Frankfurt (dpa/lhe) *15:59 Uhr – Zahl der Ausbildungsplätze in der Chemiebranche sinkt stark
Angesichts der Krise in der Chemieindustrie bildet die Branche in Hessen weniger aus. Im laufenden Jahr wurden 1.511 Ausbildungsplätze angeboten – ein Rückgang um zwölf Prozent zum Rekordjahr 2024. Das zeigen neue Zahlen des Arbeitgeberverbands Hessen-Chemie und der Gewerkschaft IG BCE Hessen-Thüringen.
Hauptgrund für den Rückgang sei die anhaltende Unsicherheit, sagte Jürgen Funk, der bei Hessen-Chemie für die Berufsausbildung zuständig ist. «Produktion, Umsätze und Erträge befinden sich in der Chemie im Sinkflug – stabiler zeigt sich derzeit nur der Pharmabereich.» Knapp 45 Prozent der Betriebe in der Chemie- und Pharmaindustrie hätten ihre Ausbildungsplätze gemessen am Vorjahr reduziert. Wer aber einen Vertrag hat, hat gute Chance: Die Übernahmequote von Azubis sank auf hohem Niveau nur leicht von 91 auf 86 Prozent.
Die Chemieindustrie leidet seit Jahren unter der schwachen Konjunktur, gestiegenen Energiepreisen und Preisdruck auf den Weltmärkten. Die Pharmaindustrie konnte zuletzt dagegen zulegen. Im kommenden Jahr wollen laut der Angaben 66 Prozent der Chemie- und Pharmaunternehmen ihr Ausbildungsangebot konstant halten, zehn Prozent planen eine Ausweitung und 24 Prozent eine weitere Reduzierung. Die Branche müsse vorsichtiger planen, schlussfolgern die Verbände. «Die Unternehmen fahren auf Sicht.»
Moskau (dpa) *10:00 Uhr – Explosionen in Russland nach ukrainischen Drohnenschlägen
Die Ukraine hat bei neuen Drohnenangriffen weitere Anlagen der Ölindustrie in Russland ins Visier genommen. In der Stadt Sterlitamak in Baschkirien im südlichen Ural kam es bei einem Angriff auf ein petrochemisches Werk zu einer Explosion und drei Bränden. Gouverneur Radi Chabirow sprach von zwei Drohnenattacken gegen einen Industriekomplex in der Stadt, die mehr als 1.500 Kilometer Luftlinie von der ukrainischen Grenze entfernt ist. Trümmerteile der abgeschossenen Flugobjekte seien auf den Komplex gestürzt. Es gebe keine Toten oder Verletzten, sagte Chabirow. Eine Wasseraufbereitungsanlage in dem Werk sei teils zerstört worden, teilte die Stadtverwaltung von Sterlitamak mit.
In der Stadt Kstowo im Gebiet Nischni Nowgorod an der Wolga kam es zu einem Brand in einer Industrieanlage im Bereich einer Ölraffinerie des Konzerns Lukoil und in einem petrochemischen Werk. Das Lukoil-Werk gehört zu den wichtigsten Benzin-Produktionsstätten in Russland. In sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen von Explosionen.
Die russische Führung hatte angesichts der zunehmenden Drohnenattacken zuletzt angekündigt, den Schutz von Ölraffinerien und anderen Objekten der Energiewirtschaft deutlich zu verstärken. Das russische Verteidigungsministerium meldete, dass in der Nacht 85 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien. Es machte aber erneut keine Angaben zu Treffern oder Schäden durch Kiews Angriffe.
Die Ukraine greift in ihrem Abwehrkampf gegen die seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernde russische Invasion immer wieder Ziele im Nachbarland an. Mit dem Beschuss von Anlagen der Ölindustrie will sie den Nachschub für das russische Militär und seinen Angriffskrieg stören. Die Explosionen in den strategisch wichtigen Produktionsstätten wirken sich zudem auf den Handel aus. So ist etwa der Export von Benzin und Diesel eingeschränkt, mit dem das Land wichtige Einnahmen auch für die Fortsetzung des Kriegs erzielt. Die russische Führung räumt zwar Probleme ein, betont aber, die Lage sei trotzdem unter Kontrolle und stabil.
