Newsticker Juni: Aktuelles aus der Prozessindustrie Nach Chemieunfall alle Mitarbeiter wieder zu Hause

Quelle: dpa 32 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

23.06.2026

Köln (dpa/lnw) *10:07 Uhr – Nach Chemieunfall alle Mitarbeiter wieder zu Hause

Nach einem Unfall im Chempark Dormagen sind nun alle in Krankenhäuser eingewiesenen Mitarbeiter wieder zu Hause. Die letzten Patienten seien am Dienstag entlassen worden, teilte der Chempark mit. Insgesamt seien 27 Menschen vorsorglich medizinisch überwacht worden. 25 von ihnen wurden demnach in der Nacht und am frühen Morgen vom Chempark aus in Krankenhäuser gebracht. Zwei weitere hätten sich eigenständig zur medizinischen Überwachung in Kliniken begeben und seien deshalb erst nachträglich erfasst worden, hieß es.

Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Hinweise auf eine vorsätzliche Tat gebe es bislang nicht, teilte die Polizei Köln mit. Im Chempark war am frühen Samstagmorgen eine phosgenhaltige Flüssigkeit ausgetreten. Phosgen ist giftig und wird unter anderem zur Herstellung von Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel und Pharmazeutika verwendet.

Nürnberg (dpa/lby) *08:39 Uhr – Menschliches Versagen war Ursache für tödlichen Chemieunfall

Menschliches Versagen hat den Ermittlungen der Polizei zufolge den tödlichen Chemieunfall in Nürnberg verursacht.

Bei dem Unglück im Mai war ein Mitarbeiter der Firma gestorben, weitere wurden verletzt. Es habe ein Fehlverhalten bei der Handhabung chemischer Stoffe gegeben, sagte Polizeisprecher Oliver Trebing.

Gutachten hätten ergeben, dass dabei Schwefelwasserstoff ausgetreten sei, der unbeabsichtigt durch die Verbindung anderer Stoffe entstanden sei, sagte Trebing. «Es gibt keinen Beschuldigten.» Deshalb werde kein Ermittlungsverfahren eröffnet. Weitere Details nannte er nicht. Die «Nürnberger Nachrichten» hatten zuvor über die Ermittlungsergebnisse berichtet.

Ein Großaufgebot der Feuerwehr war am 15. Mai nach dem Unglück zu dem Betrieb ausgerückt, darunter mehrere Trupps in Chemikalienschutzanzügen. Etwa 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten die Rettungskräfte aus dem Gebäude holen.

22.06.2026

Köln (dpa) *17:20 Uhr – Nach Chemieunfall noch drei Mitarbeiter im Krankenhaus

Nach dem Zwischenfall im Chempark Dormagen in der Nacht zum Samstag befinden sich noch drei Mitarbeiter im Krankenhaus. Insgesamt seien 26 Personen verletzt worden, teilte die Kölner Polizei mit. «Davon wurden fünf Personen stationär zur Beobachtung aufgenommen. Zwei dieser Geschädigten wurden zwischenzeitlich wieder entlassen, sodass sich derzeit noch drei Geschädigte stationär zur Beobachtung im Krankenhaus befinden.»

Zur Unfallursache teilte die Polizei mit, ersten Erkenntnissen zufolge sei es zu einem Gasaustritt von Phosgen zwischen zwei Tanks gekommen. Erkenntnisse zu einer vorsätzlichen Tathandlung lägen bislang nicht vor. Die Ermittlungen dauerten an.

Im Chempark war am frühen Samstagmorgen eine phosgenhaltige Flüssigkeit ausgetreten. Phosgen ist giftig und wird unter anderem zur Herstellung von Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel und Pharmazeutika genutzt.

Leuna (dpa/sa) *14:39 Uhr – Gewerkschaft sieht weiter Chancen für Leuna Polyamid

Nach der erneuten Insolvenz der Leuna Polyamid GmbH sieht die Chemiegewerkschaft IGBCE weiterhin Chancen für den Erhalt des Standorts. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung könne dem Unternehmen Zeit verschaffen, einen zusätzlichen Investor zu finden, teilte die Gewerkschaft mit. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Monaten unter schwierigen Bedingungen den Betrieb aufrechterhalten.

Die Leuna Polyamid GmbH hatte erst Anfang April die insolvente Domo Caproleuna übernommen und rund 439 Arbeitsplätze gesichert. Vergangene Woche stellte das Unternehmen jedoch selbst einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Als Grund nannte die Geschäftsführung stark gestiegene Rohstoffpreise infolge geopolitischer Entwicklungen sowie zusätzliche Liquiditätsprobleme durch Vorkasseforderungen von Lieferanten.

Die IGBCE wertete das Verfahren als geordneten Neustartversuch und unterstützte die Suche nach einem strategischen Investor. Für die Beschäftigten sei die erneute Insolvenz zwar ein schwerer Schlag, sie unterscheide sich jedoch von der früheren Insolvenz der Domo Caproleuna, da das Unternehmen unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sei.

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Zugleich warnte die Gewerkschaft vor Folgen für den gesamten Chemiepark Leuna. Der Ausfall eines Unternehmens könne Auswirkungen auf weitere Betriebe im industriellen Verbund haben. Ziel müsse deshalb sein, den Standort mit seinen Arbeitsplätzen und bestehenden Lieferbeziehungen zu erhalten.

Die Leuna Polyamid GmbH war von den Unternehmen Infraleuna und Leuna-Harze gegründet worden, um den Betrieb der Domo Caproleuna fortzuführen. Nach Angaben des Unternehmens soll der Geschäftsbetrieb trotz des Insolvenzantrags weiterlaufen. Parallel wird nach Investoren gesucht.

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