Frankfurt/Main (dpa) *14:42 Uhr – Chemiebranche dringt vor Industriegipfel auf Entlastungen
Die deutsche Chemie- und Pharmabranche fordert vor dem Industriegipfel im Bundeskanzleramt Entlastungen für die Wirtschaft. Die Bundesregierung müsse ein starkes Maßnahmenpaket für mehr Wettbewerbsfähigkeit schnüren, sagte Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), mit Blick auf das geplante Treffen von Kanzler Olaf Scholz mit Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaften am Dienstag.
Ein großer Hebel liege bei den viel zu hohen Stromkosten, die viele Unternehmen belasteten. «Wir werden beim Industriegipfel im Kanzleramt einfordern, dass die Bundesregierung für eine deutliche Entlastung bei den Netzentgelten sorgt, indem sie den Netzkostenzuschuss - so wie ursprünglich geplant - wieder aus dem Bundeshaushalt übernimmt», sagte Große Entrup. Diese Maßnahme sei unbürokratisch, schnell umsetzbar und helfe nicht nur der Industrie, sondern allen Unternehmen und auch Privathaushalten.
Die Chemiebranche steckt wegen gestiegener Energiepreise und der schwachen Konjunktur in der Krise. Von Januar bis August lag der Inlandsumsatz der Chemie dem VCI zufolge 5,7 Prozent unter dem Niveau im Vorjahreszeitraum. Die Pharmabranche verbuchte hingegen leichte Zuwächse im Heimatmarkt. Zuletzt hatten mehrere ausländische Konzerne Milliardeninvestitionen in Deutschland angekündigt.
München (dpa) *14:25 Uhr – Wacker Chemie spürt Nachfrageschwäche
Umsatz und Betriebsergebnis der Wacker Chemie sind im abgelaufenen Quartal gesunken. Die Schwäche der Autoindustrie und der Bauwirtschaft wirke sich aus, «ein Großteil unserer Kunden bestellt weiterhin nur zurückhaltend», sagte Vorstandschef Christian Hartel. Das Anti-Dumping Verfahren der USA gegen Solarprodukt-Importe aus einigen asiatischen Ländern belaste das Polysilicon-Geschäft. «Das Geschäft mit hochreinem Polysilicium für Halbleiteranwendungen hat sich dagegen positiv entwickelt.»
Der Umsatz sank im dritten Quartal um sechs Prozent auf 1,43 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 24 Prozent ein auf 37 Millionen Euro, der Überschuss blieb mit 34 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Wacker bestätigte seine Jahresprognose: Das Geschäft dürfte sich leicht rückläufig entwickeln, der Gewinn «deutlich unter Vorjahr» liegen. Das Unternehmen mit Zentrale in München beschäftigt in Deutschland 10.600 Mitarbeiter, im Ausland 6.000.
Great Yarmouth (dpa) *10:30 Uhr – Schiff mit hochexplosivem Ammoniumnitrat dockt in England an
Nach wochenlanger Irrfahrt durch die Nordsee hat ein Frachter mit rund 20.000 Tonnen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat an Bord einen Hafen gefunden. Die «MV Ruby», die vermutlich in einem Sturm beschädigt wurde, legte im ostenglischen Great Yarmouth an, wie aus Daten des Schiffs-Trackingsdienstes «Vesselfinder» hervorgeht. Der Hafen komme seinen Verpflichtungen nach und unterstütze das Schiff beim Umladen seiner Ladung, sagte Hafenchef Richard Goffin.
Zuvor hatten mehrere Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee die Einfahrt verweigert. Auch Malta, unter dessen Flagge die «Ruby» fährt, lehnte ab. Zuletzt lag das Schiff in der Nähe des englischen Orts Margate vor Anker.
Der Weg des Frachters wird wegen seiner Ladung von Behörden mehrerer Staaten verfolgt. Ammoniumnitrat gilt als Auslöser der Katastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August 2020, wo über Jahre große Mengen der Chemikalie unsachgemäß im Hafen gelagert worden waren. Mehr als 200 Menschen kamen damals bei einer Explosion ums Leben. Ammoniumnitrat dient vor allem als Hauptbestandteil von Düngemittel, kann aber auch als Sprengstoff verwendet werden.
Die «Ruby» war ursprünglich auf der nordrussischen Halbinsel Kola in See gestochen. Unter unklaren Umständen zog sie sich kurz nach dem Verlassen des russischen Hafens Schäden am Rumpf zu, fuhr jedoch weiter. Nach einigen Wochen in Tromsö forderte der norwegische Hafen den Frachter zur Abfahrt auf. Seitdem war die «Ruby» auf offener See unterwegs.
Stand: 08.12.2025
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