Newsticker Juni: Aktuelles aus der ProzessindustrieDormagen: 25 Mitarbeiter bei Austritt von Chemikalie verletzt
Quelle: dpa
29 min Lesedauer
Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Im Chempark Dormagen ist am frühen Morgen eine giftige Chemikalie ausgetreten – bis zu 25 Mitarbeiter mussten mit Kontaminationsverdacht ins Krankenhaus. Keiner von ihnen sei in Lebensgefahr, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei am Abend. Wie viele Verletzte oder potenziell Verletzte es genau seien, könne er nicht sagen, weil die Betroffenen in mehrere Krankenhäuser gebracht worden seien. Die Zahl liege wohl zwischen 19 und 25. Der Chempark hatte von 25 Patienten gesprochen.
Der Polizeisprecher sagte, nach erster Begutachtung durch die Ärzte seien die Mitarbeiter symptomfrei, müssten aber aufgrund der Gefährlichkeit des Stoffes Phosgen 24 Stunden lang im Krankenhaus medizinisch überwacht werden. Diese Zeitspanne müsse man abwarten. «Nach meinem Erkenntnisstand haben sie keine Symptome, die auf eine Erkrankung oder Verletzung hinweisen. Man muss das halt ausschließen.» Teilweise seien die Patienten auch schon entlassen worden.
Zum Stand der Ermittlungen sagte der Polizeisprecher, es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die Mitarbeiter seien befragt worden. «Wir gehen – Stand jetzt – von einem technischen Defekt aus beziehungsweise einer Fehlbedienung.» Das müsse aber noch genau geklärt werden.
Nach Angaben des Chemparks ging es bei dem ausgetretenen Stoff um eine phosgenhaltige Flüssigkeit. Die für einen solchen Fall vorinstallierten Sicherheitsmaßnahmen zur Neutralisierung des toxischen Stoffes hätten sofort gegriffen, so der Chempark. Dazu sei eine Dampf-Ammoniak-Wand ausgelöst worden. Die Phosgen-Wolke sei dadurch schnell gestoppt worden.
Messfahrzeuge der Werksfeuerwehr und der Berufsfeuerwehren Köln und Dormagen hätten in den angrenzenden Wohngebieten kontrolliert und keine Auffälligkeiten festgestellt, so der Chempark. Allerdings hätten Anwohner möglicherweise das Ammoniak riechen können, das einen sehr starken und schlechten Geruch verbreite, aber unschädlich sei, sagte die Chempark-Sprecherin. «Das ist nicht schlimm», versicherte sie.
Dessau-Roßlau (dpa/sa) *13:58 Uhr – Merz Pharma investiert mehr als 100 Millionen Euro in Dessau
Merz Pharma hat seinen Standort in Dessau-Roßlau mit einer neuen Verpackungslinie erweitert. Die Anlage ist Teil eines umfassenden Ausbaus, bei dem in die Produktions-, Verpackungs- und Logistikkapazitäten investiert wird, wie das Unternehmen mitteilte. Bis 2028 sollen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro eingesetzt werden.
Man glaube an Deutschland als Industriestandort, erklärte der Vorstandschef (CEO) der Merz Group, Philip Burchard. «Wir sind davon überzeugt, dass wir hier langfristig international wettbewerbsfähig produzieren können. Mit dem Ausbau reagieren wir auf die weltweit gestiegene Nachfrage nach Neurotoxinen und bündeln unsere Wertschöpfung vor Ort.»
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) betonte, von den Investitionen profitierten nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Beschäftigten und die gesamte Wirtschaftsregion. Die Merz Group hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie verfügt nach eigenen Angaben über 5.500 Mitarbeiter weltweit, in Dessau sind es rund 450. Die Merz Group erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 2,2 Milliarden Euro.
Dormagen/Köln (dpa/lnw) *10:27 Uhr – 25 Mitarbeiter bei Austritt von Chemikalie verletzt
Beim Austritt einer giftigen Chemikalie sind im Chempark Dormagen 25 Mitarbeiter verletzt worden. Der Rettungsdienst habe sie versorgt, sie seien in ärztlicher Behandlung, teilte der Chempark mit. Ein Sprecher der Feuerwehr Köln sagte, die Personen seien in Krankenhäuser gebracht worden. Er wisse nicht, wie schwer die Verletzungen seien, sagte er.
