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Tarifrunde Chemie 2019 Tarifabschluss nach schwierigen Verhandlungen

| Redakteur: Alexander Stark

Nach zähen Gesprächen haben sich Chemie-Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG BCE am Freitagnachmittag auf ein umfangreiches Tarifpaket für die 580.000 Beschäftigten der Chemie-Branche geeinigt. Das Gesamtvolumen entspricht einer Entgeltsteigerung von 6 %. Bei dem Abschluss konnte sich die Gewerkschaft auch mit der Schaffung eines Zukunftskontos im Gegenwert von fünf freien Tagen pro Jahr und einer Pflegezusatzversicherung durchsetzen.

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Alle Hände gingen nach oben, als die Bundestarifkommission am Freitagnachmittag über das Tarifpaket für die 580.000 Chemie-Beschäftigten abstimmte.
Alle Hände gingen nach oben, als die Bundestarifkommission am Freitagnachmittag über das Tarifpaket für die 580.000 Chemie-Beschäftigten abstimmte.
(Bild: IG BCE)

Berlin – Noch am Donnerstag hatten BAVC und IG BCE bis tief in die Nacht miteinander verhandelt. Ob es noch eine Einigung geben könnte, blieb lange unklar. Doch am Freitag teilten die Verhandlungspartner bereits mit, dass ein umfassendes Tarifpaket für die Angestellten der Chemiebranche geschnürt werden konnte. Darin enthalten ist Deutschlands erste tarifliche Absicherung für den Pflegefall für sämtliche Tarifbeschäftigte einer Branche.

Neben moderaten Entgelterhöhungen profitieren die Beschäftigten ab 2020 zudem von einem Zukunftsbetrag, der zunächst 9,2 % eines tariflichen Monatsentgelts beträgt und bis 2022 auf 23 % ansteigt. Dieser Betrag kann auch für die flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit eingesetzt werden. Im Gegenzug können die Unternehmen individuell längere Arbeitszeiten vereinbaren. Die Umwandlung des Zukunftsbetrags in freie Tage ist nur möglich, wenn die notwendigen Kapazitäten im Betrieb sichergestellt sind. Mit 29 Monaten Laufzeit ist dies der längste Tarifabschluss in der Chemie seit 1987. Vereinbart wurde zudem, die Altersfreizeit-Regelung zu überarbeiten.

Der Zukunftsbetrag kann für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Bis 30. September 2020 wählen die Betriebsparteien mindestens 2 von 8 tariflich vorgegebenen Optionen.
Der Zukunftsbetrag kann für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Bis 30. September 2020 wählen die Betriebsparteien mindestens 2 von 8 tariflich vorgegebenen Optionen.
(Bild: Bundesarbeitgeberverband Chemie)

Wirtschaftlicher Realismus und tarifpolitischer Weitblick prägen nach den Worten von BAVC-Präsident Kai Beckmann den Chemie-Tarifabschluss 2019. „Wir schaffen neue Spielräume bei der Arbeitszeit, stärken die Qualifizierung im digitalen Wandel und gehen mit der Pflegeversicherung auch sozialpolitisch voran. Wir gestalten die neue Arbeitswelt gemeinsam – und das im Einklang mit der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“ Ein besonderer Pluspunkt sei die ausgesprochen langfristige Planungssicherheit für die Betriebe. Der Vorsitzende der IG BCE Michael Vassiliadis hob hervor: „Mit dem Zukunftskonto und der tariflichen Pflegezusatzversicherung gehen wir einmal mehr neue Wege und gestalten wichtige Themen für eine sichere und gute Zukunft unserer Mitglieder.“

Der Abschluss sieht im Einzelnen vor:

Die Schaffung eines individuellen Zukunftskontos für jeden Beschäftigten und Auszubildenden. Es startet 2020 mit zwei freien Tagen und wächst bis 2022 auf fünf freie Tage pro Jahr oder 23 % eines tariflichen Monatseinkommens. Dazu haben beide Seiten den Tarifvertrag „Moderne Arbeitswelt“ entwickelt, der eine Verwendung des Guthabens für unterschiedliche Zwecke vorsieht: Freie Tage können beispielsweise jährlich genommen, auf Langzeitkonten angespart oder für die Altersvorsorge verwendet werden. Auch eine Auszahlung der Tage in Geld ist möglich. Die konkreten Wahloptionen regeln die Betriebsparteien. Dabei soll die Möglichkeit, das Guthaben für zusätzliche Freizeit zu verwenden, Bestandteil sein. Auszubildenden wird das Guthaben auf dem Zukunftskonto in Geld ausgezahlt.

Die Einrichtung der bundesweit ersten Pflegezusatzversicherung zum 1. Juli 2021, die für alle Arbeitnehmer ab sechs Monaten Beschäftigung greifen soll. Die Versicherungsprämie tragen die Arbeitgeber. Bei Eintritt des Pflegefalls deckt die Versicherung bei stationärer Pflege bis zu 1000 Euro, bei ambulanter Pflege bis zu 300 Euro der Kosten. Die Pflegeversicherung wird ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen, sie kann privat aufgestockt oder auf Familienmitglieder ausgeweitet werden.

Entgelterhöhungen in mehreren Stufen: Die Löhne und Gehälter steigen zum 1. Juli 2020 um 1,5 % für zwölf Monate und um 1,3 % zum 1. Juli 2021 für weitere neun Monate. Den Zeitraum bis Juli 2020 decken Einmalzahlungen ab, die aufgrund einer Harmonisierung der Gültigkeitszeiträume der Tarifverträge regional differieren. Sie liegen für Tagschicht-Beschäftigte zwischen 4 und 6 % des Monatsentgelts. Von 2021 an steigt zudem die tarifliche Jahresleistung von derzeit 95 auf 100 % eines Monatsgehalts.

Die „Qualifizierungsoffensive Chemie“, mit der die Tarifparteien die Beschäftigten für neue Anforderungen durch die Digitalisierung weiterbilden wollen. Dazu gehört unter anderem die Programmierung eines Tools, mit dem notwendige Qualifizierungsbedarfe ermittelt werden sollen sowie eine Weiterbildungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter anderem durch die Bundesagentur für Arbeit.

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