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Steigende Nachfrage

Russland investiert Milliarden in Ausbau der Polyolefin-Produktion

| Redakteur: Alexander Stark

Russland ist dabei, seine Produktion an Polyolefinen massich hochzufahren.
Russland ist dabei, seine Produktion an Polyolefinen massich hochzufahren. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Russland ist dabei, seinen Bedarf an thermoplastischen Kunststoffen zunehmend durch eigene Produktion zu decken, berichtet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (GTAI). Große Investitionsprojekte sollen demnach die Abhängigkeit von Importen verringern.

Moskau – Russlands Chemiebranche ist eine der investitionsfreudigsten Wirtschaftszweige. Der steigende Bedarf an Kunststoffen für Verpackungen, Rohrleitungen, Baumaterialien und Fahrzeugen führt zu zahlreichen Investitionsprojekten. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Polyethylen (PE) liegt mit 13,5 Kilogramm im Jahr erst bei einem Drittel des US-Niveaus (38 Kilogramm). Bei Polypropylen (PP) verbrauchen die Russen 8,6 Kilogramm pro Jahr, Bürger der Europäischen Union (EU) dagegen 25 Kilogramm.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens Creon Energy betragen die PE- und PP-Kapazitäten 3,3 Millionen Tonnen. Zehn Unternehmen produzieren diese Polyolefine; die größten Hersteller sind Kasanorgsintes und Sibur-Tobolsk. Bei Polypropylen hat sich die Jahresproduktion seit 2010 mehr als verdoppelt auf 1,38 Millionen Tonnen im Jahr 2018 - bei einer Inlandsnachfrage von 1,22 Millionen Tonnen. Bei Polyethylen ist die Jahresproduktion im genannten Zeitraum um knapp ein Fünftel auf 1,78 Millionen Tonnen gestiegen. Der Inlandsbedarf erreichte jedoch 1,92 Millionen Tonnen.

Besonders hoch ist das Defizit bei linearem Polyethylen niedriger Dichte (PE-LLD). Hier muss Russland noch die Hälfte seines Verbrauchs importieren. "Bei den Einfuhren fällt auf, dass der Anteil von Spezialmarken sinkt, während die Lieferungen billiger Basismarken aus benachbarten Ländern steigt", erklärt Lola Ogrel, Leiterin der Analyseabteilung bei der Creon Group.

Deutschland hat dennoch eine starke Lieferposition bei Polymeren. Fast ein Fünftel der russischen Importe von Polyethylen niedriger Dichte entfiel 2018 auf deutsche Hersteller. Größtes Lieferland war Belarus mit 58 %. Bei linearem Polyethylen niederer Dichte entfielen knapp 8 % auf Deutschland. Hier sind Saudi-Arabien und Südkorea die wichtigsten Herkunftsländer. Ähnlich präsent ist Deutschland bei Polyethylen hoher Dichte mit einem Importanteil von 9 %. Es ist damit der zweitgrößte Lieferant hinter Usbekistan (56 %).

Der steigende Bedarf an Polyethylen hing zuletzt vor allem mit der wachsenden Nachfrage nach Folien zusammen. Sie kommen überwiegend als Verpackungsmaterial und für Beschichtungen zum Einsatz. Großes Potenzial hat Polyethylen bei der Herstellung von Rohren für Gas- und Wasserleitungen sowie für die Abwasserentsorgung.

Breiter sind die Anwendungsgebiete für Polypropylen. Es kommt in Russland bei Konsumgütern, Rohren, Vlies- und Kompositmaterial sowie zur Herstellung von Folienfäden und Folien zum Einsatz. Laut Creon-Expertin Ogrel führt diese Vielfalt dazu, dass selbst in Krisenzeiten die PP-Nachfrage stabil ist. Sinkt der Bedarf in einem Segment, so wird der Rückgang durch andere Produktgruppen kompensiert. Wachstumspotenzial sieht die Marktanalystin besonders bei Verbundmaterialien.

Dank zahlreicher Investitionsprojekte sind Russlands PP-Kapazitäten seit 2010 um 120 % gestiegen, während der Inlandsbedarf um 64 % wuchs. Trotz der neuen Produktionsanlagen arbeiten die Betriebe am Limit.

Russlands Entwicklungsstrategie für die Chemieindustrie geht davon aus, dass sich der Kunststoffbedarf bis 2030 verdreifacht. Jeder Russe soll dann rund 90 Kilogramm Plastikprodukte im Jahr verbrauchen. Deshalb soll die Inlandsproduktion erheblich ausgebaut werden.

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Derzeit werden laut Creon fünf große PP-Vorhaben realisiert. Ihre Umsetzung würde die Kapazitäten im Land auf 3,84 Millionen Tonnen nahezu verdreifachen. Die PE-Projekte könnten den Ausstoß sogar verfünffachen - auf 10 Millionen Tonnen pro Jahr.

In Tobolsk entsteht eine der weltweit größten Polymeranlagen

Besonders das Projekt Sab Sib Neftechim in Tobolsk des führenden Chemiekonzerns Sibur wird die Kräfteverhältnisse am Markt verändern. Das Vorhaben kostet fast 9 Milliarden Euro und soll eine Jahresproduktion von 1,5 Millionen Tonnen PE und 500.000 Tonnen PP erreichen. Es wäre damit eine der größten Polymeranlagen der Welt.

Ein weiteres gigantisches Vorhaben plant Gazprom am Ostseehafen Ust-Luga. Dort soll ein Gasverflüssigungswerk entstehen, in dem auch riesige Mengen Polyethylen produziert werden können. Zu den ursprünglichen Projektpartnern gehörte Shell. Inzwischen setzt Gazprom hauptsächlich auf die einheimische RusGasDobytscha.

Ein Problem für die Modernisierung der Kunststoffindustrie ist das Fehlen einheimischer Anlagenbauer. "Denn die Rubelabwertung hat die Importe von entsprechenden Produktionsausrüstungen erheblich verteuert", sagt Creon-Expertin Lola Ogrel. Dennoch wird Russland bei der Umsetzung der anstehenden Großprojekte nicht an westlichen Anlagenlieferanten vorbeikommen. Auch für kleinere Zulieferer ergeben sich interessante Geschäftsmöglichkeiten.

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