Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Chemiepark setzt auf Batterien und Halbleiter-Vorprodukte

Von Wolfgang Ernhofer 20 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

24.08.2026

Stavanger/Düsseldorf (dpa) *08:16 Uhr – Erdgas aus Norwegen: Uniper und Equinor schließen Vertrag

Der Energiekonzern Uniper hat mit dem norwegischen Öl- und Gasförderer Equinor einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag abgeschlossen. Demnach liefert Equinor von 2027 an jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland, wie Uniper in Düsseldorf mitteilte. Über das finanzielle Volumen machte Uniper keine Angaben.

Das Gas soll über bestehende Pipelines nach Deutschland kommen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Er wurde laut Uniper am Montag im norwegischen Stavanger unterzeichnet. «Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor», erklärte Unternehmenschef Michael Lewis der Mitteilung zufolge.

30 Terawattstunden sind eine große Menge: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Erdgas mit einem Energiegehalt von insgesamt 864 Terawattstunden verbraucht. Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas. Das Unternehmen beliefert unter anderem Stadtwerke, große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber. Equinor gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat. Uniper ist derzeit fast vollständig in deutschem Staatsbesitz. Bis Ende 2028 muss Deutschland seine Anteile aber wieder auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie verringert haben.

Norwegen ist derzeit der größte Erdgaslieferant Deutschlands. Im vergangenen Jahr kamen rund 44 Prozent des nach Deutschland gelieferten Erdgases über Pipelines aus dem skandinavischen Land. Norwegisches Erdgas erreicht Deutschland auch als Flüssigerdgas (LNG) per Schiff über die deutschen LNG-Terminals. Im laufenden Jahr belief sich bis Ende Juli der Anteil Norwegens an allen LNG-Lieferungen direkt nach Deutschland laut Energiewirtschaftsverband BDEW auf 4,1 Prozent. Größter LNG-Lieferant sind 2026 weiterhin die USA mit einem Anteil von 87,6 Prozent. (Gesamtjahr 2025: 94,3 Prozent).

22.08.2026

Berlin (dpa) *11:54 Uhr – Klingbeil macht Vorstoß für Übergewinnsteuer bei Ölkonzernen

Angesichts hoher Spritpreise an den Tankstellen startet Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zusammen mit fünf europäischen Kollegen einen neuen Vorstoß auf EU-Ebene. In einem Brief machen sie sich stark für eine Übergewinnsteuer, die Mineralölfirmen auf kräftig gestiegene Profite wegen des Iran-Kriegs zahlen sollen.

«Wir erleben einen der größten Versorgungsschocks seit Jahrzehnten und überall auf der Welt wächst der Unmut über den Anstieg der Lebenshaltungskosten», heißt es in dem Brief, der an den Finanzminister Irlands gerichtet ist. Das Land hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Bisher ergriffene staatlichen Maßnahmen hätten nicht gereicht, um die Preise für Unternehmen und Bürger dauerhaft zu senken oder zu stabilisieren, schreiben die EU-Minister aus Portugal, Spanien, Österreich, Italien, Polen und Deutschland in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Deshalb brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen, das sicherstellt, dass diejenigen, die von der Krise profitieren, ihren Teil dazu beitragen, die Belastung für die breite Bevölkerung zu verringern.» Zuvor hatte der «Spiegel» berichtet.

«Wir müssen das Thema hohe Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk diskutieren, um Übergewinne zu besteuern», fordern die Minister. Dabei solle man Erfahrungen aufnehmen, wie man die Profite von Ölkonzernen zielgerichteter einschließen könne. «Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass uns die Ergebnisse der europäischen Untersuchung zu den Raffinerie-Margen so bald wie möglich vorliegen, um sicherzustellen, dass Raffinerien die aktuelle Energiesituation nicht ausnutzen.»

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Der Brief soll laut «Spiegel» auf Betreiben von Klingbeil zustande gekommen sein. Das Thema Übergewinnsteuer, so die Forderung, solle auf einer Tagung der EU-Wirtschafts- und Finanzminister Mitte September in Dublin auf die Tagesordnung kommen.

Mit den hohen Spritpreisen wegen des Iran-Kriegs sind die Rufe nach neuen staatlichen Eingriffen lauter geworden. Die Bundesregierung hatte sich im Frühjahr zunächst auf eine härtere Überwachung von Mineralölkonzernen durch das Bundeskartellamt geeinigt. Dazu kam die 12-Uhr-Regelung, wonach Tankstellen nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags die Preise erhöhen dürfen, gefolgt vom Tankrabatt. Diese befristete Steuersenkung auf Sprit lief Ende Juni aus. Seitdem haben die Preise an den Zapfsäulen wieder angezogen, was die Debatte um staatliche Eingriffe befeuert.

