Schweizer Messtechnik-Spezialist lädt internationale Experten nach Basel ein Endress+Hauser erreicht Meilenstein und setzt auf Transformation als Wachstumsstrategie

Von Wolfgang Ernhofer 7 min Lesedauer

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Mit einem Umsatz von erstmals über vier Milliarden Euro und rund 2.000 Gästen beim Global Forum unterstreicht der Schweizer Familienkonzern seinen Anspruch als Impulsgeber für die nachhaltige Transformation der Prozessindustrie. Unter dem Motto "Driving Sustainable Transformation Together" diskutierten Mitte April in Basel Entscheidungsträger aus aller Welt über die Zukunft ihrer Branche.

Das Endress+Hauser Global Forum 2026 versammelte in der Messe Basel rund 2000 internationale Entscheidungsträger und Experten der Prozessindustrie.  (Bild:  Marc Gilgen / E+H)
Das Endress+Hauser Global Forum 2026 versammelte in der Messe Basel rund 2000 internationale Entscheidungsträger und Experten der Prozessindustrie.
(Bild: Marc Gilgen / E+H)

Vom 14. bis zum 16. April 2026 stand die Messe Basel im Zeichen der Prozessindustrie. Zum zweiten Mal nach 2023 richtete Endress+Hauser dort sein Global Forum aus – eine Plattform, die Führungskräfte, Experten und Entscheidungsträger aus der verfahrenstechnischen Industrie weltweit zusammenbringt. Rund 2.000 Teilnehmende folgten der Einladung des Schweizer Messtechnik-Spezialisten, um über die drängendsten Fragen ihrer Branche zu diskutieren: Wie lässt sich der allgegenwärtige Wandel so gestalten, dass er Wert schafft, die Wettbewerbsfähigkeit erhöht und nachhaltigen Fortschritt ermöglicht?

Transformation ist für die Prozessindustrie heute keine Ausnahme mehr, sondern Normalität. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Kreislaufwirtschaft, geopolitische Einflüsse, regulatorische Anforderungen und der demographische Wandel stellten Unternehmen vor enorme Herausforderungen. „All diese Entwicklungen eröffnen aber auch neue Möglichkeiten – für mehr Produktivität, geringere Emissionen und innovative Geschäftsmodelle“, so Dr. Peter Selders, CEO von Endress+Hauser.

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Vordenker zeigen Wege aus der Komplexität

Das Programm des dreitägigen Forums war bewusst auf den Dialog zwischen Theorie und Praxis ausgerichtet. In sogenannten Inspiring Sessions beleuchteten renommierte Vordenker die großen Trends und Umbrüche der Industrie. Der US-Wirtschaftsfuturist Jonathan Brill widmete sich der Frage, wie Unternehmen Veränderungen in einem volatilen Umfeld antizipieren können. Goutam Challagalla, Professor für Strategie und Marketing an der IMD Business School in Lausanne, erklärte, wie Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil wird.

Zukunftsberater Nikolas Badminton erläuterte die Bedeutung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien für Wachstum und Resilienz. Dr. Katharina Herrmann, Personalvorständin bei Hubert Burda Media, sprach über den Aufbau zukunftsfähiger Belegschaften. Und Jennifer Zhu Scott, KI-Investorin und CEO des Rechenzentren-Lösungsanbieters Power Dynamics aus Hongkong, zeigte auf, wie Künstliche Intelligenz vom technologischen Versprechen zum strategischen Erfolgsfaktor wird.

Praxiswissen in kompakten Sessions

Auf die großen Inspirationen im Plenum folgten konkrete Anwendungsfälle in zahlreichen Insight Sessions. In diesen kompakten, praxisorientierten Gruppenveranstaltungen präsentierten Kundenfirmen und Partnerunternehmen gemeinsam mit Endress+Hauser ihre Erfahrungen. Behandelt wurden unter anderem Chancen und Fallstricke beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie Partnerschaften und Technologien für industrielle Nachhaltigkeit.

„Wir wollen herausschälen, was wirklich funktioniert und den meisten Nutzen bringt“, erklärte Selders das Konzept. „Kein Unternehmen kann die aktuellen Herausforderungen allein bewältigen. Nur durch offenen Dialog und vertrauensvolle Partnerschaften können wir die vorhandene Komplexität meistern und positive Veränderungen beschleunigen.“

