Bis zu 1860 Jobs in Gefahr Gewerkschaft kritisiert Biontech scharf

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Der geplante Umbau bei Biontech sorgt für wachsende Unruhe: Die IG BCE zweifelt an ernsthaften Verkaufsabsichten für bedrohte Produktionsstandorte und wirft dem Management mangelnde Transparenz vor. Bis zu 1860 Stellen stehen auf dem Spiel.

Biontech wurde in der Corona-Pandemie weltbekannt, weil das Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Biontech wurde in der Corona-Pandemie weltbekannt, weil das Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die Gewerkschaft IG BCE wirft dem Management des Impfstoffherstellers Biontech vor, keine ernsthaften Verkaufsabsichten für ihre von der Schließung bedrohten Produktionsstandorte zu haben. „Es gibt keine Transparenz und keinerlei Informationen des Unternehmens“, sagte Gewerkschaftssekretär Christian Trapp der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Deshalb herrscht eine große Verunsicherung unter den Beschäftigten.“

Auch der Konzernbetriebsrat werde in die Vorgänge nicht miteinbezogen. Dazu komme die Ansage des Biontech-Vorstands, dass der mögliche Verkauf der Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie der Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac bis Oktober über die Bühne gehen solle, berichtete der Gewerkschafter. Dieser kurze Zeithorizont mache die Situation zusätzlich sehr schwierig.

Fast 1900 Jobs in Gefahr

Es gebe zwar Signale, dass Gespräche mit Interessenten geführt werden. Wegen der fehlenden Transparenz zweifele er jedoch daran, dass das Unternehmen wirklich ernsthaft daran arbeite, die von der Schließung betroffenen Standorte zu verkaufen und die bedrohten Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Trapp.

Das Unternehmen hatte jüngst angekündigt, wegen einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen mehrere Produktionsstandorte zu schließen. Betroffen von den Plänen sind Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac. Bis zu 1860 Stellen sind in Gefahr. Bei Curevac allein sind demnach rund 820 Jobs bedroht - größtenteils am Hauptsitz in Tübingen.

IG BCE: Es geht nur um Profit

Die IG BCE wirft dem Biontech-Management vor, keine Strategie für die Zukunft nach dem Ausscheiden der Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci zu haben. „Biontech hat einen Spirit eines Start-up-Unternehmens, das die Welt verbessern möchte.“ Aus diesem Grund seien auch die meisten Mitarbeitenden zu Biontech gekommen, erklärte Trapp. „In der Betriebsversammlung in Mainz ist diese Maske gefallen. Es geht nicht mehr darum, die Welt zu verbessern, sondern um knallhart Profit zu machen.“

Biontech wurde 2008 von Sahin und Türeci gegründet. Die Eheleute wollen nun eine neue Firma gründen. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von Biontech werden sie aber bleiben. Nach dem angekündigten Abschied läuft die internationale Suche nach einer neuen Unternehmensführung. Der Fokus liege auf den Vereinigten Staaten.

Onkologie wieder im Fokus

Biontech hat nach eigenen Angaben global rund 7200 Beschäftigte, darunter etwa 4000 in Mainz. Sahin sagte bei seinem letzten Auftritt als Unternehmenschef bei der virtuellen Hauptversammlung vor wenigen Tagen allen vom Jobverlust Betroffenen sozialverträgliche Lösungen zu. Die geplanten Standortschließungen begründete er mit der veränderten strategischen Ausrichtung des Biopharma-Unternehmens, sich wieder konsequent auf Forschung und Entwicklung in der Onkologie zu konzentrieren.

Biontech wurde in der Corona-Pandemie weltbekannt, weil das Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam. Die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs soll künftig vollständig von den Pfizer-Standorten in Europa und Amerika abgedeckt werden.

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