Die Bundesregierung ist in der Frage einer Übergewinnsteuer gespalten. Die SPD fordert eine solche Abgabe auf kriegsbedingte Extra-Profite der Mineralölkonzerne seit langem. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt sie hingegen ab.

21.08.2026

Keltern (dpa/lsw) *14:26 Uhr – Gefahrstoff in Kanalisation gelangt – Arbeiter in Klinik

Bei einem Arbeitsunfall in einem Industriebetrieb in Keltern (Enzkreis) ist ein cyanidhaltiges Gemisch ausgetreten. Nach ersten Erkenntnissen entwich der Gefahrstoff aus einem Behälter und gelangte teilweise in die Kanalisation. Durch technische Einrichtungen des Industriegebiets konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden, wie die Polizei mitteilte.

Ein Mitarbeiter kam mit dem Stoff in Kontakt und erhielt dadurch eine Reizung am Arm. Der Arbeiter sei vor Ort behandelt und abschließend zur Klärung in eine Klinik gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle und reinigte die betroffenen Bereiche. Eine Schadstoffmessung nach dem Vorfall am Donnerstag im Bereich der Einsatzstelle ergab keine auffälligen Werte. Die Ermittlungen zum Unfallhergang dauern an.

Cyanid wird etwa zur Schmuckherstellung, Elektronikfertigung und allgemein zur Metallbearbeitung verwendet – in letzterem Bereich sei die Firma tätig.

19.08.2026

Bitterfeld-Wolfen (dpa/sa) *16:36 Uhr – Chemiepark setzt auf Batterien und Halbleiter-Vorprodukte

Chemikalien für Batterien, Vorprodukte für Halbleiter und die Verarbeitung kritischer Rohstoffe: Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen will seine verbliebenen Flächen verstärkt für jene Produkte reservieren, die Europas Chip-, Batterie- und Energieindustrie unabhängiger von Lieferungen aus Asien machen können. «Es gibt Wachstumsmöglichkeiten in Europa», sagte Max Fuhr, der seit Anfang August die bisher zweiköpfige Geschäftsführung verstärkt.

Bei seiner offiziellen Vorstellung machte der 44-Jährige deutlich, wo er Chancen für den Standort sieht: vor allem bei Batteriechemie, Vorprodukten für die Halbleiterindustrie und Materialien für Energiespeicher. Auch Lithium und seltene Erden spielen eine Rolle.

Dabei will Bitterfeld-Wolfen nicht mit großen Chip- oder Batteriefabriken konkurrieren, sondern Spezialchemikalien und Materialien für solche Industrien produzieren lassen. Bei einigen dieser Verarbeitungsschritte befänden sich derzeit 95 bis 100 Prozent der weltweiten Kapazitäten in Asien, sagte Fuhr. Chancen sieht er auch durch Lithiumvorkommen im Erzgebirge und in der Altmark sowie seltene Erden im Raum Delitzsch.

Von insgesamt rund 1.200 Hektar stehen im Chemiepark noch etwa 90 Hektar als Vermarktungsfläche zur Verfügung. Größere zusammenhängende Flächen von rund zehn Hektar gebe es nur noch eine Handvoll. Entsprechend genau will der Chemiepark neue Investoren auswählen. «Wir können uns keine Fehler mehr erlauben», sagte Geschäftsführer Kai Uwe Krauel. Entscheidend sei, Unternehmen zu gewinnen, die zum Standort passen und bestehende Wertschöpfungsketten ergänzen.

Fuhr führt den Chemiepark nun gemeinsam mit Krauel und Patrice Heine und soll vor allem die internationale Suche nach Investoren verstärken. Er arbeitet bereits seit 2015 für das Unternehmen. Krauel fasste die neue Aufstellung so zusammen: «Erfahrung gibt Richtung, Jugend gibt Tempo.»

Zur strategischen Ausrichtung passt auch eine jüngst angekündigte Forschungsplattform zur Kreislaufwirtschaft. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Aufbau mit 4,5 Millionen Euro. In den kommenden vier Jahren soll dort unter anderem an der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Industrieabfällen geforscht werden.

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