Auch eine Sprecherin es Chemparks konnte das nicht sagen. Sie wisse auch nicht, ob die Mitarbeitenden den Stoff eingeatmet hätten. «Im unmittelbaren Bereich tragen die Mitarbeiter alle Phosgen-Warnplaketten, die eine Kontamination mit Phosgen anzeigen.
Und die haben angeschlagen.»
Nach Angaben des Chemparks ging es bei dem ausgetretenen Stoff um eine phosgenhaltige Flüssigkeit. Die für einen solchen Fall vorinstallierten Sicherheitsmaßnahmen zur Neutralisierung des Stoffes hätten sofort gegriffen, so der Chempark. Dazu sei eine Dampf-Ammoniak-Wand ausgelöst worden. Der Phosgen-Austritt sei dadurch schnell gestoppt worden. Zu der Ursache des Vorfalls sei noch nichts bekannt, sagte eine Sprecherin des Chemparks.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Messfahrzeuge der Werksfeuerwehr und der Berufsfeuerwehren Köln und Dormagen hätten in den angrenzenden Wohngebieten kontrolliert und keine Auffälligkeiten festgestellt, so der Chempark.
Phosgen werde unter anderem als Ausgangsstoff zur Herstellung von Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel und Pharmazeutika genutzt. Im Chempark sind rund 70 Unternehmen aus der Chemiebranche mit Produktionsanlagen angesiedelt.
18.06.2026
Leuna (dpa/sa) *20:39 Uhr – Polyamid GmbH meldet Insolvenz an
Gut zweieinhalb Monate nach dem eine Stilllegung des Chemiewerks Domo Caproleuna abgewendet wurde, hat die Auffanggesellschaft Polyamid GmbH in Leuna einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Grund seien weltpolitische Entwicklungen, die zu stark gestiegenen Rohstoffpreisen geführt hätten, teilte das Unternehmen mit. Demnach hatte Leuna Polyamid die Vermögenswerte der insolventen Domo Caproleuna übernommen und den Betrieb fortgeführt. Gesellschafter sind die Leuna-Harze GmbH und die Infraleuna GmbH.
«Weltpolitische Entwicklungen, insbesondere in der Golfregion, führten jedoch zu drastischen Steigerungen der Rohstoffpreise von mehr als 40 bis zu 100 Prozent», hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Die wichtigsten Rohstofflieferanten hätten Vorkasse für Lieferungen gefordert. Damit überstieg der Liquiditätsbedarf des Unternehmens die Planungen «sehr deutlich». Eine Fortführung des Betriebs außerhalb eines Insolvenzverfahrens sei nicht mehr möglich. Der Insolvenzantrag sei bereits am Mittwoch beim zuständigen Amtsgericht gestellt worden. Ziel sei, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Demnach wolle man nach einem Investor suchen.
Schopfheim (dpa/lsw) *14:45 Uhr – Firma-Mitarbeiter erleiden Reizungen in den Augen
Mehrere Mitarbeiter einer Firma in Schopfheim (Kreis Lörrach) haben wegen eines noch unbekannten Vorfalls Reizungen in den Augen erlitten. Neun von ihnen wurden durch den Rettungsdienst zur Abklärung in ein Krankenhaus gebracht, vier begaben sich selbstständig in Behandlung, wie die Polizei mitteilte. Insgesamt gelten 13 Mitarbeiter als leicht verletzt.
Das Gebäude wurde geräumt, nachdem der Rettungsdienst und die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an den Einsatzort ausgerückt waren. Die Feuerwehr führte verschiedene Messungen durch, eine Ursache konnte am Mittwoch aber bislang nicht ermittelt werden. In den nächsten Tagen sollen weitere Überprüfungen folgen. Bei der Firma handelt es sich um einen Hersteller für Verpackungen und Haftetiketten für die Pharmaindustrie.
Chemnitz (dpa/sn) *13:01 Uhr – Mehr als 30 Millionen Euro für Chemnitzer Energieprojekte
Zwei wichtige Energiewende-Projekte für Chemnitz werden mit mehr als 30 Millionen Euro von der EU gefördert. Konkret geht es um die Anbindung an das künftige Wasserstoffnetz sowie den Bau einer Solaranlage samt Batteriespeicher. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sprach von zwei zentralen Zukunftsvorhaben, die für die Stadt als Industriestandort sowie die gesamte Region von großer Bedeutung seien.
