Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Nach dem Fund eines bedenklichen Stoffes im Trinkwasser richtet die Stadt Zehdenick im Landkreis Oberhavel Ausgabestellen für Wasser ein. Haushalte können aus großen Containern mitgebrachte Behälter füllen, wie eine Sprecherin der Stadt sagte. Zudem deckten sich viele Menschen mit Wasser aus dem Supermarkt ein. Die Regale seien leer, wie es hieß. Die Stadt nahm inzwischen weitere Wasserproben und sucht nach der Ursache für den Eintrag. Im Trinkwasser wurde eine erhöhte Konzentration von Bromat festgestellt.
Der Stoff gilt laut Gesundheitsbehörden als möglicherweise krebserregend.
Der Landkreis schickte am Mittwoch eine Warnmeldung heraus. Danach ist das Trinkwasser nicht mehr zum Verzehr geeignet. «Da wir bei der Nutzung des Wassers Sorge um Ihre Gesundheit haben, möchten wir Sie über die Grenzwertüberschreitung informieren», hieß es. Das Wasser darf ausschließlich fürs Duschen und Baden sowie zur Reinigung verwendet werden, so der Landkreis. «Eine Nutzung zum Trinken, zur Zubereitung von Speisen und Getränken, zum Kochen sowie zum Waschen oder Abspülen von Lebensmitteln ist bis auf Weiteres nicht zulässig.» Bei Säuglingen und Kleinkindern sei besonders darauf zu achten, dass beim Duschen oder Baden kein Trinkwasser verschluckt werde. Laut Stadt sind nicht alle Ortsteile betroffen.
Geplant sei, acht Wasser-Ausgabestellen einzurichten, sagte die Sprecherin. Bis zum Montag solle dort die kostenlose Bereitstellung von Wasser sichergestellt werden. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk sind im Einsatz. Wie lange es dauert, die Ursache für den erhöhten Bromat-Wert zu finden und Entwarnung zu geben, blieb unklar.
Die von der Polyamid GmbH in Leuna angemeldete Insolvenz ermöglicht derzeit einen Weiterbetrieb der Anlagen des Unternehmens. «Über das Verfahren konnte eine Finanzierung des Unternehmens für die nächsten Monate sichergestellt und die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs vollständig gesichert werden», teilte die Geschäftsführung mit. Die Polyamid GmbH war im April dieses Jahres als Auffanggesellschaft neu gegründet worden, um das insolvente Chemiewerk Domo Caproleuna zu retten.
Gut zwei Monate nachdem die Domo-Werke vor der Stilllegung bewahrt wurden, hatte dann jedoch auch die Polyamid GmbH einen Insolvenzantrag stellen müssen. Als Grund gab die Geschäftsführung die zu stark gestiegenen Rohstoffpreise an. Die durch das Insolvenzverfahren verschaffte Zeit wolle das Unternehmen nun für Restrukturierungsmaßnahmen und die Suche nach Partnern nutzen, die eine nachhaltige Finanzierung sichern können, hieß es. Es gebe schon erste Anfragen von Interessenten. Sowohl die Chemiegewerkschaft IGBCE als auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister hatten zuvor gute Chancen gesehen, dass der Standort noch einmal gerettet werden kann.
Leverkusen/St. Louis (dpa) *08:42 Uhr – In Klagewelle: Bayer gliedert US-Glyphosatgeschäft aus
Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer lagert sein US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in ein eigenes Unternehmen mit Namen Ruveon aus. Ziel sei es, das Geschäft «optimal auf die spezifischen Anforderungen des US-Marktes auszurichten», teilte Bayer in Leverkusen mit. Ruveon soll sich auf alle Aspekte des US-Glyphosatgeschäfts konzentrieren - von Preisgestaltung bis hin zu Produktion und Logistik. Das Unternehmen habe seinen Sitz in St. Louis, Missouri, und bleibe Teil des Bayer-Konzerns. Bayer begründete den Schritt damit, dass Ruveon eigenständig agiler handeln und damit der spezifischen Wettbewerbsdynamik in dem durch Nachahmerprodukte geprägten Markt besser begegnen könne. Die für das US-Glyphosatgeschäft zuständigen Produkt- und Vertriebsteams seien fortan Teil von Ruveon.
