ACHEMA-Trendbericht Pharma-Anlagenbau

Neue Anlagenkonzepte und Trend zu Disposables

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Anlagenprojekte werden in der Pharmaindustrie in der Regel in einem Dreieck abgewickelt, bestehend aus dem Betreiber als Auftraggeber, einem Engineeringpartner (z. B. Generalplaner oder Generalunternehmer) und den Lieferanten der Anlagenausrüstun. Während in der (Groß-)Chemie Anlagenprojekte meist weitgehend von EPCs (Engineering, Procurement, Construction) abgewickelt werden, nimmt der Betreiber einer Pharmaanlage in der Regel sehr viel stärkeren Einfluss auf den Planungs- und Beschaffungsprozess.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Chemieanlagen und Pharmabetrieben besteht in den Projektzielen. Während in der Chemie neben den Terminen auch die Produktqualität und Ausbringung zwischen den Projektpartnern festgelegt werden und Kriterien für die Abnahme der Anlage sind, verantwortet in Pharmabetrieben in der Regel der Betreiber selbst Qualität und Menge. Auch die Verfahren sind in der Arzneimittelherstellung in der Regel keine Unikate – oft werden Wirkstoffe in Mehrproduktanlagen synthetisiert.

Kaum noch Raum für Konsolidierung

Der Struktur und den Anforderungen der Branche folgend, haben sich in den vergangenen Jahrzehnten spezialisierte Engineeringanbieter herausgebildet. Steigende Anforderungen seitens der Behörden (z. B. der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA), aber vor allem der steigende Termin- und Kostendruck sowie die Forderung der Pharmakonzerne nach weltweit aufgestellten Dienstleistern hat in den letzten Jahren allerdings zu einer Konsolidierung unter diesen Dienstleistern geführt. Und der Druck ist nach wie vor groß. Während die im Chemieanlagenbau tätigen Kontraktoren aufgrund des jüngsten Booms inzwischen wieder verstärkt Einfluss auf die Vertragskonditionen nehmen können, stehen Pharmaanlagenbauer immer noch unter großem Konkurrenzdruck.

„Es gibt nach wie vor den starken Wunsch vieler Auftraggeber, die Projekte auf der Basis von Festpreisen oder nach Aufwand mit Kostenobergrenze durchzuführen“, erläutert Ralf Roepenack, Geschäftsführer des Engineeringunternehmens NNE Pharmaplan. Neben Festpreisverträgen gehören Vertragsstrafen für Terminüberschreitungen und sogar beim Austausch von Projektmitarbeitern zum Instrumentarium der Auftraggeber. „Vertrauen spielt in Pharmaprojekten eine entscheidende Rolle. Das geht bis zur Pönalisierung von Schlüsselpersonal“, beschreibt Robert Schwarz, Geschäftsführer bei VTU-Engineering, die Situation.

(ID:288657)