Berlin (dpa) *06:01 Uhr – Datenbank: Öl- und Gasfirmen expandieren weiter
Ungeachtet des sich verschärfenden Klimawandels sind Öl- und Gasfirmen weiter auf Expansionskurs. Das geht aus einer aktualisierten Datenbank der Organisation Urgewald hervor. Sie umfasst nach ihren Angaben mehr als 1.800 Unternehmen, die Öl und Gas fördern oder neue fossile Infrastruktur entwickeln.
Auf der Weltklimakonferenz in Dubai vor zwei Jahren hatte sich die Weltgemeinschaft auf eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas geeinigt. Nach den Daten von Urgewald sind die Investitionen in fossile Infrastruktur heute jedoch ähnlich hoch wie zum Zeitpunkt der Einigung in Dubai. So planen zum Beispiel US-amerikanische Firmen derzeit 125,06 Gigawatt (GW) an neuen Gaskraftwerks-Kapazitäten, gefolgt von chinesischen mit 82,22 GW und mit größerem Abstand vietnamesischen Unternehmen mit 44,86 GW. Auch beim geplanten Bau von Terminals zum Export von Flüssiggas (LNG) liegen die USA vorn, und zwar mit 388,23 Millionen Tonnen pro Jahr, gefolgt von Russland mit 102,70 Millionen Tonnen jährlich, vor Mexiko und Katar mit 66,70 beziehungsweise 64,00 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Daten beziehen sich nach Angaben von Urgewald auf Pläne von Firmen, Regierungsangaben könnten abweichen, falls es zum Beispiel noch keine Projektträger gibt.
Stand: 08.12.2025
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Die Weltklimakonferenz hatte vor zehn Jahren in Paris beschlossen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Derzeit ist man schon bei ungefähr 1,4 Grad. Mit der fortschreitenden Erderwärmung werden unter anderem Ereignisse wie Stürme, Dürren oder Überflutungen wahrscheinlicher.
Berlin (dpa) *04:31 Uhr – Wirtschaftsverbände machen Druck für Bürokratieabbau in EU
Deutsche Wirtschaftsverbände machen Druck für weniger Bürokratie in der Europäischen Union. «Die Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit, praxistaugliche Regeln und eine Reduktion auf das Nötigste», heißt es in einem offenen Brief an EU- und Bundespolitik. Hintergrund ist das Abstimmungsergebnis des Europaparlaments zum EU-Lieferkettengesetz.
Ein Kompromiss zur Abschwächung des EU-Lieferkettengesetzes ist vor gut zwei Wochen vorerst geplatzt. Damit muss das Parlament im November erneut über den Inhalt des Vorhabens abstimmen. Es könnte in den entscheidenden Verhandlungen mit den EU-Staaten für strengere oder deutlich schwächere Regeln eintreten. Das europäische Lieferkettengesetz wurde eigentlich bereits vergangenes Jahr beschlossen. Ziel ist, Menschenrechte weltweit zu stärken. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) pocht darauf, die Vorschriften für Unternehmen zu lockern.
In dem Brief der Verbände heißt es, der dringend erwartete Bürokratieabbau in der Europäischen Union dürfe nicht erneut verzögert werden. Dies wäre ein «fatales Signal» an die europäische Wirtschaft. Neben dem Lieferkettengesetz geht es auch um die sogenannte Nachhaltigkeitsberichterstattung. «Die Erwartung der Wirtschaft an die europäische Politik ist klar: Bürokratieabbau darf kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern muss entschlossen umgesetzt werden», heißt es in dem Brief unter anderem von der Stiftung Familienunternehmen und Politik, Gesamtmetall, dem Chemieverband VCI und dem Logistikverband BGA. Die Verbände fordern das EU-Parlament auf, in der kommenden Plenarsitzung im November eine «ambitionierte Position» zu verabschieden. «Europa muss jetzt zeigen, dass es ihm ernst ist, den Bürokratieabbau nachhaltig anzugehen.»