die Politik diskutiere über Krankschreibungsregelungen, sagte Vassiliadis. Er forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, noch in dieser Woche ein Bekenntnis abzugeben, den Chemiepark erhalten zu wollen.

Der US-Konzern Dow Chemical hatte bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll. Der sogenannte Steamcracker in Böhlen ist eine zentrale Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlage steht am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen in der Region in Gefahr bringen könnte.

24.08.2026

Merseburg (dpa) *17:47 Uhr – Chemieforschungszentrum eröffnet erste Büros in Merseburg

Das Chemie-Großforschungszentrum CTC hat seine ersten Büros auf dem Campus der Hochschule Merseburg eröffnet. Mit bis zu zehn Arbeitsplätzen ist das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) damit erstmals dauerhaft an seinem künftigen Standort in Sachsen-Anhalt vertreten. «Von Merseburg werden künftig starke Impulse für den Umbau der fossil geprägten Chemieindustrie zur nachhaltigen, ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft ausgehen», sagte Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) bei der Eröffnung.

Die neuen Büros sollen vor allem den Austausch mit der Hochschule Merseburg erleichtern. Beide Seiten haben dafür eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Künftig wollen sie unter anderem gemeinsam Forschungsprojekte auf den Weg bringen, Drittmittel einwerben und den Austausch von Forschenden und Lehrenden ermöglichen. Die Zusammenarbeit soll zudem helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Wirtschaft zu bringen und Fachkräfte auszubilden.

Die Büros sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum dauerhaften CTC-Standort in Merseburg. Bis voraussichtlich 2031 soll auf dem Hochschulcampus ein eigenes Forschungsgebäude entstehen. Langfristig sollen dort rund 300 Menschen arbeiten. Ein Schwerpunkt soll ein hochautomatisiertes Pharma-Labor sein. Der Hauptsitz des CTC entsteht im nordsächsischen Delitzsch, wo unter anderem an der Vision eines vollständig recycelbaren Autos geforscht werden soll.

Bund, Sachsen und Sachsen-Anhalt fördern den Aufbau des Großforschungszentrums bis 2038 mit bis zu 1,1 Milliarden Euro. Bis zu 330 Millionen Euro davon fließen nach Sachsen-Anhalt. An den Standorten Merseburg und Delitzsch sollen bis 2038 insgesamt bis zu

1.000 Forschende arbeiten.

Viele Unternehmen der Chemiebranche stünden derzeit unter Druck, sagte Willingmann. Kurzfristig belasteten hohe Energiekosten die Unternehmen, langfristig müssten sie ihren Ausstoß von Treibhausgasen deutlich senken. «Es gilt jetzt, in Innovation zu investieren», sagte der Minister. Das CTC solle dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Chemieindustrie auf dem Weg zur Klimaneutralität zu sichern.

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Stavanger/Düsseldorf (dpa) *08:16 Uhr – Erdgas aus Norwegen: Uniper und Equinor schließen Vertrag

Der Energiekonzern Uniper hat mit dem norwegischen Öl- und Gasförderer Equinor einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag abgeschlossen. Demnach liefert Equinor von 2027 an jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland, wie Uniper in Düsseldorf mitteilte. Über das finanzielle Volumen machte Uniper keine Angaben.

Das Gas soll über bestehende Pipelines nach Deutschland kommen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Er wurde laut Uniper am Montag im norwegischen Stavanger unterzeichnet. «Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor», erklärte Unternehmenschef Michael Lewis der Mitteilung zufolge.

30 Terawattstunden sind eine große Menge: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Erdgas mit einem Energiegehalt von insgesamt 864 Terawattstunden verbraucht. Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas. Das Unternehmen beliefert unter anderem Stadtwerke, große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber. Equinor gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat. Uniper ist derzeit fast vollständig in deutschem Staatsbesitz. Bis Ende 2028 muss Deutschland seine Anteile aber wieder auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie verringert haben.

Norwegen ist derzeit der größte Erdgaslieferant Deutschlands. Im vergangenen Jahr kamen rund 44 Prozent des nach Deutschland gelieferten Erdgases über Pipelines aus dem skandinavischen Land. Norwegisches Erdgas erreicht Deutschland auch als Flüssigerdgas (LNG) per Schiff über die deutschen LNG-Terminals. Im laufenden Jahr belief sich bis Ende Juli der Anteil Norwegens an allen LNG-Lieferungen direkt nach Deutschland laut Energiewirtschaftsverband BDEW auf 4,1 Prozent. Größter LNG-Lieferant sind 2026 weiterhin die USA mit einem Anteil von 87,6 Prozent. (Gesamtjahr 2025: 94,3 Prozent).

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