Newsticker Juli: Aktuelles aus der Prozessindustrie Chemie-Gewerkschaft warnt vor weiterer Abwanderung von Industriebetrieben

Von Dominik Stephan 74 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

31.07.2025

Berlin (dpa) *05:16 Uhr – Gewerkschaft warnt vor Abwanderung von Industriebetrieben

Die Industriegewerkschaft IGBCE warnt vor einer zunehmenden Abwanderung und Schließung von Industriebetrieben in Deutschland. Um das zu verhindern, spricht sich der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Vassiliadis für eine grundlegende Neuausrichtung der Industrie- und Klimapolitik aus. «Wir müssen das Dreieck aus Wirtschaftlichkeit, sozialer Verantwortung und Klimaschutz wieder in Balance bringen. Dazu braucht es eine Allianz von Bund, Ländern und Sozialpartnern», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Gewerkschaftschef sprach von hausgemachten Standortproblemen. «Eins davon ist eine verfehlte Klimapolitik», sagte Vassiliadis. Das größte Problem sei die CO2-Bepreisung. «Die Politik hat ein marktbasiertes System aufgebaut, das nun marktradikale Ergebnisse hervorbringt – und zwar zuhauf: Abschaltung, Abwanderung, Arbeitsplatzabbau.» Werde nicht schleunigst das Steuer herumgerissen, werde man große Teile der Schwerindustrie verlieren und sich noch abhängiger von Ländern machen, die sich weder um Klimaschutz noch um soziale Gerechtigkeit scherten.

Vassiliadis kritisierte, dass die Politik unbeirrt am System der sogenannten linearen Verknappung von CO2-Zertifikaten und der damit verbundenen stetigen CO2-Preiserhöhungen festhalte. Und das, obwohl die für eine erfolgreiche Transformation der Produktion notwendigen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend vorhanden seien.

«Das Konzept, wie es angedacht war, fliegt so nicht – oder man nimmt in Kauf, sehr, sehr viele Industrien zu verlieren», sagte Vassiliadis. «Das ist zumindest für die nächsten Jahre die offensichtliche Entwicklung. Das gilt explizit nicht nur für die stromintensiven Branchen, das sind vor allem die CO2-intensiven.»

Der gewünschte Effekt, dass Unternehmen Millionen oder Milliarden in die klimagerechte Transformation ihrer Standorte investierten, sei bislang viel zu selten eingetreten. Meist sei das nur dann geschehen, wenn er «herbeisubventioniert» worden sei. «Viele Unternehmen sind irritiert, schließen ihre Werkstore oder Anlagen und produzieren dann woanders», sagte Vassiliadis. «Das war von der Politik sicher nicht beabsichtigt. Aber es darf auch nicht in Kauf genommen werden.»

Mit Blick auf den von der Bundesregierung geplanten Industriestrompreis für energieintensive Branchen sagte Vassiliadis, dieser müsse kommen. «Aber für viele Chemie- und energieintensive Betriebe ist der CO2-Preis mindestens genauso wichtig. Das bringt die um», sagte er. Das System müsse flexibler werden. «Warum muss die Verknappung der Zertifikate eigentlich linear verlaufen? Warum nicht stufenweise?», sagte der IGBCE-Chef.

Zuletzt häuften sich Meldungen über Fabrikschließungen. So kündigte der Chemiekonzern Ineos an, ein Werk seiner Phenol-Sparte in Gladbeck (NRW) dichtzumachen. Hohe Energiekosten in Europa und die europäische CO2-Steuerpolitik hätten dazu geführt, dass Europa im Hinblick auf importierte chinesische Erzeugnisse und das weltweite Überangebot nicht mehr wettbewerbsfähig sei, hieß es von Ineos.

Der US-Chemiekonzern Dow will einen Teil seiner Anlagen im sächsischen Böhlen und in Schkopau in Sachsen-Anhalt Ende 2027 schließen. Als Grund nannte der Konzern strukturelle Herausforderungen auf dem europäischen Markt, darunter hohe Energie- und Betriebskosten sowie eine mangelnde Nachfrage in Schlüsselindustrien.

«Ich benutze den Begriff Deindustrialisierung nicht, weil ich den einen Tick zu groß finde», sagte Vassiliadis. «Wir werden nicht alles verlieren. Was wir verlieren im Moment, und zwar jeden Tag, sind energieintensive und CO2-intensive Bereiche.» Das seien neben Mittelständlern auch große ausländische Konzerne, die in Europa konsolidierten. Es drohten ganze Wertschöpfungsketten und Industrie-Cluster wegzufallen. Vassiliadis forderte Tempo bei Gesetzen, um eine CO2-Speicherung zu ermöglichen. Das sei für viele Branchen wie die Zementindustrie, die CO2 sonst nicht vermeiden könnten, eine zentrale Frage.

Washington (dpa) *20:52 Uhr – Trump will Pharmakonzerne zu günstigeren Preisen zwingen

Bei seinen Bemühungen um deutlich niedrigere Medikamentenpreise nimmt US-Präsident Donald Trump große Pharmakonzerne in die Pflicht. Binnen 60 Tagen sollten Hersteller wie Eli Lilly, Novartis und Pfizer sicherstellen, dass Geringverdiener stärker von einer Bestpreisgarantie für Medikamente profitieren und neue Arzneien automatisch zum niedrigsten Preis angeboten werden. Zudem sollen im Ausland erzielte Mehreinnahmen an amerikanische Patienten und Steuerzahler zurückfließen, wie Trumps Sprecherin Karoline Leavitt vor Journalisten erklärte. In Briefen an 17 große Pharmakonzerne setzte er eine Frist bis zum 29. September.

