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ACHEMA 2015 – Trendbericht Anlagenbau

Trend zu Groß- und Megaprojekten beim Anlagenbau hält an

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Neben dem klassischen EPCM-Modell eines Owners Engineers schreibt beispielsweise das BASF-Engineering Projekte auch im EPC-Modell aus; außerdem wurden sogenannte „Engineering Partnerschaften“ etabliert, bei denen Anlagenbau-Partner zu bereits festgelegten Konditionen ohne Ausschreibung Projekte übernehmen. Die Engineering-Partner wurden vorher über eine projektunabhängige Ausschreibung ausgewählt. „Eins ist allerdings klar: In der Konzeptionsphase werden wir so weit wie möglich eigene Leute einsetzen, denn hier liegt der höchste Werthebel“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Gerhardt, Senior Vice President Engineering bei der BASF.

EPCM- oder EPC-Modell?

Nach welchem Ausführungsmodell ein Projekt realisiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für Projekte, in denen die BASF vorwiegend eigene Technologie einsetzt und bei denen die Anlagen in bestehende Standorte und Anlagen integriert werden, setzen die Ingenieure nach wie vor auf das klassische EPCM des Owners Engineering. Wenn gleiche Anlagen wiederholt gebaut werden sollen und dabei Technologie von Dritten zum Einsatz kommt, dann wird im klassischen EPC-Abwicklungsmodell gearbeitet. Wenn der Zeitdruck hoch ist, verzichten die Owners Engineers auf eine Angebotsphase und arbeiten mit vorher im Wettbewerb selektierten Engineering-Partnern zusammen.

Auch die Projektgröße spielt eine wichtige Rolle. Während EPC und Engineering-Partnerschaft vor allem für Großprojekte in Frage kommen, bleibt Chemieunternehmen mit kleinen Projekten oder solchen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich meist nur die EPCM-Abwicklung. Denn für große EPC-Anbieter haben solche Projekte häufig keine Priorität.

Doch der Bedarf an EPC-Partnern mit der Bereitschaft, Gesamtverantwortung zu übernehmen, ist da. Das bekommen insbesondere auch mittelständische Systemanbieter auf globalen Märkten zu spüren. „Insbesondere in Regionen wie Afrika wollen die Kunden EPC“, verdeutlicht beispielsweise Dr. Reinhold Festge, Präsident des VDMA und Gesellschafter des mittelständischen Systemanbieters Haver & Boecker.

Festge plädiert deshalb für eine Zusammenarbeit unter deutschen und europäischen Anlagenbau-Unternehmen, um „EPC-fähig“ zu werden. Kooperationen wie die „Excellence United“ genannte Initiative, in der fünf Spezialmaschinenbauer für Pharmahersteller Anlagenlösungen weltweit aus einer Hand anbieten, zeigen, wie das in der Praxis funktionieren kann.

Und häufig haben Systemanbieter aus dem Mittelstand den klassischen EPC-Anlagenbau-Unternehmen eines voraus: Sie sind oft in den Zielmärkten – sei es Asien, Afrika, Südamerika oder Russland – bereits mit eigenen Servicegesellschaften vor Ort. Anlagenbauer wie der Metallurgiespezialist Outotec sehen deshalb im Aufbau von Serviceniederlassungen eine Strategie, um einerseits in neuen Märkten Fuß zu fassen und andererseits das konjunkturanfällige Projektgeschäft auszubalancieren.

Fazit

Die mittelfristigen Aussichten für den Chemieanlagenbau sind mehr als positiv. Allerdings verschieben sich Projektstruktur und Märkte. Der Wettbewerb um Großprojekte wird aufgrund der zunehmenden asiatischen Konkurrenz härter. Aber auch die Rollenverteilung zwischen betreibereigenen Ingenieurstäben und Anlagenbau-Dienstleistern wird von den sich ändernden Rahmenbedingungen beeinflusst.

* Dieser Trendbericht wurde von internationalen Fachjournalisten im Auftrag der Dechema zusammengestellt.

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