Abgerundet wurde das Programm durch Werksführungen in der Region sowie eine Ausstellung, in der Endress+Hauser gemeinsam mit Tochtergesellschaften und Partnerfirmen neue Produkte, Systeme und Lösungen für betriebliche Effizienz und Nachhaltigkeit präsentierte. Exklusive Einblicke in die Produktentwicklung rundeten das Angebot ab.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Dass Transformation für Endress+Hauser mehr als ein Schlagwort ist, unterstrich Laurent Mulley, Chief Sales Officer des Unternehmens, in einem Hintergrundgespräch. „Auf lange Sicht wird jedes Unternehmen die eigene nachhaltige Transformation anstreben oder weiter vorantreiben“, zeigte sich Mulley überzeugt. Nachhaltige Transformation bedeute nicht nur weniger Emissionen und Ressourcenverbrauch. „Vielmehr liegt darin der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Im Kern geht es darum, effizienter zu wirtschaften und neue Märkte zu erschließen.“

Die Herausforderungen seien branchenspezifisch: Die Öl- und Gasindustrie müsse neue Geschäftsmodelle entwickeln, die Stahlindustrie auf Direktreduktionsanlagen umrüsten, die Zementindustrie ihre prozessbedingten Emissionen abscheiden. In der Chemieindustrie herrsche Investitionsdruck bei unsicheren Marktbedingungen. Der Energiesektor müsse den Umstieg auf erneuerbare Quellen bewältigen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleisten.

Endress+Hauser unterstütze seine Kunden mit einem breiten Portfolio an Messtechnik und Lösungen. „So helfen wir ihnen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, Kosten zu reduzieren, regulatorische Vorgaben einzuhalten und neue Technologien auszurollen“, erklärte Mulley. Als Beispiele nannte er das erste eichfähige Ultraschall-Durchflussmessgerät für Wasserstoff, Messtechnik zur Senkung des Energieverbrauchs in Rechenzentren oder Liquiline Edge Module für die Fernüberwachung von Wasseraufbereitungsanlagen.

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Digitalisierung und Nachhaltigkeit verstärken sich

Besondere Bedeutung misst das Unternehmen der Digitalisierung bei. „Wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit strategisch verzahnt sind, verstärken sie sich gegenseitig“, sagte Mulley. Technologien wie Ethernet-APL oder das IIoT-Ökosystem Netilion machten Daten aus dem Feld in Echtzeit nutzbar – auch für KI-Anwendungen. „Die Industrie kann durch die Digitalisierung wertvolles neues Wissen aus verfahrenstechnischen Anlagen gewinnen und sich so weitere Möglichkeiten der Optimierung erschließen.“

Die Kunden erwarteten, Nachhaltigkeit mit Wachstum zu verbinden. „Um das zu schaffen, brauchen sie zuverlässige Partner, die den Wandel über einen langen Zeitraum hinweg in enger Kooperation mit ihnen gestalten“, so Mulley. Als Familienunternehmen stehe man für Langfristigkeit und Stabilität.

Vier-Milliarden-Euro-Marke überschritten

Dass diese Strategie aufgeht, belegen die Geschäftszahlen für 2025. Endress+Hauser hat erstmals mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Der Nettoumsatz der Gruppe stieg um 7,2 Prozent auf 4,01 Milliarden Euro – ein neuer Meilenstein in der Firmengeschichte. Hierzu trug die Erweiterung des Produktangebots durch die Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik von Sick entscheidend bei. Die strategische Partnerschaft mit dem deutschen Sensorhersteller wurde Anfang 2025 wirksam. In 46 Ländern gingen Vertrieb und Service auf Endress+Hauser über; ein Joint Venture produziert und entwickelt die Geräte.

Das organische Wachstum – ohne Wechselkurseinflüsse und Akquisitionen – bezifferte Chief Financial Officer (CFO) Dr. Luc Schultheiss mit 2,6 Prozent. Die negativen Einflüsse der Währungsumrechnung kosteten das Unternehmen rund 3,3 Prozentpunkte Umsatzwachstum. Belastend wirkte auch die Investitionszurückhaltung der chemischen Industrie. Für Impulse sorgte dagegen der Boom der Künstlichen Intelligenz: Kühlsysteme und Energieversorgung der neuen Rechenzentren benötigen viel Messtechnik.

Regionale Unterschiede prägen das Geschäft

Umsatzstärkster Markt bleiben die USA. Trotz der US-Zölle entwickelte sich das Geschäft dort dynamisch. Insgesamt wuchs der Umsatz in Nord- und Südamerika um 10,1 Prozent. In Europa stiegen die Verkäufe um 11,6 Prozent. In Deutschland – dem drittgrößten Markt – gingen die Erlöse jedoch zurück, ebenso in der Schweiz. Afrika und der Nahe Osten wuchsen um 7,4 Prozent. In der Region Asien/Pazifik verzeichnete Endress+Hauser ein Minus von 1,4 Prozent, vor allem aufgrund der Schwäche Chinas, des zweitgrößten Marktes.