Zum einen geht es darum, die Stadt an das bundesweite Wasserstoffnetz anzuschließen. Dafür werden den Angaben nach bestehende Gasleitungen auf Wasserstoff umgestellt und neue Leitungen verlegt. Dazu werden 29,6 Millionen Euro investiert. Das Ganze soll 2029 fertig sein. Zum anderen werden bis 2028 für rund 25 Millionen Euro zwei großen Solaranlagen und ein Batteriespeicher gebaut. Der Speicher, bestehend aus Lithium-Ionen-Modulen in 20 Containern, soll eine Kapazität von 30 Megawattstunden haben.
Mit dem Just Transition Fund unterstützt die EU Regionen, die besonders von der Energiewende betroffen sind. Chemnitz war bei der Energieversorgung lange Zeit abhängig von Braunkohle und hat durch den Umstieg besondere Lasten zu schultern. Insgesamt erhalte Sachsen für den Strukturwandel in den Braunkohleregionen bis 2027 rund 645 Millionen Euro von der EU, hieß es von der Landesregierung.
Rund 40 Industriekonzerne machen mit einem Brief an die EU-Spitze Druck vor der geplanten Neuregelung des europäischen Emissionshandels. «Wir fordern ein entschlossenes Eingreifen, um die Kosten-Eskalation im Emissionshandelssystem (ETS) zu stoppen», heißt es in dem Schreiben an EU-Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Wenn das bestehende System fortgesetzt werde, werde es zu einer Verlagerung von Produktion und Werksschließungen kommen, schreiben die Unterzeichner, darunter die Chemiekonzerne BASF, Evonik und Covestro sowie die Stahlkonzerne Thyssenkrupp und Arcelormittal. «Die Folgen - Arbeitsplatzverluste, rückläufige Investitionen und ein nachlassendes Wirtschaftswachstum - sind absehbar.» Bei der Reform des Emissionshandelssystems müsse die Politik unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um «weiteren Schaden für die industrielle Basis Europas zu vermeiden».
Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU auf dem Weg zur Klimaneutralität 2050. Dabei müssen Firmen Rechte zum Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) nachweisen. Sie können damit handeln, was in energieintensiven Branchen als Anreiz dient, Treibhausgase zu sparen. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate - das soll effizient zu mehr Klimaschutz führen.
Aus Industrie und Teilen der Politik wächst der Druck, den Emissionshandel aufzuweichen, um Belastungen für die Wirtschaft zu senken. Im Sommer steht eine grundlegende Revision des Emissionshandels an, die EU-Kommission will im Juli Vorschläge vorlegen.
Der Emissionshandel spiegle die globale Realität nicht mehr wider, kritisieren die Konzerne in dem Brief, über den zuvor die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete. Europa handele «praktisch im Alleingang», wenn es der Industrie, die ohnehin mit teurer Energie und Regulierung zu kämpfen habe, rasch steigende CO2-Kosten auferlege. «Diese Kombination untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit in immer schnellerem Tempo.» Derzeit diskutierte Auflagen für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten etwa müssten vermieden werden.
Die Konzerne kritisieren, dass die Voraussetzungen für den Umbau der Industrie nicht gegeben seien. So fehle eine funktionierende Infrastruktur für Wasserstoff und CO2, und Kunden wollten nicht für kohlenstoffarme Produkte bezahlen.
Doch auch die Wirtschaft ist gespalten - etwa die Stahlindustrie: Während Thyssenkrupp und Arcelormittal für eine Abschwächung des Emissionshandels plädieren, fürchten andere Unternehmen, die bereits in den Umbau ihrer Anlagen investiert haben, wie Saarstahl, am Ende als Verlierer dazustehen. Auch die IG Metall, die kürzlich Tausende Stahlarbeiter bei Protesten in Berlin und Völklingen mobilisierte, warnte davor, den Umbau zu einer klimaneutralen Produktion zurückzudrehen. Das gefährde «Zehntausende Jobs.»