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Schüttgut-Technik

Material-Handling-Experten punkten im Anlagenbau

| Autor/ Redakteur: Manja Wühr* / Manja Wühr

Kunststoff- und Lebensmittelhersteller fokussieren sich auf ihr Kerngeschäft. Vor allem bei Schüttgutprozessen in kleineren und mittleren Anlagen geben diese auch Kompetenzen im Engineering auf. Doch wer kümmert sich jetzt um Planung und Engineering dieser Spezialprozesse?

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Material Handling in der Nahrungsmittelindustrie von Coperion Beispiel Logistikanlage: 1 Zellenradschleuse 2 Weiche 3 Schieber 4 Probenehmer
Material Handling in der Nahrungsmittelindustrie von Coperion Beispiel Logistikanlage: 1 Zellenradschleuse 2 Weiche 3 Schieber 4 Probenehmer
(Bild: Coperion)

Covestro lagert seine Logistik aus, der Additivhersteller Müntzing seine Instandhaltung, und Compoundhersteller Kuraray hatte noch nie eine eigene Engineering-Abteilung. Im CEO-Sprech heißt das dann „Konzen­tration auf das Kerngeschäft“ und bedeutet nichts anderes als Outsourcing. Doch wenn PVC- und andere Kunststoffhersteller ihre Engineering-Abteilungen zumachen, entsteht beim Hersteller eine Kompetenzlücke, die geschlossenen werden will. In den letzten Jahren wittern spezialisierte Apparatebauer hier ein Geschäft und preschen mit entsprechenden Dienstleistungen vor. Beispielhaft dafür stehen Coperion und Zeppelin Systems, die ihre Chance genutzt und in den letzten Jahren stark vom Trend zur Auslagerung profitiert haben. „Früher wurden kleinere und mittlere Anlagen von großen Herstellern selbst geplant. Diese ziehen sich aber mehr und mehr aus diesem Bereich zurück“, weiß Rochus Hofmann, Geschäftsführer von Zeppelin Systems.

Die Zeiten, als der Schüttgutexperte aus Friedrichshafen lediglich Silos herstellte, sind lange vorbei. Heute verstehen sich die Friedrichshafener als Systemlieferant, bauen und planen Systeme für die Kunststoff- und Nahrungsmittelindustrie. Einzige Ausnahme sind Extrudier- und Compoundierprozesse. „Aber hier arbeiten wir mit den spezialisierten Firmen zusammen“, erkärt Hofmann. Immer wenn es ums Lagern, Fördern, Mischen, Dosieren und Verwiegen hochwertiger Schüttgütern geht, steht man an vorderster Front.

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Jetzt schlägt die Stunde der Spezialisten

Mit diesem Prozesswissen im Rücken hat Zeppelin Systems vor etwa fünf Jahren begonnen, Kompetenzen im Planen und Umsetzen von Produktionsanlagen aufzubauen. Heute kann das Unternehmen Turn-Key-Projekte stemmen, wobei es um die spezialisierten Prozesse mit sehr viel Materialumschlag geht, eben die Bereiche, in denen das besondere Know-how der Schüttgutspezialisten erforderlich ist. Hofmann definiert seine Engineeringexperten deshalb vor allem als Architekten: „Planung und Management-Leistungen sind zu einem Produkt für sich geworden. Wir planen nicht, um unser Equipment zu verkaufen.“

Auch der Compoundier- und Extrusionsexperte Coperion hat sich in den letzten Jahren fit gemacht für die neuen Geschäftsmodelle und kann auf eine steigende Zahl von Referenzen blicken. Man verstehe sich als spezialisierter Anlagenbauer, erklärt Manfred Wiedmann, Business Unit Manager Compoundieranlagen des Stuttgarter Unternehmens. Compoundieren und Extrudieren, Dosieren sowie das Handling von Schüttgütern sind das Metier der Experten. Der Kauf des Dosier- und Förderspezialisten K-Tron im Oktober 2013 steuerte noch einmal eine Menge Know-how bei. „Für kritische Prozesse setzen wir unsere eigenen Produkte als Schlüsselkomponenten ein. Für Bereiche, die weniger sensibel für die Qualität sind, kaufen wir auch zu“, erklärt Wiedmann. Diese Kompetenz hat das Unternehmen auch auf andere Branchen, wie etwa die Lebensmittelindustrie übertragen: Seit Dezember 2012 gibt es eine Business Unit für den Foodsektor, den Anlagenbau und das Komponentengeschäft. Vor etwa zehn Jahren erkannte das Unternehmen nämlich, dass die Komponenten nicht nur in der Kunststoffindustrie, sondern auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können. Und so startete die gezielte Weiterentwicklung für spezielle Segmente wie Minerals oder Food.

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