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Pharmaforschung in Deutschland 2021 sind mehr als 30 neue Medikamente zu erwarten

Redakteur: MA Alexander Stark

Die Pharmaunternehmen in Deutschland haben neue Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedliche Krankheiten in der Pipeline. Für 2021 erwartet der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (Vfa) insbesondere neue Medikamente gegen Covid-19 und verschiedene Krebsarten, aber auch mehrere neue HIV-Medikamente und Antibiotika. Auch für Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose, angeborenen Stoffwechselstörungen und vielen anderen Krankheiten dürfte es laut Vfa-Präsident Han Steutel neue Behandlungsmöglichkeiten geben.

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Von Pharmaunternehmen in Deutschland sind 2021 mehr als 30 neue Medikamente zu erwartern.
Von Pharmaunternehmen in Deutschland sind 2021 mehr als 30 neue Medikamente zu erwartern.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Die in der EU beantragten oder kürzlich erteilten Zulassungen für neue Medikamente sowie die beschleunigten Entwicklungsprogramme für Covid-19-Medikamente lässt auf neue Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedle Krankheiten hoffen. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen rechnet auf dieser Basis damit, dass Unternehmen 2021 mehr als 30 Medikamente mit neuem Wirkstoff in Deutschland herausbringen; 2020 waren es 32. Zusätzlich dürfte das Anwendungsgebiet einiger schon eingeführter Medikamente auf weitere Krankheiten erweitert werden – darunter Covid-19 und verschiedene Krebsarten.

Gegen Infektionskrankheiten

Die Entwicklungsarbeit in bisher nie gesehener Intensität gegen Covid-19 dürfte 2021 zur Einführung weiterer Impfstoffe wie auch therapeutischer Medikamente führen. Die in einigen dieser Medikamente enthaltenen Antikörper können entweder die Viren bekämpfen oder aber bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten das Immunsystem bremsen, wenn es überreagiert. Impfstoffe und Therapeutika dürften helfen, die Pandemie im Laufe des Jahres in Deutschland zurückzudrängen.

Neue Medikamente könnten aber auch gegen HIV-Infektionen herauskommen - insbesondere für Patienten, deren bisherige Therapie durch Resistenzentwicklung der Viren ihre Wirksamkeit verloren hat. Außerdem könnten mehrere neue Antibiotika verfügbar werden, die auch bei Bakterien mit Resistenzen gegen ältere Medikamente wirksam sind. Hinzu kommen dürfte noch ein Mittel gegen Milzbrand, das Antikörper enthält. Solche Medikamente sind wichtige Beiträge der Unternehmen zur Überwindung des wachsende Resistenzproblems. Gegen andere resistente Keime werden aber noch Lösungen benötigt, auch um sich gegen mögliche weitere Pandemien zu wappnen, erläutert Vfa-Präsident Han Steutel. Geeignete Mittel zu entwickeln und die nachhaltige Finanzierung und Erstattung dieser Entwicklungen zu sichern, sei eine der großen Aufgaben von Industrie und Politik für die nächsten Jahre. Mit dem 2020 gegründeten AMR Action Fund für Investment in Antibiotikaentwicklungen sei die Pharma-Industrie hier in Vorleistung gegangen, so Steutel weiter. Insgesamt dürften die Medikamente gegen Infektionskrankheiten ein Viertel oder mehr der Neueinführungen von 2021 ausmachen – ein seit vielen Jahren nicht mehr erreichter Spitzenwert.

Gegen Krebserkrankungen

Ein weiteres Viertel der neuen Medikamente 2021 dürfte gegen unterschiedliche Krebserkrankungen gerichtet sein. Damit dürften unter anderem zwei neue CAR-T-Zell-Therapien ermöglicht werden. Bei diesen werden patienteneigene Immunzellen im Labor gentechnisch so ausgerüstet, dass sie nach Rückführung in den Körper die Tumorzellen bekämpfen können - in vielen Fällen noch jahrelang. Die neuen CAR-T-Zell-Therapeutika sollen Patienten mit Mantelzelllymphom oder Multiplem Myelom weitere Behandlungsmöglichkeiten bieten.

Andere neue Krebsmedikamente könnten bei Patienten mit ganz unterschiedlichen Krebsarten eingesetzt werden, darunter solchen von Brust, Lunge, Gebärmutter, Gehirn, Gallengang und Sehnen. Auch verschiedene Leukämien und Lymphome werden adressiert. Dabei spielen personalisierte Therapien – also auf bestimmte Genmutationen in den Tumorzellen zugeschnittene Mittel – eine große Rolle. Zudem dürften schon früher eingeführte Krebsmedikamente weitere Anwendungsgebiete dazu bekommen und so das therapeutische Sortiment erweitern.

Seltene Stoffwechselstörungen

Tausende angeborene Stoffwechselstörungen sind bis heute nicht ursächlich behandelbar. 2021 soll sich das durch Medikamente unter anderem für Patienten mit Cushing-Syndrom (Hormonstörung), Hyperoxalurie Typ 1 (Oxalsäure-Überproduktion), Hutchinson-Gilford-Progerie (beschleunigte Alterung) und den Leptin-Rezeptor- und Proopiomelanocortinmangel (der zu starkem Übergewicht führt) bessern.

Für Patienten mit metachromatischer Leukodystrophie oder angeborenem Mangel an L-Aminosäuren-Decarboxylase könnten Gentherapien verfügbar werden. Wie bei anderen Gentherapien auch sollen sie mit dem Ziel eingesetzt werden, durch eine einmalige Behandlung die Situation der Behandelten nachhaltig zu verbessern. Alle diese Medikamente haben von der EU den Orphan Drug-Status erhalten, weil sie eine wesentlich verbesserte Behandlungsmöglichkeit für die betreffende seltene Krankheit in Aussicht stellen. Ob das der Fall ist, wird stets vor der Zulassung nochmals eingehend geprüft.

Gegen weitere Erkrankungen

Zum breit gefächerten Spektrum neuer Medikamente von 2021 könnten auch Mittel gehören, die mit einem neuen Wirkprinzip gegen schwere Depression oder überhöhten Cholesterinspiegel eingesetzt werden können. Auch zur Dauertherapie von Multipler Sklerose und für die Kurzzeitnarkose könnten neue Arzneimittel herauskommen.

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