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Vom Schmuddelkind zum Musterschüler – Mitteldeutsches Chemiedreieck rüstet sich für die Zukunft

| Autor / Redakteur: Dr. Christine Eckert / Wolfgang Ernhofer

Im Besucherzentrum von Infra Leuna kann sich jeder Besucher darüber informieren, welches Unternnemen, welche Produkte herstellt.
Im Besucherzentrum von Infra Leuna kann sich jeder Besucher darüber informieren, welches Unternnemen, welche Produkte herstellt. (Bild: Wolfgang Kubak/ Cechemnet)

Nach Milliardeninvestitionen der Betreibergesellschaften in Infrastruktur, und vor allem Umweltschutz, stellen sich die drei mitteldeutschen Chemiestandorte Bitterfeld-Wolfen, Leuna und Zeitz mit stolz geschwellter Brust dem globalen Wettbewerb. Was sie, nicht zuletzt durch den Zusammenschluss im Ce-Chem-Network (Central European Chemical Network), geschafft haben, kann sich wahrlich sehen lassen.

Im berühmt berüchtigten „wilden“ Osten hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan. Kurz vor der Wende stand insbesondere die Region Bitterfeld für ihre beispiellose Umweltverschmutzung unter Beschuss. Abfälle wurden unkontrolliert in Restlöcher des Tagebaus entsorgt, Abwässer ungeklärt in die Mulde, einen unschiffbaren Nebenfluss der Elbe, geleitet.

Nach 1989 und vielen Industriestilllegungen atmen Mensch und Natur sprichwörtlich wieder auf. Mit milliardenschweren Rekultivierungsmaßnahmen hat sich die geschundene Bergbaufolgelandschaft Stück für Stück wieder in eine blühende Wald- und Seenlandschaft verwandelt. Die Wunden sind verheilt. Die ehemaligen „schwarzen Schafe“ der Branche im mitteldeutschen Chemiedreieck haben sich zu Vorzeigeprojekten in puncto Umweltschutz gemausert.

Ein technisches Gesamtkunstwerk

Im Jahr 2014 feierte das Gemeinschaftsklärwerk (GKW) Bitterfeld-Wolfen bereits seinen 20. Geburtstag. Seit zwei Jahrzehnten ist es ununterbrochen in Betrieb und leistet einen enormen Beitrag zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts in der Region und natürlich der Mulde und ihren Anrainergewässern bis hoch in die Nordsee. Das GKW ist der Eckpfeiler schlechthin des ökologischen Großprojektes zur Grundwassersanierung der Region Bitterfeld-Wolfen. Mit der Reinigung von über zwei Millionen Kubikmetern an kontaminiertem Grundwasser pro Jahr leistet es einen bedeutenden Beitrag.

Noch heute zählt das Gemeinschaftsklärwerk Bitterfeld-Wolfen mit der gemeinsamen Behandlung von Kommunalabwasser, Industrieabwasser und belastetem Grundwasser zu den innovativsten Anlagen in Sachsen-Anhalt. Im Frühjahr 2011 wurden zusätzlich drei Anaerobreaktoren in Betrieb genommen, die extrem salzhaltige Industriewasser effizient vorreinigen und energiereiches Biogas erzeugen. Das Ergebnis: Die Energieeffizienz stieg um 30 %. Eine eigene Klärschlammverbrennungsanlage stellt rund um die Uhr eine umweltgerechte Entsorgung des anfallenden Klärschlammes sicher.

Die Reinigungskapazität beträgt 586.000 EW (Einwohnerwerte). Diese Kapazität wäre ausreichend für eine Großstadt wie Dortmund. Maximal können 7000 m3 pro Tag behandelt werden. Das entspricht etwa einer Million Badewannenfüllungen. Pro Jahr fließen ungefähr neun Millionen Kubikmeter gereinigtes Abwasser in den Nebenfluss der Elbe. Die Auslastung liegt derzeit bei ungefähr 90 %, was sich nicht nur positiv auf die Betriebskosten auswirkt, sondern auch den unzähligen Kleinstlebewesen, ohne die eine biologische Abwasserreinigung nicht denkbar wäre, beste Lebens- und Arbeitsbedingungen bietet.

Ergänzendes zum Thema
 
Über die mitteldeutschen Chemieparks

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