Quantencomputer in der Pharmaforschung Boehringer Ingelheim und Google Quantum AI kooperieren für Wirkstoffentwicklung

Redakteur: MA Alexander Stark

Quantencomputer haben das Potenzial, die Entdeckung neuer Medikamente maßgeblich zu beschleunigen und zu optimieren. Wissenschaftler von Boehringer Ingelheim und Google wollen deshalb gemeinsam neue Wege bei der Anwendung von Quantencomputern für Molekulardynamik-Simulationen gehen.

Firmen zum Thema

Gemeinsam untersuchen Boehringer Ingelheim und Google die vielfältigen Potenziale von Quantum Computing für die Pharmaforschung.
Gemeinsam untersuchen Boehringer Ingelheim und Google die vielfältigen Potenziale von Quantum Computing für die Pharmaforschung.
(Bild: Hannah Benet/ Google)

Ingelheim; Mountain View/USA – Um bisher unbekannte Anwendungsmöglichkeiten für Quantencomputer in der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung zu untersuchen, haben Boehringer Ingelheim und Google Quantum AI (Google) eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Insbesondere Molekulardynamik-Simulationen stehen dabei im Fokus. Die neue Partnerschaft verbindet die Expertise von Boehringer Ingelheim bei computergestütztem Wirkstoffdesign und Modellierung mit den technologischen Möglichkeiten von Google als einem der führenden Entwickler von Quantencomputern und Algorithmen. Boehringer Ingelheim ist weltweit das erste Pharmaunternehmen, das mit Google im „Quantum Computing“ zusammenarbeitet. Die Zusammenarbeit ist auf drei Jahre angelegt und wird von dem neu gegründeten Quantum-Forschungslabor von Boehringer Ingelheim mitgeleitet.

Laut Michael Schmelmer, Vorstandsmitglied bei Boehringer Ingelheim und verantwortlich für Finanzen und Konzernfunktionen, besitzt Quantum Computing das Potenzial, die Forschung und Entwicklung in der Pharmazie erheblich zu beschleunigen und zu optimieren. Auch wenn Quantum Computing eine vergleichsweise neue Technologie sei, zeigte er sich überzeugt, dass mit ihrer Hilfe zukünftig noch mehr Menschen und Tiere mit innovativen und bahnbrechenden Medikamenten versorgt werden können.

Die neue Kooperation ist Teil der umfassenden digitalen Transformationsstrategie von Boehringer Ingelheim – mit dem Ziel, vielversprechende Forschungsaktivitäten schneller und effektiver weiterzuentwickeln und dadurch mehr bahnbrechende medizinische Lösungen auf den Markt zu bringen, die Patienten dringend benötigen. Dafür erhöht das Unternehmen seine Investitionen in ein breites Spektrum digitaler Technologien. Schlüsselbereiche wie Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und Data Science helfen dabei, Krankheiten, ihre Treiber und Biomarker sowie digitale Therapiemöglichkeiten besser zu verstehen.

Die äußerst präzise Modellierung molekularer Systeme gelte weithin als die natürlichste Anwendung von Quantum Computing und habe das Potenzial, Arbeitsprozesse grundlegend zu verändern, so Ryan Babbush, Leiter von Quantum Algorithms bei Google.

Computerbasierte Ansätze bilden bereits die Grundlage für das Design sowie die Entwicklung innovativer Medikamente. Allerdings können heutige Computer wegen ihrer Algorithmenstruktur nicht viele der wirklich komplexen Herausforderungen meistern, die grundlegend für die frühen Phasen pharmazeutischer Forschung und Entwicklung sind, darunter insbesondere Simulationen und Analysen von für den Krankheitsmechanismus relevanten Molekülen. Die Hoffnung liegt daher auf Quantum Computing und seiner Fähigkeit, viel größere Moleküle als derzeit möglich genau zu simulieren und zu vergleichen. Dadurch würden sich neue Möglichkeiten für pharmazeutische Innovationen und Therapien für ein breites Spektrum an Krankheiten ergeben.

(ID:47062325)