18.306 Mitarbeitende zählte die Firmengruppe Ende 2025 – ein Plus von 7,4 Prozent, ebenfalls getrieben von der strategischen Partnerschaft mit Sick. Mehr als 800 Vertriebs- und Servicekräfte wechselten zu Endress+Hauser. Das Ausbildungsangebot weitete das Unternehmen weiter aus. Ende 2025 waren weltweit 676 junge Menschen bei Endress+Hauser in einer betrieblichen Ausbildung, wurden im Studium unterstützt oder absolvierten im Rahmen ihres Studiums ein längeres Praktikum.

Solides Ergebnis trotz Währungsbelastungen

Die Firmengruppe hielt den Gewinn auf gutem Niveau. Endress+Hauser erzielte ein Ergebnis nach Steuern von 321,3 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 10,7 Prozent. „Die Stärke von Euro und Schweizer Franken hat unser Ergebnis belastet“, sagte CFO Schultheiss. Daneben schlugen sich die Kosten der Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik im Ergebnis nieder.

Um zukunftsfähig zu bleiben, investierte Endress+Hauser rekordhohe 370,8 Millionen Euro in neue Gebäude, Anlagen, IT und Software. Die Gruppe eröffnete Neubauten an den deutschen Fertigungs- und Entwicklungsstandorten in Waldheim und Nesselwang. Insgesamt addieren sich die Investitionen der vergangenen fünf Jahre auf 1,4 Milliarden Euro. „Unsere gesunde finanzielle Lage ermöglicht uns, diese Summen aus selbst erarbeiteten Mitteln aufzubringen“, betonte Schultheiss.

Innovation als Wachstumsmotor

Das Unternehmen brachte im vergangenen Jahr 41 Produkte neu auf den Markt. „Innovation ist ein Motor unseres Wachstums“, sagte CEO Selders. 294 Erstanmeldungen bei Patentämtern in aller Welt untermauerten diesen Anspruch. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung summierten sich auf 281,4 Millionen Euro, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies entspricht 7,0 Prozent des Umsatzes.

Für seine Nachhaltigkeitsstrategie erhielt Endress+Hauser 2025 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Mess- und Regeltechnik. Das Unternehmen strebt über die gesamte Wertschöpfungskette bis 2050 netto-null Emissionen an. Mehr als 97 Prozent des CO₂-Fußabdrucks stammen aus den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten, dem sogenannten Scope 3. Mit einer gruppenweiten Ökodesign-Richtlinie für die Produktentwicklung will das Unternehmen Nachhaltigkeit als Hebel nutzen: Wenn bei der Geräteherstellung weniger Material benötigt und der Energieverbrauch gesenkt wird, entsteht ein Mehrwert für die Kunden.

Generationswechsel in Familie und Führung

Im Executive Board der Firmengruppe kommt es zu umfassenden Veränderungen. Mit Erreichen der Altersgrenze gaben Chief Operating Officer Dr. Andreas Mayr, Chief Information Officer Pieter de Koning und CFO Dr. Luc Schultheiss ihre Rollen ab; Chief Human Resources Officer Jörg Stegert hat das Unternehmen verlassen.

Bereits seit Juli 2025 ist Dr. Mirko Lehmann Chief Technology Officer. In dieser Funktion verantwortet er künftig auch IT und Digitalisierung. Ebenfalls ihre Positionen angetreten haben Prof. Dr. Katja Windt als Chief Operating Officer und Helena Svensson als Chief Human Resources Officer. Der künftige CFO Christian Mäder stößt im Juli zu Endress+Hauser.

Auch in der Familie vollzieht sich ein Generationswechsel. Neuer Präsident des Verwaltungsrats ist Steven Endress, ein Enkel des Firmengründers. Er folgt auf Matthias Altendorf, der sich nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellte. Steven Endress vertritt die Familie seit 2024 im Verwaltungsrat. Zuvor war er Geschäftsführer von Endress+Hauser Großbritannien. „Die Familie ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Unternehmens“, sagte Endress.

Auch im Familienrat übernimmt die dritte Generation zusätzliche Verantwortung. Sandra Genge, eine weitere Enkelin des Gründers und seit 2022 Verwaltungsrätin, ist die neue stellvertretende Vorsitzende des Familienrats. Sie ist damit designierte Nachfolgerin von Dr. h. c. Klaus Endress, der den Familienrat seit seiner Gründung vor 25 Jahren führt und für 2027 seinen Rückzug angekündigt hat.

Vorsichtiger Optimismus für 2026

Für das laufende Jahr 2026 strebt Endress+Hauser ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich an und will 250 neue Stellen schaffen. Der Krieg in Nahost erhöhe jedoch die wirtschaftliche Unsicherheit, räumte CEO Selders ein. „Wir werden uns auf das fokussieren, was uns auch in der Vergangenheit stark gemacht hat: nahe an Markt und Kunden bleiben, zuverlässig und in hoher Qualität liefern, unser Netzwerk und Portfolio ausbauen, neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Unser Ziel bleibt Wachstum.“

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