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Achema-Trendbericht: Chemieanlagenbau

Steigender Bedarf an Chemieprodukten lässt Chemieanlagenbau boomen

| Redakteur: Matthias Back

Im Trendbericht Chemieanlagenbau im Vorfeld der Achema 2018 geht es um die wachsenden Herausforderungen in einem wachsenden Markt.
Im Trendbericht Chemieanlagenbau im Vorfeld der Achema 2018 geht es um die wachsenden Herausforderungen in einem wachsenden Markt. (Bild: ©Blickfang - stock.adobe.com)

Chemieanlagen sind gefragt: zwischen 2005 und 2015 hat sich das Investitionsvolumen der globalen Chemie fast verdreifacht und liegt inzwischen bei über 200 Milliarden Dollar pro Jahr. Doch während die meisten dieser Anlagen noch relativ konventionell geplant und gebaut werden, schicken sich die Ingenieurabteilungen der Chemie und die EPC-Kontraktoren an, die Engineeringprozesse deutlich zu verändern.

Wachstum zwingt zur Größe: Das im Herbst 2017 im saudischen Jubail fertiggestellte Megaprojekt Sadara markiert einen weiteren Meilenstein des globalen Chemie-Booms: Mit der 20 Milliarden Dollar teuren Investition stellen sich die Projektpartner Saudi Aramco und Dow Chemicals auf die weiter wachsende Nachfrage nach Chemikalien ein. Marktforscher schätzen, dass der Bedarf an Chemieprodukten in den kommenden zwei Jahrzehnten jährlich um 4,0 bis 4,5 % wachsen wird.

Die Chemiekonzerne begegnen dem mit immer weiteren und zum Teil auch immer größeren Investitionen: So will der Ölkonzern Saudi Aramco gemeinsam mit dem Kunststoffhersteller Sabic in den kommenden Jahren einen Oil-to-Chemical-Komplex bauen - Kostenpunkt 20 Milliarden Dollar. Zusammen mit dem französischen Energiekonzern Total plant der saudische Branchenprimus eine Ethylen-Propylen-Anlage für 5 Milliarden Dollar. Adnoc – der staatliche Ölkonzern von Abu Dhabi – hat angekündigt, seine Produktionskapazität für Petrochemie bis 2025 auf 11,4 Mio. Tonnen pro Jahr verdreifachen zu wollen.

Baustelle Europa: 19 neue Großanlagenbauprojekte im September

Aber nicht nur im Mittleren Osten werden spektakuläre Projekte angeschoben. In den USA hat der Schiefergas-Boom dazu geführt, dass neue Petrochemieprojekte realisiert werden: Allein in 2017 wurden vier neue Ethan-Cracker fertiggestellt, vier weitere sind im Bau und sollen bis 2019 in Betrieb gehen. Doch eine zweite Investitionswelle rollt bereits an: Für fünf weitere Cracker wird die wirtschaftliche Machbarkeit geprüft. Der amerikanische Chemieverband ACC schätzt, dass die jährlichen Investitionsausgaben der amerikanischen Cheimieunternehmen von 40,8 Milliarden Dollar in 2016 auf 58,6 Milliarden Dollar in 2021 steigen werden. 294 aktuelle Vorhaben mit einem Gesamtwert von 179 Milliarden Dollar zählte der Verband im Frühjahr.

Auch die europäische Chemie hat ihre Ausgaben für Produktionserweiterungen und neue Anlagen in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert: Der europäische Chemieverband Cefic schätzt, dass sich die Investitionen der globalen Chemie zwischen 2005 und 2015 mehr verdreifacht haben – ohne den Mittleren Osten, für den keine Zahlen vorliegen, stieg das Investitionsvolumen der Chemienationen auf über 170 Milliarden Euro in 2015 an. Zum Vergleich: Die Investitionen deutscher Chemiehersteller erreichten 2017 rund 16 Milliarden Euro.

Der Rohstoffbedarf der bestehenden und neuen Produktionskapazitäten hat Folgen: Sie wird weitere Investitionen im Öl- und Gassektor nach sich ziehen. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass die Petrochemie bis im Jahr 2040 den Kraftstoffsektor als Wachstumstreiber für die globale Nachfrage nach Rohöl ablösen wird. Die Chemie wird dann täglich 15,7 Mio. Barrel Öl benötigen – 47 % mehr als noch im Jahr 2015.

Strukturwandel im Chemieanlagenbau

Für den Chemieanlagenbau sind das erst einmal gute Nachrichten. Allerdings vollzieht sich hier seit einigen Jahren ein deutlicher Strukturwandel: Immer größere Projekte erfordern die Bereitschaft, große Risiken zu übernehmen. Außerdem wünschen sich die Investoren und Anlagenbetreiber globale Partner, die von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme Gesamtverantwortung und häufig auch die Finanzierung übernehmen. Europäische und vor allem deutsche Anlagenbauer sind dafür inzwischen meist zu klein.

Trendwende bei Königsdisziplin in Sicht?

Deutscher Großanlagenbau

Trendwende bei Königsdisziplin in Sicht?

21.03.18 - Sie gilt als Königsdisziplin der chemischen Verfahrenstechnik – der Großanlagenbau. Seit Jahren leiden vor allem deutsche EPCs jedoch unter zunehmend schwierigen Herausforderungen. Starker Wettbewerbszuwachs aus Asien, zu geringe Bau- und Montagekompetenzen, fehlende Service-Angebote sowie Nachteile bei der Projektfinanzierung vor allem im Wettbewerb zu chinesischen Marktbegleitern galten als Schwachpunkte der Branche. Nach deutlichem Auftragsrückgang in 2017 erwarten die im VDMA zusammengeschlossenen Unternehmen jetzt wieder steigende Aufträge und bessere Margen. Ist das die lange erhoffte Trendwende? lesen

Letztere klagen bereits seit Jahren über einen hohen Wettbewerbsdruck und rechnen – so eine aktuelle Studie des Maschinen- und Anlagenbauverbands VDMA - mit weiter wachsender Konkurrenz auf den Weltmärkten. Vor allem Anlagenbauer aus China, Westeuropa und den USA werden als Wettbewerber im Rennen um Großprojekte wahrgenommen. Und je nach Technologie und spezieller Ausrichtung hat den Unternehmen in den vergangenen Jahren auch der niedrige Ölpreis zugesetzt, wenn Kunden geplante Investitionen gestoppt oder hinausgezögert hatten.

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