Worldwide China Indien

Ex-geschützte Analysenleitung

Was Sie bei der Gefahrenanalyse von Analyseleitungen beachten müssen

| Autor / Redakteur: Herbert Beck / Tobias Hüser

Zwischen dem Außenmantel und der Isolation der PSG Ex² Leitung wird eine Aluminiumfolie verseilt, um eine Aufladung des Außenmantels zu verhindern.
Zwischen dem Außenmantel und der Isolation der PSG Ex² Leitung wird eine Aluminiumfolie verseilt, um eine Aufladung des Außenmantels zu verhindern. (Bild: PSG Petro Service)

Ex-geschützte Analysenleitung überzeugt durch flexibles Kürzen und Wirtschaftlichkeit – Das Thema Sicherheit macht auch vor der Analysentechnik nicht halt. Vorgaben wie die Atex-Richtlinie zwingen Hersteller von Analysenleitungen dazu, Gefahrenanalysen und die bestimmungsgemäße Verwendung zu überdenken. Immer wichtiger wird die Betrachtung nichtelektrischer Komponenten, die eine mögliche Zündquelle aufweisen können.

Auch wenn optische Verfahren zur In-situ-Messung direkt im Prozess zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind extraktive Probeentnahmesysteme schon allein wegen ihrer Zuverlässigkeit in vielen Bereichen der chemischen und petrochemischen Industrie Status Quo. Sobald extraktiv entnommen wird, muss die Probe transportiert werden. Dies geschieht mittels einer so genannten Probenentnahme- oder auch Analysenleitung. Neben der enormen Entfernung, die von Probenahme bis hin zur Analyse überbrückt werden muss, durchläuft eine Analysenleitung oftmals auch verschiedene Anlagenbereiche und damit auch explosionsgefährdete Bereiche und deren Zonen. Dadurch stellen sich besondere Anforderungen an den Gesamtzusammenbau einer Analysenleitung.

Mögliche Aufladung des Außenmantels wird kontrovers diskutiert

Kontrovers wird bei Betreibern und Anlagenbauern eine Frage diskutiert, die rechtlich über die TRBS 2153 eindeutig beantwortet ist: Bei der Vermeidung von Zündgefahren in Folge elektrostatischer Aufladungen sind nicht nur die elektrischen Komponenten einer Analysenleitung (z.B. das Heizband), sondern auch alle weiteren Bauteile zu berücksichtigen. Besteht zum Großteil noch Einigkeit, dass beim Transport eines Mediums im Inneren der Leitung über Partikel eine elektrostatische Aufladung entstehen kann, so gehen die Meinungen und Einschätzungen einer möglichen Aufladung des Außenmantels weit auseinander.

Um diesen Umstand zu erklären, hilft ein Blick auf die Historie: Wurde in der Vergangenheit eine Ex-Zertifizierung des Heizkabels als ausreichend angesehen, werden auch aktuell noch viele Leitungen betrieben, die keinen zusätzlichen Schutz liefern. Es fällt natürlich nicht leicht, damals als Stand der Technik befundene Konzepte nun gänzlich zu verwerfen – zudem wären die Kosten für einen Austausch der bestehenden Leitungen enorm.

Nach Richtlinie 1999/92/EG §3 ist der Betreiber verpflichtet, eine Beurteilung der Explosionsrisiken in der Gesamtheit vorzunehmen. Entscheidender Punkt ist nun, ob die elektrostatische Aufladung einer Analysenleitung mit einer Maßnahme belegt wird oder nicht. Der Betreiber ist somit zu einer Überprüfung verpflichtet, kann jedoch zur Ansicht gelangen, dass es keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen geben muss und damit auch weiterhin und zukünftig eine „herkömmliche“ Analysenleitung eingesetzt werden kann.

Ex-Leitungen klassifiziert

Bis zum letzten Jahr wurden die Betreiber und Anlagenbauer vor eine schwere Entscheidung gestellt: Entscheidet man sich für das herkömmliche Konzept, in dem keine Maßnahme gegen die elektrostatische Aufladung getroffen wurde, besteht ein tendenziell höheres Risiko. Diesem konnte die Auswahl einer Ex-Analysenleitung mit Systemzulassung zwar entgegentreten, jedoch wurde diese auf Kosten dreier wesentlicher Nachteile erkauft:

  • Außenmantel: Die Ableitfähigkeit des Außenmantels wird durch das Hinzufügen von Kohlenstoff erreicht, hierbei können sich Nachteile in der Beständigkeit gegenüber extrudierten Leitungen mit PVC- oder TPU-Mantel ergeben.
  • Kein Kürzen möglich: Die Leitung wird vom Hersteller fertig konfektioniert geliefert, ein flexibles Kürzen und Konfektionieren wie bei vielen Baustellen notwendig, ist nicht möglich.
  • Wirtschaftlichkeit: Insbesondere die Verwendung des ableitfähigen Mantelmaterials führt zu enormen Kostensteigerungen, kombiniert mit der eingeschränkten Beständigkeit des Materials sorgt dies für eine deutliche Steigerung der Total Costs of Ownership.

Der vermeintliche Vorteil einer Analysenleitung mit Systemzulassung nach EG-Baumusterprüfung in Form des reduzierten Aufwands bei der Vorort-Prüfung ist nur bedingt gegeben, auch hier muss eine nach TRBS 1203 Nr. 3.1 und 3.3 befähigte Person den korrekten Anschluss prüfen und dokumentieren.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42949992 / Explosionsschutz)