Bayer sieht sich seit Jahren in den USA mit einer milliardenteuren Klagewelle wegen möglicher Krebsrisiken bei seinem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup konfrontiert. Der Konzern hat im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar (knapp 6,4 Mrd Euro) zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten geschlossen, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Die Anhörung für eine endgültige Genehmigung soll am 19. August stattfinden.
In der vergangenen Woche hatte der Konzern einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht des Landes erzielt. Dem Urteil zufolge kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. Das Oberste Gericht berief sich darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien; damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden. Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup.
Stand: 08.12.2025
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Der Verkauf des Lacke-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle spült Milliarden Euro in die Kassen des Chemiekonzerns BASF. Das Ludwigshafener DAX-Unternehmen erhält einen Betrag vor Steuern von rund 5,8 Milliarden Euro. 40 Prozent an der Sparte, zu der etwa Fahrzeugserien- und Autoreparaturlacke sowie Oberflächentechnik gehören, wird BASF weiterhin halten. Vorstandschef Markus Kamieth sprach zum Abschluss des Verkaufs von einem wichtigen Schritt für die Umsetzung des Konzernumbaus. Durch die Eigenkapitalbeteiligung werde der Chemiekonzern zudem auch weiterhin an der Wertschaffung des sogenannten Coatings-Geschäfts profitieren.
Krasnodar (dpa) *16:23 Uhr – Brand in russischer Raffinerie nach drei Tagen gelöscht
Der nach einem ukrainischen Drohnenangriff am Wochenende ausgebrochene Brand in einer Raffinerie in Südrussland ist offiziellen Angaben nach nun gelöscht worden. «Heute um 15:30 kam die offizielle Bestätigung: Das Feuer in der Raffinerie «Slawjansk Eko» wurde vollständig liquidiert», teilte der Notrufdienst des Landkreises Slawjansk-na-Kubani im Gebiet Krasnodar mit.
In der Nacht zum Sonntag hatte die Ukraine die Raffinerie mit Drohnen attackiert. In sozialen Netzwerken verbreitete Videos und Bilder zeugten von einem Großbrand in der Anlage. Gouverneur Wenjamin Kondratjew bestätigte die Schäden. Die Raffinerie in Slawjansk-na-Kubani ist dabei nur eines von Dutzenden Objekten der russischen Ölindustrie, die das ukrainische Militär in den vergangenen Monaten unter Beschuss genommen hat.
Ziel der Angriffe ist es, den angreifenden russischen Truppen die Kraftstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung zu erschweren. Als Folge der ständigen Attacken ist die Treibstoffproduktion in Russland deutlich zurückgegangen. Vor russischen Tankstellen, die noch Benzin verkaufen, bilden sich täglich lange Schlangen.
Zürich / Neuheim (ots) *11:28 Uhr – Brand in russischer Raffinerie nach drei Tagen gelöscht
Die Max Lehner AG mit Sitz in Zürich übernimmt per 1. Juli 2026 das operative Geschäft der Frisag AG in Neuheim. Mit der Übernahme erweitert die Max Lehner ihre Schweizer Plattform für Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Handelchemisch-technischer Qualitätsprodukte. Frisag steht seit 1963 für Spezialchemie aus Schweizer Herstellung im Bereich professioneller Anwendung. Die Marke ist über Jahrzehnte im Schweizer Markt gewachsen und verfügt über ein eigenständiges Sortiment für Reinigung, Desinfektion, Hygiene, FacilityManagement, Gewerbe, Industrie, Gastronomie und öffentliche Einrichtungen.
Die Frisag-Linie folgt einer klaren Produktphilosophie: praxisnah, konzentriert, robust und auf professionelle Anwender ausgerichtet. Im Zentrum stehen wirksame Spezialprodukte mit hoher Anwendungstauglichkeit, Lagerstabilität und möglichst anwenderfreundlichen Eigenschaften. Mit der Integration in die Max Lehner AG wird Frisag als eigenständige Marke weitergeführt - neben maxolen und carlack. Die gewachsene Produktlinie, die Rezepturen, das Know-how, die Kundenbeziehungen und die Marktstellung der Frisag sollen gestärkt und in eine nächste Entwicklungsphase geführt werden. Die Übernahme folgt einer klaren strategischen Überlegung: Frisag war bislang stark im Schweizer Markt verankert. Gerade darin sieht die Max Lehner AG zusätzliches Potenzial. Die Produkte sind konzentriert, professionell, erklärbar und anwendungsbezogen - Eigenschaften, die sie mittelfristig auch für den Export interessant machen.
