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ACHEMA-Trendbericht Pharma-Anlagenbau

Neue Anlagenkonzepte und Trend zu Disposables

02.01.2009 | Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die Messlatte im Pharma-Anlagenbau wird höher gelegt, insbesondere der wachsende Markt für biopharmazeutische Wirkstoffe erfordert neue Anlagenkonzepte. Hier im Bild ist eine Zellfermentation in der Biopharmazeutischen Herstellung zu sehen.
Die Messlatte im Pharma-Anlagenbau wird höher gelegt, insbesondere der wachsende Markt für biopharmazeutische Wirkstoffe erfordert neue Anlagenkonzepte. Hier im Bild ist eine Zellfermentation in der Biopharmazeutischen Herstellung zu sehen.

Der Weltmarkt für Arzneimittel ist hoch attraktiv – nicht nur für die Pharmaproduzenten selbst, sondern auch für Zulieferer von Ausrüstung und Technik, Dienstleister und Consultants. Weltweit wurden zahlreiche Investitionsprojekte angeschoben und realisiert: Ein scheinbar ideales Wachstumsumfeld für Unternehmen, die sich auf den Bau pharmazeutischer Anlagen spezialisiert haben.

Von 1998 bis 2006 hat sich der Weltmarkt für Arzneimittel weltweit mehr als verdoppelt. Im Jahr 2006 erreichte das globale Produktionsvolumen für pharmazeutische Erzeugnisse einen Wert von 351 Milliarden Euro, 16 Jahre zuvor waren es noch 136 Milliarden Euro. Besonders stürmisch stieg das Produktionsvolumen in den vergangenen Jahren in Europa – von 63 Milliarden (1990) auf 190 Milliarden Euro (2007). Dominiert wird die europäische Pharmaproduktion von Frankreich (2006: 34,4 Milliarden Euro Produktionsvolumen), England (24,8 Milliarden Euro) und Deutschland (23,7 Milliarden Euro). Mit 39,3 Prozent der weltweiten Produktion ist die USA allerdings der führende Produzent, gefolgt von Europa und Japan.

Um die Nachfrage befriedigen zu können, wurden weltweit zahlreiche Investitionsprojekte angeschoben und realisiert: Ein scheinbar ideales Wachstumsumfeld für Unternehmen, die sich auf den Bau pharmazeutischer Anlagen spezialisiert haben.

Dass zahlreiche europäische Länderregierungen durch Gesetzesinitiativen und Gesundheitsreformen versuchen, die Arzneimittelausgaben zu limitieren, trifft die Produzenten nur zum Teil. Einerseits wird lediglich etwas mehr als die Hälfte aller verkauften Medikamente von den Krankenversicherungen bezahlt, andererseits ist der Export längst zur treibenden Kraft geworden: So liegt die Exportquote deutscher Pharmaunternehmen bei 56 Prozent. Größter Absatzmarkt für Arzneimittel ist Nordamerika: 45,9 Prozent der weltweiten Arzneimittelverkäufe, die sich in 2007 auf insgesamt 712 Milliarden US-$ summiert haben, werden in den USA und Kanada getätigt (Europa: 31,1 Prozent).

Doch während die Jahre des Booms dem Anlagenbau in Branchen wie der Chemie oder im Kraftwerksbau einen enormen Zuwachs beschert haben, sieht die Situation im pharmazeutischen Anlagenbau anders aus: Gewonnen haben vor allem die Lieferanten spezialisierter Anlagenausrüstung; die Planer und Kontraktoren – insbesondere in Europa – stehen nach wie vor in einem scharfen Wettbewerb um Projekte.

Ein Grund dafür liegt auf der grünen Insel im Atlantik: Angeschoben durch Förderprojekte der irischen Regierung Ende der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends hat sich Irland innerhalb weniger Jahre zum sechstgrößten Pharmaproduzenten Europas (Produktionsvolumen 2006: 14,9 Milliarden Euro) katapultiert. Im Schlepptau entstanden leistungsfähige Engineeringanbieter angelsächsischer Prägung. Mit dem Auslaufen der Förderung drängen diese Anbieter nun verstärkt auf den kontinentalen Markt.

Dazu kommt ein weiterer Unterschied, beispielsweise gegenüber dem Chemieanlagenbau: Auf der einen Seite reicht das Spektrum der Prozessbetreiber von multinationalen Konzernen über einen vor allem in Deutschland starken, oft familiengeführten Mittelstand bis hin zu spezialisierten Lohnfertigern. Auf der anderen Seite unterscheiden sich die Produktionsprozesse – vom klassischen Pharma-Wirkstoffbetrieb bis hin zur biopharmazeutischen Anlage – erheblich. Entsprechend unterschiedlich und komplex sind die Anforderungen an den Anlagenbau – das beginnt beim Conceptual Design, reicht über die Anforderungen im Basic- und Detail-Engineering bis hin zur Gestaltung des Projektmanagements und nicht zuletzt der Verträge.

Generell unterscheiden sich Anlagenprojekte in der Pharmaindustrie von anderen Branchen wie der Chemie auf Grund ihrer hohen Anforderungen unter anderem hinsichtlich

  • ihres hohen Termindrucks (time to market)
  • der Einhaltung der gültigen GMP(Good Manufacturing Practice)-Richtlinien
  • und der Überwachung der Qualität des eingesetzten Equipments.

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