Newsticker März: Aktuelles aus der Prozessindustrie Glyphosat-Klagen brocken Bayer Milliardenverlust ein

Von Wolfgang Ernhofer 4 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

04.03.2026

Mannheim (dpa/lsw) *11:22 Uhr – Bilfinger verdient im Tagesgeschäft deutlich mehr

Der Industriedienstleister Bilfinger hat im abgelaufenen Geschäftsjahr von einer anhaltend guten Nachfrage und den jüngsten Zukäufen profitiert. Umsatz und operatives Ergebnis legten 2025 deutlich zu. Das teilte der im MDax notierte Konzern aus Mannheim mit.

Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz im Vorjahresvergleich um acht Prozent auf gut 5,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte mit 299 Millionen Euro um 13 Prozent zu. Dazu trug auch ein Sparkurs bei. Unter dem Strich sank der Gewinn wegen höherer Steuern um zwei Prozent auf 176 Millionen.

«Wir haben alle unsere Finanzziele 2025 erreicht und bleiben auch in einem anhaltend volatilen Marktumfeld auf Kurs», sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Schulz. Auch für das laufende Jahr rechnet Bilfinger demnach mit Zuwächsen. Aufgrund des volatilen Marktumfelds werde es aber ein Übergangsjahr. 2026 soll der Umsatz den Angaben nach auf bis zu 5,9 Milliarden Euro klettern. Im schlechtesten Fall könnten die Erlöse auf dem Vorjahresniveau verharren. Davon sollen mit 5,8 bis 6,2 Prozent als operatives Ergebnis hängen bleiben.

Mit positiven Impulsen rechnet das Unternehmen in Europa vor allem aus der Dekarbonisierung, der Digitalisierung und KI-getriebenen Investitionen sowie dem anhaltenden Trend zum Outsourcing. Herausfordernd blieben weiterhin Chemie und Petrochemie, hieß es. In den USA profitiert Bilfinger nach eigenen Angaben von steuerlichen Anreizen und Investitionen in KI- und Chipfabriken.

Leverkusen (dpa) *08:43 Uhr – Glyphosat-Klagen brocken Bayer Milliardenverlust ein

Die Kosten von Glyphosat-Klagen in den USA haben den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer noch tiefer in die Verlustzone gerissen. Wie das Unternehmen in Leverkusen mitteilte, lag der Verlust 2025 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit rund 1,1 Milliarden Euro höher als 2024.

Im Februar hatte Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern geschlossen und daraufhin die Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht. Dieser finanzielle Ballast zieht die Firma nun tiefer in die roten Zahlen. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die Kursverluste des Dollars, wäre es ein Plus von 1,1 Prozent gewesen.

Dieses Jahr rechnet der Konzern mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Währungseffekte – also auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 – sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro sowie das operative Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro und damit etwa so viel wie 2025. Bayer hatte zum Jahreswechsel rund 88.000 Beschäftigte und damit rund 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Neben Unkrautvernichtern und Saatgut verkauft die Firma auch Medikamente.

02.03.2026

Halle (dpa/sa) *11:35 Uhr – IWH-Chef: Sachsen-Anhalt ist nicht nur Chemie

Sachsen-Anhalt darf nach Einschätzung von IWH-Präsident Reint Gropp wirtschaftlich nicht auf die Chemieindustrie verengt werden. «Ich denke schon, dass es ganz wichtig ist, bei Sachsen-Anhalt eben nicht nur an Chemie zu denken», sagte Gropp auf der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle. Es gäbe auch sehr viele andere Themen und Bereiche wie etwa die Medizintechnik oder Verfahrenstechnik, die berücksichtigt werden müssten.

Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbands Nordost im Verband der Chemischen Industrie (VCI) nannte die Chemie zugleich «das Rückgrat der regionalen Wirtschaft».

Gropp nannte die Energiefrage für die energieintensiven Branchen zentral. Es sei jedoch unrealistisch, dauerhaft mit deutlich sinkenden Energiekosten zu rechnen. «Am Ende ist dann eben für die Chemieindustrie, zumindest für den sehr energieintensiven Teil, alternativlos, Verfahren zu entwickeln, die weniger energieintensiv sind», so der Ökonom.

Gropp verwies zugleich auf Standortvorteile des Landes bei den erneuerbaren Energien. Sachsen-Anhalt produziere mehr Ökostrom, als es selbst verbrauche - das sei «natürlich eine Chance» und müsse stärker den Unternehmen und Haushalten vor Ort zugutekommen. Das jüngst beschlossenes Landesgesetz, von dem Kommunen mit vielen Wind- und Solarparks profitieren sollen, gehe in die richtige Richtung.

Mit Blick auf die Strukturpolitik warnte Gropp vor einem zu starken Festhalten an bestehenden Strukturen. «Immer dann, wenn wir mit sehr viel Steuergeldern Altes erhalten, verhindern wir ein Stück weit, dass Neues entstehen kann.» Strukturwandel bedeute auch, Veränderungen zuzulassen – selbst wenn dadurch einzelne Branchen kleiner würden.

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Der Staat solle sich stärker auf grundlegende Reformen konzentrieren, etwa beim Bürokratieabbau oder bei den sozialen Sicherungssystemen, statt vor allem Subventionen zu verteilen. «Es ist sehr viel leichter für den Staat, Geld zu verteilen, als fundamentale Reformen durchzuführen», sagte Gropp.

Entscheidend sei Vertrauen in die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Diese könnten auch unter veränderten Rahmenbedingungen neue Geschäftsmodelle entwickeln und so zum Entstehen neuer industrieller Kerne beitragen.

Riad (dpa) *10:37 Uhr – Saudi-Arabien: Anlage von Öl-Konzern Aramco angegriffen

In Saudi-Arabien ist eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Zwei Drohnen hätten die Ölraffinerie in Ras Tanura im Osten des Landes attackiert, teilte ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums mit. Die Drohnen seien abgefangen und zerstört worden. Durch herabfallende Trümmerteile sei an der Anlage ein Feuer ausgebrochen, Opfer habe es dabei aber nicht gegeben. Einige Trümmerteile seien auch in Wohngegenden heruntergekommen.

Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Energieministerium, einige Teile der Anlage seien vorübergehend geschlossen worden. Kurz darauf berichtete der Kanal aber unter Berufung auf das Ministerium, die Ölproduktion und der Betrieb in Ras Tanura laufe normal weiter.

Im Internet kursierten Videos, die dichte Rauchwolken über der Ölanlage zeigen. Die Raffinerie in Ras Tanura zählt mit einem täglichen Volumen von 550.000 Barrel Öl zu den größten des Landes. Der Staatskonzern Aramco äußerte sich selbst zunächst nicht.

Saudi-Arabien zählt zu den größten Ölproduzenten der Welt. Der staatliche Ölkonzern Aramco ist dabei trotz eines angestrebten Wirtschaftsumbaus im Land weiterhin entscheidend für die Staatseinnahmen. Schon vor einigen Jahren wurden unter anderem die größte Ölraffinerie des Landes in Abkaik sowie das Ölfeld Churais getroffen. In der Folge brach die saudische Ölproduktion drastisch ein, die Ölpreise schossen auf dem Weltmarkt in die Höhe.

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