Leverkusen (dpa/lnw) *21:56 Uhr – Großbrand auf Leverkusener Werksgelände
Der Großbrand auf dem Gelände eines Chemieunternehmens in Leverkusen ist gelöscht. Bei den Messungen seien keine gesundheitsschädlichen Stoffe festgestellt worden und man könne Entwarnung geben, teilte eine Sprecherin der Stadt am Abend mit. Anwohner könnten Fenster und Türen wieder öffnen. Die Feuerwehr sei aber weiter vor Ort im Einsatz. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es keine Verletzten.
Auf dem Werksgelände war bei Schweißarbeiten ein Feuer ausgebrochen. Es kam zu einer weithin sichtbaren Rauchsäule. Infolge des Brandes wurden Schadstoffe freigesetzt. Gesundheitsbeeinträchtigungen wurden zunächst nicht ausgeschlossen. Die Messungen von Luft und Partikeln seien jedoch unauffällig gewesen, sagte die Sprecherin am Abend.
Bei Eintreffen der gegen kurz vor 15.00 Uhr alarmierten Einsatzkräfte habe eine Lagerhalle in Brand gestanden. Die Bevölkerung wurde mit Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen, Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten und das nächste Gebäude aufzusuchen.
In Leverkusen wurde der Willy-Brandt Ring teilweise gesperrt und die Abfahrt Leverkusen-Zentrum der Autobahn 3 in Richtung Leverkusen-Manfort. Auch im Bus- und Bahnverkehr gab es Einschränkungen bei der Linie 207.
Die Bevölkerung war aufgrund der enormen Rauchausbreitung über die Warn-App Nina informiert worden. 400 Einsatzkräfte waren nach Angaben der Stadt noch am Abend vor Ort. Die Feuerwehr Leverkusen war mit Kräften der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz, hieß es. Die Werksfeuerwehr des Chemieparks Leverkusen unterstützte die Löscharbeiten.
Nach Angaben des Betreibers des betroffenen Geländes brannte eine Anlage für die Synthese von Feinchemikalien. Es seien keine eigenen oder Mitarbeiter von Partnerfirmen verletzt.
Noch am späten Abend war der Bahnverkehr zwischen Köln-Mülheim und Leverkusen-Manfort beeinträchtigt. Es seien keine Zugfahrten im betroffenen Streckenabschnitt möglich. Betroffen seien die Linien RE7 und RB48, hatte die Deutsche Bahn mitgeteilt. Es sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Es könne jedoch zu Verspätungen, Umleitungen und Teilausfällen kommen.
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht Fortschritte bei den Regelungen zur Nutzung von Gesundheitsdaten etwa für klinische Studien in Deutschland, bemängelt aber eine schleppende Umsetzung eines neuen Gesetzes. Das im März dieses Jahres in Kraft getretene Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten sei wichtig und richtig, sagte Deutschlandchef Fridtjof Traulsen in Biberach, dem wichtigsten Forschungsstandort des Unternehmens. Noch gebe es aber keinen Zugang zu den Daten. Erste Anträge für eine Nutzung seien voraussichtlich erst ab Frühjahr 2025 möglich.
Das Gesetz allein werde Deutschland als Standort nicht zurück in eine absolute Spitzenposition bringen, sagte Traulsen. Damit würden Möglichkeiten geschaffen, die es in Ländern wie Großbritannien oder Dänemark sowie dem Baltikum schon seit Jahren gebe.
Verbesserungsbedarf sieht er beim Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (Amnog) in Deutschland. Das reguliert grob gesagt die Preise für neue, patentgeschützte Medikamente. Das geltende Gesetz sei 15 Jahre alt und bilde nicht mehr den Stand der Wissenschaft ab, sagte der Boehringer-Deutschlandchef. Ein Fokus werde auf große Kohortenvergleiche gelegt, bei der Bewertung des Nutzens eines Präparats spielen also große Personengruppen eine zentrale Rolle. Das passe nicht mehr unbedingt in die heutige Zeit mit teils sehr individualisierten Therapieansätzen, sagte Traulsen. Es brauche eine Reform.
Traulsen ging auch auf die derzeit viel diskutierten Engpässe bei manchen Medikamenten ein. Dieses Problem betreffe jedoch kaum neue, patentgeschützte Präparate, sondern vielmehr patentfreie Medikamente. Die Preise für generische Arzneimittel seien stark gesunken, sagte Traulsen. Angesichts dessen gebe es in Europa kaum noch Generika-Hersteller, weil sich Rabattverträge kaum noch erfüllen ließen. Es müsse verhindert werden, dass solche Probleme auch bei innovativen Arzneimitteln geschaffen würden.
Stand: 08.12.2025
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