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ACHEMA 2015 – Trendbericht Anlagenbau

Trend zu Groß- und Megaprojekten beim Anlagenbau hält an

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USA wird zum Eldorado für den Anlagenbau

Dass die vergangenen Jahre für den europäischen und deutschen Chemieanlagenbau trotzdem sehr erfreulich waren, liegt u.a. am Schiefergas-Boom in den USA. Aufgrund der Öl- und Gasflut sind die Rohstoffpreise für amerikanische Chemieunternehmen stark gesunken – die Industrie investiert derzeit massiv in den Ausbau ihrer Produktionsstätten. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens IHS wird die Förderung unkonventioneller Energieträger wie Schiefergas und Schieferöl bis 2025 allein in der US-Chemie Investitionen in Höhe von 79 Milliarden Euro anschieben.

Es könnte aber auch mehr werden. Denn allein in 2013 waren in den USA 126 Chemieprojekte mit einem Gesamtvolumen von 66 Milliarden Dollar angekündigt worden. Bis 2018 wird dem Branchen-verband ACC zufolge ein Zehntel der globalen Chemieinvestitionen in den USA getätigt werden. In den USA können Anlagenbau-Dienstleister aus Europa vor allem mit High-Tech-Lösungen punkten und treffen vor Ort auf eine Struktur, in der eine Arbeitsteilung zwischen Verfahrensgebern und Planern auf der einen Seite und der Montageabwicklung durch Engineeringunternehmen vor Ort auf der anderen Seite geübte Praxis ist.

Doch auch in Anlagenbauprojekten greift das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Auftraggeber und EPC-Kontraktoren müssen mit rasant steigenden Kosten kalkulieren. Bereits heute berichten Anlagenbauer insbesondere für Projekte in den Bundesstaaten der Golfregion – Texas und Lousiana – über steigende Montagekosten. Ein erwarteter Kostenanstieg von 10 auf fast 16 Milliarden Euro hatten im Dezember 2013 den Energiekonzern Shell veranlasst, die Planungen für den Bau einer Gas-to-liquids-Anlage in Louisiana zu stoppen.

Derweil hält der südafrikanische Sasol-Konzern an seinen Planungen für eine bis zu 11 Milliarden Euro teure GTL-Anlage in Louisiana fest. Eine endgültige Entscheidung für das Projekt soll allerdings erst nach Abschluss der Vorplanung (FEED) in 2016 getroffen werden.

Owners Engineers suchen das passende Abwicklungsmodell

Für die Ingenieurstäbe auf der Seite der Chemieinvestoren besteht unter diesen Rahmenbedingungen die Kunst darin, den richtigen Mix aus eigenen Ressourcen, zugekauften Engineeringleistungen und dem passenden Rollenmodell zu finden. Kaum einer der Auftragnehmer lässt sich angesichts knapper Montageressourcen in Nordamerika auf eine Abwicklung zu einem lange vor der Fertigstellung kalkulierten Festpreis (Lump Sum Turn-key) ein. Und für eine Abwicklung komplett aus eigener Kraft fehlt auch Investoren mit ausgeprägten Owners-engineers-Kapazitäten die Manpower.

In der Chemie werden deshalb inzwischen verschiedene Abwicklungsmodelle angewendet. Der klassische Ansatz der betreibereigenen Ingenieurabteilungen in der Chemie ist das EPCM-Modell. Das Kürzel steht dabei für „Engineering Procurement Construction Management“. Im Gegensatz zum EPC-Auftrag, bei dem der Anlagenbetreiber ein Anlagenbau-Unternehmen komplett mit der Planung, der Beschaffung des Equipments und dem Bau beauftragt, behält der Betreiber beim EPCM die volle Verantwortung und Kontrolle über das Projekt.

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