Newsticker Dezember: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Chlorgasleck in Chemieanlage in Rheinberg

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07.12.2022

Zeitz/Mannheim (dpa) *14:52 Uhr – Cropenergies plant Anlage für biobasierte Chemikalien in Zeitz

Der Biokraftstoffhersteller Cropenergies plant in Zeitz in Sachsen-Anhalt (Burgenlandkreis) eine Produktionsstätte für biobasierte Chemikalien. Bis spätestens Sommer 2025 solle die Anlage zur Herstellung von erneuerbarem Ethylacetat aus nachhaltigem Ethanol entstehen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Mannheim mit. Vorgesehen ist eine Investitionssumme von 120 bis 130 Millionen Euro im Chemie- und Industriepark Zeitz. Ethylacetat werde verwendet bei der Herstellung flexibler Verpackungen und Beschichtungen, Farben und Klebstoffen sowie in der Lebensmittel-, Getränke-, Kosmetik- und Pharmaindustrie. Der erste Spatenstich sei für Anfang 2024 geplant. Rund 50 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Potsdam (dpa/bb) *12:04 Uhr – Bund setzt Gespräche zur Raffinerie fort – Klarheit kommende Woche?

Bei der Suche nach alternativen Öllieferungen für die Raffinerie PCK in Schwedt soll es nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums in der kommenden Woche mehr Klarheit geben. Dazu laufen seit längerem Gespräche mit Polen und Kasachstan. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) schließt Preissteigerungen an Tankstellen im neuen Jahr nicht aus.

Bislang wird die Raffinerie in Schwedt mit russischem Rohöl versorgt, ab Anfang 2023 soll es wegen des Öl-Embargos gegen Russland aber nicht mehr fließen. Da das Volumen einer Öl-Pipeline von Rostock nach Schwedt nicht ausreicht für die volle Auslastung der Raffinerie, werden zusätzliche Mengen benötigt. Von Schwedt aus werden Tankstellen in Ostdeutschland versorgt.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), sagte am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtags in Potsdam: «Ich bin optimistisch, dass auch über den polnischen Weg zusätzliche Mengen für die PCK bereitstehen.» Er verweis auf Entscheidungen im Zusammenhang mit einem Treffen des Europäischen Rates in Brüssel am 15. Dezember. «Damit werden wir eine Klarheit haben, über welche Mengen wir reden», sagte Kellner.

Die Sorge in der Region ist nach wie vor groß, dass die Raffinerie angesichts des Ölembargos 2023 nicht mehr so ausgelastet ist wie bisher. Auch aus der Opposition im Landtag gab es am Mittwoch Kritik, dass es noch keine sicheren Lösungen gebe.

Kellner war am Montag zu Gesprächen in Polen und kündigte im Landtags-Ausschuss an, dass das Bundeswirtschaftsministerium an diesem Donnerstag Gespräche mit den Anteilseignern der Raffinerie PCK führen werde. Zudem werde in der kommende Woche eine Regierungskommission aus Kasachstan erwartet. In einer Absichtserklärung hatte Polen der Bundesregierung bereits grundsätzlich zugesagt, dass künftig auch Schwedt über Danzig Öl bekommen könne.

Steinbach sagte, er könne nicht ausschließen, dass Mineralölkonzerne von einer Verknappung des Angebots ausgingen und die Preise anheben. Die derzeitigen Preise an den Tankstellen seien künstlich hohe Preise. Steinbach sprach von «Mitnahme-Effekten.» «Wenn sich Mineralölkonzerne vernünftig verhielten, sollte es keine exorbitanten Preissteigerungen geben.»

Genf (dpa) *11:54 Uhr – Airline-Dachverband: Produktion von Biokerosin verdreifacht

Die Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen für den Flugbetrieb macht Sprünge – wenn auch auf noch kleinem Niveau.

In diesem Jahr habe sich die Produktion im Jahresvergleich mindestens verdreifacht, auf 300 Millionen Liter, berichtete der Dachverband vieler Fluggesellschaften, IATA, am Mittwoch in Genf. Optimistische Schätzungen gingen von 450 Millionen Liter aus. Der Verband hält es für möglich, dass bis 2030 schon hundertmal so viel produziert wird.

Die Airlines wollen als Klimaschutzbeitrag bis 2050 Netto-Null-Emissionen aus ihrer Betriebstätigkeit erreichen. Das soll zu 65 Prozent über alternative Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuel/SAF) erreicht werden. Dafür wären nach IATA-Angaben im Jahr 450 Milliarden Liter nötig – mehr als tausendmal so viel, wie 2022 produziert wurde. SAF kann aus Biomasse wie bestimmten Pflanzen hergestellt werden. Weil die Anbauflächen aber eine Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion sind, wird das Biokerosin der zweiten Generation etwa aus Müll, Holzresten, Altöl oder Fetten hergestellt.

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«Regierungen (...) müssen nun umfangreiche Anreize für die SAF-Produktion schaffen», forderte IATA-Generaldirektor Willie Walsh.

«Die Luftfahrt braucht dies, um sich zu dekarbonisieren.» Weltweit seien 450 000 kommerzielle Flüge mit SAF absolviert worden.

Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie gab es in einem einzigen Jahr knapp 40 Millionen kommerzielle Flüge.

Stockholm (dpa) *11:09 Uhr – Chemie-Nobelpreisträgerin sieht Trend zu mehr Frauen unter Geehrten

Die diesjährige Chemie-Nobelpreisträgerin Carolyn Bertozzi sieht eine Entwicklung hin zu mehr Frauen unter den Ausgezeichneten. Es gebe fünf lebende Nobelpreisträgerinnen in der Kategorie Chemie, gleich vier davon seien in den jüngsten vergangenen Jahren mit dem Preis geehrt worden, sagte die US-Forscherin am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Stockholm. «Ich denke, das ist ein sehr positiver Trend», sagte die Biochemikerin. Sie fühle sich zutiefst geehrt, zu diesen Frauen zu zählen.

Seit der ersten Vergabe 1901 sind die Nobelpreise 954 verschiedenen Persönlichkeiten und 27 unterschiedlichen Organisationen zugesprochen worden. 61 Mal ging ein Nobelpreis dabei an Frauen. Auf dem Podium bei der Pressekonferenz in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften saßen die neun diesjährigen Preisträger in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften - acht davon Männer, Bertozzi als einzige Frau. 2020 war der Chemie-Nobelpreis Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna zugesprochen worden, 2018 zählte Frances Arnold zu den Ausgezeichneten in dieser Kategorie.

Einer der weiteren diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger, Morten Meldal, berichtete davon, dass junge Studenten oft fragten, wie man einen Nobelpreis erhalten könne. «Ich sage dann immer: Wenn du einen Nobelpreis willst, wirst du ihn niemals bekommen», sagte der Däne. Was die Forschung antreibe, sei Neugier auf das, was man finden könne, sowie die unentwegte Arbeit mit dem Verstand.

Die diesjährigen Nobelpreisträger waren Anfang Oktober verkündet worden. Die renommierten Auszeichnungen werden an diesem Samstag auf feierlichen Zeremonien in Stockholm und Oslo überreicht.

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