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Kunststoff aus Abgas

Neuer Produktionsanlage soll CO2 als Rohstoff für PUR–Schäume nutzen

| Redakteur: Dominik Stephan

Blick in die Pilotanlage Dream Production am Standort Leverkusen. Nach diesem Vorbild entsteht in Dormagen nun eine ganze Produktionsstraße
Blick in die Pilotanlage Dream Production am Standort Leverkusen. Nach diesem Vorbild entsteht in Dormagen nun eine ganze Produktionsstraße (Bild: Bayer Material Science)

Vom Klimakiller zum Rohstoff: Bayer will CO2 als Material für Schaumstoffe nutzen. Nach erfolgreichen Tests im labormaßstab investieren die Leverkusener jetzt € Millionen in eine erste industrielle Produktionsstraße.

Das Treibhausgas Kohlendioxid wird zu einem Baustein für Kunststoffe: Nach erfolgreicher Testphase und vielversprechender Marktanalyse will Bayer 15 Millionen Euro in den Bau einer Produktionsstraße am Standort Dormagen investieren. Dort soll unter Einsatz von CO2 ein Vorprodukt für hochwertigen Polyurethan-Schaumstoff hergestellt werden. Insgesamt sollen so bis zu 5.000 Tonnen Polyole pro Jahr gefertigt werden. Ziel des Projekts "Dream Production" ist es, mit ersten CO2-basierten Polyolen ab 2016 auf den Markt zu gehen. Bei Weiterverarbeitern von Polyolen und Polyurethanen besteht bereits deutliches Interesse.

Hochwertige Polyole auf Basis von CO2 sind bislang nicht in kommerziellem Maßstab verfügbar. Dabei habe das neue Material mindestens die gleiche hohe Qualität wie konventionell hergestellte Rohstoffe und zusätzlich einen höheren Nachhaltigkeitseffekt, so Bayer-Sprecher: Indem in bestimmtem Umfang CO2 als Baustein verwendet wird, lässt sich ein Teil des erdölbasierten Grundstoffs Propylenoxid einsparen, auf dem Polyole normalerweise komplett beruhen. Die CO2-Bilanz des neuen Verfahrens ist jedenfalls deutlich besser als die herkömmliche Produktionsweise.

Nachhaltige Produktion soll Teil der Geschäftsstrategie werden

"Nachhaltiger zu handeln in allem was wir tun, ist wesentlicher Teil unserer Geschäftsstrategie. Das geschieht im Projekt Dream Production. Es ist uns gelungen, aus dem potenziell klimaschädlichen Abgas einen nützlichen Rohstoff zu machen. Das hilft der Umwelt und den Menschen - wir alle profitieren davon", sagt Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender von Bayer Material Science. Jetzt plant das Unternehmen, die neue Produktionsstraße in einem bereits bestehenden Gebäude zu installieren. "Mit ihrem relativ kleinen Produktionsvolumen ist sie insbesondere auf die Weiterentwicklung der Technologie ausgerichtet", erklärte Dr. Karsten Malsch, Projektleiter für Dream Production bei Bayer Material Science.

Forschung am Rohstoff Abgas mit Partnern

Bayer Material Science hat das Herstellungsverfahren gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft entwickelt. Dabei hat das Unternehmen einen Katalysator entdeckt, der die chemische Reaktion in der geforderten effizienten Weise herbeiführt, und diesen gemeinsam mit der Forschungseinrichtung CAT Catalytic Center in Aachen weiterentwickelt. Das Verfahren wurde im Rahmen des mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungsprojekts "Dream Production" in einer Pilotanlage am Standort Leverkusen intensiv getestet. Gleichzeitig wurde der Marktbedarf untersucht.

„Es ist uns gelungen, aus dem potenziell klimaschädlichen Abgas einen nützlichen Rohstoff zu machen. Das hilft der Umwelt und den Menschen – wir alle profitieren davon“, sagt Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender von Bayer MaterialScience.
„Es ist uns gelungen, aus dem potenziell klimaschädlichen Abgas einen nützlichen Rohstoff zu machen. Das hilft der Umwelt und den Menschen – wir alle profitieren davon“, sagt Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender von Bayer MaterialScience. (Bild: Bayer Material Science)

Das so gewonnene Polyol dient zur Herstellung von Polyurethan-Schaumstoff, der in vielen Alltagsdingen wie Polstermöbeln, Schuhen, Autoteilen und zur Dämmung von Gebäuden und Kühlgeräten verwendet wird. Dr. Karsten Malsch kündigt an: "Das erste große Einsatzgebiet wird voraussichtlich die Matratzen-Produktion sein."

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