Hettstedt (dpa/sa) *04:01 Uhr – Wasserstoff-Hochlauf: Technik reif, Preise noch zu hoch
Der Umbau der Industrie auf Wasserstoff läuft auf Hochtouren. Doch vom geplanten Wasserstoff-Kernnetz werden vor allem große Verbraucher profitieren. Viele mittelständische Unternehmen suchen deshalb nach anderen Wegen - obwohl sie ihre Produktion längst auf den klimafreundlicheren Energieträger vorbereiten.
Wasserstoff gilt als Schlüssel für die Dekarbonisierung der Industrie. Vor allem dort, wo hohe Temperaturen benötigt werden - etwa in Gießereien, Glaswerken oder der Chemieindustrie - lässt sich Erdgas häufig nicht einfach durch Strom ersetzen. Grüner Wasserstoff soll dort künftig fossile Brennstoffe ablösen und den CO2-Ausstoß deutlich senken. Grundlage dafür ist das bundesweite Wasserstoff-Kernnetz, das die Bundesnetzagentur Ende 2024 genehmigt hat. Bis 2032 sollen bundesweit rund 9.000 Kilometer Leitungen entstehen, die große Industriezentren, Speicher, Erzeugungsanlagen und Importpunkte miteinander verbinden. Ein Großteil der Leitungen entsteht durch die Umrüstung bestehender Erdgas-Pipelines. Viele kleinere Betriebe werden jedoch keinen direkten Anschluss erhalten.
Wie schwierig der Umstieg für den Mittelstand werden kann, zeigt die HMT Höfer Metall Technik in Hettstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz.Der mittelständische Betrieb fertigt mit rund 250 Mitarbeitern Aluminiumprofile und Gussteile unter anderem für die Automobilindustrie. Seit mehreren Jahren entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Forschungspartnern Verfahren, um Schmelzöfen künftig mit Wasserstoff statt Erdgas zu betreiben. Nach Angaben von Geschäftsführer Christian Schwarz sollen die ersten Versuche mit Wasserstoff in den kommenden Wochen beginnen.
Mit dem Thema Wasserstoff beschäftigt sich HMT bereits seit 2021. Seither war das Unternehmen an mehreren Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt, um den Energieträger für die Aluminiumproduktion nutzbar zu machen.
Der Geschäftsführer beschreibt den Umbau einer laufenden Produktion als «Operation am offenen Herzen». Die Anlagen müssten modernisiert werden, ohne dass die Fertigung stillstehe oder die Qualität der Produkte leide. Für HMT geht es dabei nicht nur um Forschung. Das Unternehmen liefert Aluminiumprofile und Bauteile unter anderem an die Automobilindustrie und will seine Produktion langfristig klimafreundlicher machen. Klimafreundlich hergestelltes Aluminium könne künftig ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten, sagt Schwarz.
Dass Wasserstoff in vielen Industrieprozessen grundsätzlich funktioniert, steht aus Sicht von Fachleuten inzwischen kaum noch infrage. «Die Technik ist soweit ausgereift», erklärt Anne Giese vom
Gas- und Wärme-Institut (GWI). Moderne Brennersysteme könnten bereits heute mit Erdgas, Wasserstoff oder Mischungen aus beiden betrieben werden. Gemeinsam mit dem GWI und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg untersucht HMT unter anderem, ob sich durch den Einsatz von Wasserstoff die Eigenschaften des Aluminiums verändern. Bislang gebe es dafür keine Hinweise. Nun soll der Einsatz unter realen Produktionsbedingungen erprobt werden. Nach Angaben von Giese gehören gerade industrielle Schmelzprozesse zu den Anwendungen, bei denen Wasserstoff als Alternative zu Erdgas besonders interessant ist. Der hohe Wärmebedarf lasse sich dort häufig nicht ohne Weiteres elektrisch decken.