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Einfachere Arbeitsbedingungen Carbon-Kransystem entlastet Mitarbeiter in der Produktion

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die Verringerung der ergonomischen Belastungen am Arbeitsplatz ist in der industriellen Produktion eine dauerhafte Herausforderung. Forscher der Fachhochschule Köln haben deshalb in Kooperation mit der Firma Eepos ein carbonfaserverstärktes Kransystem entwickelt, das die Arbeit in der Produktion deutlich erleichtert.

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v.l.n.r.: Friedhelm Mücher (Geschäftsführer Eepos), Prof. Dr. Jochen Blaurock (Fachhochschule Köln), Matthias Dick (Konstruktionsleiter Eepos)
v.l.n.r.: Friedhelm Mücher (Geschäftsführer Eepos), Prof. Dr. Jochen Blaurock (Fachhochschule Köln), Matthias Dick (Konstruktionsleiter Eepos)
(Bild: Dirk Adolphs/FH Köln)

Gummersbach, Köln – „Arbeiter in der Industrie sind besonders stark belastet, wenn sie eine bestimmte Bewegung viele hundert Mal am Tag wiederholen.“, erläutert Prof. Dr. Jochen Blaurock vom Institut für Allgemeinen Maschinenbau am Campus Gummersbach der Fachhochschule Köln. Besonders problematisch sei es, wenn mit Bauteilen gearbeitet wird, die im Verhältnis zum Gewicht des Kransystems relativ leicht sind. Das Gewicht des Krans mache dann eine schnelle und exakte Positionierung sehr schwierig und belaste den Mitarbeiter unnötig.

„Gemeinsam mit Eepos haben wir daher ein hochsteifes, modulares Kransystem aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen entwickelt. Dabei kam Carbon zum Einsatz, das nur etwa ein Viertel so schwer wie Stahl ist, aber über eine doppelt so große Steifigkeit verfügt“, so Blaurock.

„Gerade bei Leichtkranen im unteren Traglastbereich gibt es viele Aufgabenstellungen, bei denen das ultraleichte Carbonprofil die Ergonomie auf ein neues Niveau hebt,“ skizziert Friedhelm Mücher, Geschäftsführer von Eepos, die Motivation für die Zusammenarbeit. Der Geschäftsführer und Entwicklungsleiter Timo Koch führte den Eepos Carbon Schwenkkran auf zwei Messen vor und berichtet: „Nachdem die Messebesucherinnen und -besucher den Arm mit zwei Meter Ausladung selbst bewegt hatten, waren sie völlig überrascht, dass der Ausleger nur acht Kilogramm wiegt.“

Hubleistung von 100 kg

Im Rahmen der Kooperation entwickelte Blaurock mit seinen Mitarbeitern das Konzept für das Carbon-Kransystem und war für die Konstruktion und rechnerische Auslegung verantwortlich. Zudem identifizierte das Team geeignete Materialien und konstruierte die Querschnitte. Die Firma Eepos legte die Randbedingungen fest, baute den Prototypen und führte die vorgeschriebenen Tests durch. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 520 000 Euro und wurde durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Das Kransystem kann bei einer Spannweite von über drei Metern bis zu 100 kg heben. Das System ist so aufgebaut, dass sich die Konstruktion auf einer freien Länge von drei Metern maximal sechs Millimeter durchbiegt. Neben der ergonomischen Entlastung für die Mitarbeiter ermöglicht die Leichtbauweise eine niedrigere Geräuschentwicklung, geringere Deckenlast, leichtere Montage sowie weniger Verschleiß bei den Fahrwerken.

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