Biobasiertes Anilin Rübenacker statt Ölfeld: Zeigt Anilin die postfossile Zukunft der Basischemie?
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Es färbt Jeans blau, steckt im PUR-Schaum und Raketentreibstoff und wird im Millionen-Tonnen-Maßstab aus Naphtha gewonnen: Anilin. Die vielseitige Basischemikalie soll dank Bioverfahrenstechnik ergrünen – wie aus Stroh Kunststoff werden soll, zeigt ein Projekt in Leverkusen.
Im Märchen brauchte es bei den Brüdern Grimm noch Zauberkräfte, um aus Stroh Gold zu spinnen. Ganz ohne Hokuspokus sollen heute aus Stroh, Biomasse oder Zuckerrüben vielleicht kein Edelmetall, aber wertvolle Rohstoffe für die Basischemie werden. Denn die Meister der Moleküle hängen auch im 21. Jahrhundert am Tropf von Erdöl, Gas und Naphtha. Eine Dekarbonisierung der Industrie, wie so häufig gefordert, wird es angesichts der enormen Bedeutung der hunderttausenden Kohlenwasserstoffe kaum geben. Und auch elektrischer Strom kann nicht alle Probleme lösen.
Wie aber kann sich der Sektor aus der Abhängigkeit zumindest fossiler Rohstoffe und den damit verbundenen Emissionsproblemen lösen? Eine Möglichkeit wäre das chemische Recycling, also das Im-Kreislauf-Halten des Kohlenstoffes, eine andere die Nutzung von Biomasse. Denn die organische Chemie heißt ja nicht ohne Grund so, basieren doch nahezu alle Biomoleküle genau so wie alles Leben auf der schier unendlichen Vielfalt der Kohlenstoff-Wasserstoff-Verbindungen.
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