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ACHEMA 2015 – Trendbericht Anlagenbau

Trend zu Groß- und Megaprojekten beim Anlagenbau hält an

| Autor/ Redakteur: Dechema / Tobias Hüser

Nicht zuletzt die Schiefergas-Bonanza in den USA beschert europäischen und vor allem deutschen Anlagenbau-Anbietern eine wahre Projektflut. Doch der Trend zu Großprojekten macht nicht nur EPC-Anbietern zu schaffen, sondern auch den Owners-Engineers in den Chemieunternehmen. Diese suchen neue Formen der Zusammenarbeit, mit Sicherheit auch auf der ACHEMA 2015 in Frankfurt.

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Die mittelfristigen Aussichten für den Chemieanlagenbau sind mehr als positiv. Allerdings verschieben sich Projektstruktur und Märkte.
Die mittelfristigen Aussichten für den Chemieanlagenbau sind mehr als positiv. Allerdings verschieben sich Projektstruktur und Märkte.
(Bild: BASF)

In der Chemie wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ob Ludwigshafen oder Dormagen, Al Jubail oder Freeport – weltweit haben Chemiekonzerne wie BASF, Bayer oder Dow riesige Projekte angeschoben. Allein der Branchenprimus BASF hat sich vorgenom-men, den Umsatz von derzeit rund 74 Milliarden Euro auf 110 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu steigern. Um diese Zahl Realität werden zu lassen, investiert das Chemieunternehmen jährlich rund vier Milliarden Euro in neue Anlagen.

Beim Rivalen Dow sind ähnliche Entwicklungen im Gange: Derzeit hat das US-Chemieunternehmen gleich mehrere Mega-Projekte im Bau. Am saudischen Industriestandort Al Jubail stampft der Chemiemulti gemeinsam mit dem Ölkonzern Saudi Aramco für rund 10 Milliarden Euro den Petrochemie-Komplex Sadara aus dem Wüstenboden. Gleichzeitig hat Dow im Juni im texanischen Freeport mit dem Bau eines 1,3 Milliarden Euro teuren Ethancrackers begonnen, der ab 2017 jährlich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff- und Elastomerprodukte liefern soll.

Schenkt man den Zahlen des US-Chemieverbands ACC Glauben, dann werden sich die Investitionen in Chemieanlagen weltweit innerhalb von acht Jahren verdoppeln und 2018 insgesamt 487 Milliarden Euro erreichen. Damit schlägt das Wachstum des Chemieanlagenbaus die branchenübergreifende Entwicklung des weltweiten Großanlagenbaus um Längen. Dort registriert die Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau des deutschen Maschinenbauverbands VDMA seit etwa acht Jahren einen jährlichen Zuwachs von rund fünf Prozent. Der Grund dafür liegt in den globalen Megatrends: Dazu gehören das weltweite Bevölkerungswachstum, eine wachsende Mittelschicht in Schwellenländern und der Hunger nach Rohstoffen.

„Einzelne Projekte werden immer größer“

Doch die positive Entwicklung bringt sowohl für die Investoren aus der Chemie als auch für die Auftragnehmer im Anlagenbau zahlreiche Herausforderungen mit sich. In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Projektstruktur verändert, sondern auch die Rollenmodelle zwischen Betreibern, betreibereigenen Ingenieurabteilungen und den Anlagenbauunternehmen sind in Bewegung geraten.

„Dem Angebot im Anlagenbau steht eine im Volumen tendenziell konstante, aber strukturell veränderte Nachfrage gegenüber – die einzelnen Projekte werden immer größer“, sieht Prof. Dr. Aldo Belloni, der im Vorstand des Linde-Konzerns für die Engineering Division verantwortlich ist, die Situation. Für europäische Anlagenbau-Anbieter, die ihren Schwerpunkt traditionell in der Technologiekompetenz sehen und nur begrenzte Abwicklungskapazitäten haben, ist diese Entwicklung heute oft ein Problem.

Ihnen fehlt auf der einen Seite das Personal für die Montageabwicklung, andererseits erfordert die Übernahme der mit Megaprojekten verbundenen finanziellen Risiken Anlagenbauunternehmen mit einer kritischen (Umsatz-)Masse. Außerdem müssen Anlagenbauer dazu in der Lage sein, hoch-komplexe Hightech-System an immer unwirtlicheren Orten auf der ganzen Welt zu installieren.

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