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Trump sind günstigere Medikamentenpreise ein wichtiges Thema: Bereits Mitte Mai unterzeichnete er ein entsprechendes Dekret. In den USA gibt es bislang keine zentrale staatliche Regulierung dafür. Die Pharmaindustrie entscheidet weitgehend darüber, wie viel Arzneien kosten, während der Staat nur begrenzt Einfluss darauf hat. In Deutschland gibt es hingegen Regulierungen.

Schon während seiner ersten Amtszeit hatte Trump erfolglos versucht, die Erstattungspreise für Medikamente an den niedrigsten Preis wohlhabender Vergleichsländer zu koppeln – damit sollte die Preise in den USA gesenkt werden. Der Vorschlag wurde nie umgesetzt, es gab rechtlichen und politischen Widerstand.

Unklar war nach der Ankündigung Leavitts am Donnerstag, wie genau die Bestpreisgarantie für neue Arzneien funktionieren soll. So merkte eine CNBC-Journalistin an, dass die «Most Favored Nation»-Preisgestaltung – so heißt die Bestpreisgarantie – sich an Preisen im Ausland orientiert. Das Problem: Neue Medikamente werden üblicherweise als Erstes auf dem US-Markt eingeführt, sodass es keine Vergleichsmöglichkeit für geringere Preise gibt.

30.07.2025

Toulouse (dpa) *09:44 Uhr – Evotec einigt sich auf Verkauf von Standort in Frankreich

Der im Umbau steckende Hamburger Biotechkonzern Evotec will seinen Standort in Toulouse an das Schweizer Pharmaunternehmen Sandoz verkaufen. Eine nicht bindende Vereinbarung sei getroffen worden, teilte Evotec mit. Sandoz wird demnach auch eine Lizenz erhalten, die die Herstellung bestimmter Nachahmermedikamente erlaubt.

Das im MDax notierte Unternehmen Evotec erhalte von Sandoz rund 300 Millionen Dollar (rund 260 Millionen Euro) in bar und weitere Zahlungen. Evotec verspricht sich von dem Geschäft eine Verbesserung der Gewinnmargen. Der Wirkstoffforscher und -entwickler Evotec beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 4.800 Mitarbeiter an Standorten in Europa und den USA.

Ludwigshafen (dpa) *07:38 Uhr – US-Zölle sorgen für Unsicherheit bei BASF

Der Zollkonflikt seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump belastet den weltgrößten Chemiekonzern BASF. «Die Volatilität in den Zollankündigungen und die Unvorhersehbarkeit weiterer Entscheidungen der USA sowie möglicher Gegenreaktionen von Handelspartnern sorgen für hohe Unsicherheit», teilte der Dax-Konzern bei Vorlage der endgültigen Halbjahreszahlen mit.

Die direkten Auswirkungen auf die Ludwigshafener seien zwar begrenzt, da das Unternehmen lokal für die Märkte produzieren würde. Allerdings würden sich aufgrund erhöhten Wettbewerbsdrucks und steigender Inflation indirekte Auswirkungen vor allem auf die Nachfrage und Chemiepreise ergeben. BASF hatte bereits Mitte Juli vorläufige Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und das Jahresziel für den operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) gesenkt.

Im zweiten Quartal betrug das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wie bereits bekannt 1,77 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte BASF hier 1,96 Milliarden Euro ausgewiesen. Für das Gesamtjahr 2025 peilt BASF 7,3 Milliarden bis 7,7 Milliarden Euro an - nach knapp 7,9 Milliarden im Vorjahr.

Der Umsatz ging im Quartal wegen niedrigerer Preise vor allem bei Basischemikalien um zwei Prozent auf 15,8 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieb ein auf die Aktionäre anfallender Gewinn von knapp 80 Millionen Euro hängen, nach 430 Millionen Euro im Vorjahr.

Filderstadt (dpa/lsw) *07:14 Uhr – Gebäude und Tiefgarage wegen chemischer Reaktion geräumt

Wegen einer chemischen Reaktion in einer Lagerhalle einer Spedition in einem Gewerbegebiet in Filderstadt (Landkreis Esslingen) sind angrenzende Gebäude und eine Tiefgarage geräumt worden. Insgesamt waren rund 210 Menschen betroffen, wie die Feuerwehr mitteilte. Eine Gefahr für angrenzende Wohngebiete habe jedoch nicht bestanden. Verletzt wurde den Angaben nach niemand.

Ein 200-Liter-Fass mit einer brennbaren, ätzenden und laut Feuerwehrchemiker unter Umständen auch explosionsfähigen Flüssigkeit war am Dienstagnachmittag in der Lagerhalle ausgelaufen. Es kam nach Angaben der Feuerwehr zu chemischen Reaktionen, bei denen sich Dampf bildete. Zudem trat aus einem weiteren 60-Liter-Fass eine andere brennbare Flüssigkeit aus.

Die Aufräumarbeiten dauerten laut Feuerwehr mehr als 13 Stunden. In der Nacht konnten die geräumten Gebäude nach Prüfung und teilweise nach Belüftung wieder freigegeben werden. Wie es zu dem Gefahrgutaustritt kam, war laut einem Polizeisprecher zunächst unklar.

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